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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 29.03.2018

Voi vü Fun!

Und Ihr so: Lieber "Last Sale" oder "die letzte Möglichkeit aus dem Winterschlussverkauf"? ;)

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(K)Ein Zufall? 😉 Niederösterreicherin-Coverstar-Treffen – Celine Schrenk, Kerstin Lechner, Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer, Barbara Kaudelka und Patricia Kaiser

Also, ich höre ja gerne Radio …

Unlängst belustigte mich eine Diskussion über die vermeintlich unsere Sprache bedrohenden Anglizismen. Der beanstandete und eingespielte Aufhänger dafür war eine stimmlich schon etwas betagte, freundliche Pensionsinhaberin, die ihren Gästen auf dem Weg zur Skipiste nachrief: „I wünsch eich voi vü fun!“ Recht hat sie! Wenn die Holländer diesem Satz auch nicht folgen können – „fun“ kommt an. Kurz und bündig. Wie auch die Plakate mit „Sale“, oder noch besser mit „Last Sale“, die gerade noch die Schaufenster zierten. Man stelle sich vor, darauf wäre „Die allerletzte Möglichkeit aus dem Winterschlussverkauf“ zu lesen – die Ware unserer Begehrlichkeit wäre dann ja ganz verdeckt! Außerdem: weniger Buchstaben, weniger Kosten für die Unternehmer. Jedenfalls dürfen wir uns jetzt über die „Spring Fashion“ freuen, und die Arbeit unserer Landwirte wird im Zeitalter der Digitalisierung 4.0 durch das „Smart Framing“ erleichtert. Haben wir doch keine Angst um unsere Sprache! In einer immer enger zusammenwachsenden Welt brauchen wir eben Begriffe, die überall sofort verstanden werden, vor allem in unserer täglichen Arbeit an den Computern.Eine gesunde Reaktion auf fremdsprachliche Eindringlinge ist die neu zelebrierte Pflege der Dialekte.

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Covershooting. Chris Ecker / Aquila Picture, Angelica Pral-Haidbauer, Stylist Dirk Nebel, Patricia Kaiser

Mir wurde ganz warm ums Herz …

… als ich die Interviews mit unseren Olympioniken in Pyeongchang, noch ganz in der Emotion ihrer kräfteraubenden Leistungen, hörte. Da glaubt man, im weichen Dialekt einer Kathi Gallhuber die Weite der Landschaft um Göstling mitzuhören, während man beim Rodler David Gleirscher mit seinem tirolerischen „ck“ die schroffen Bergwände des Stubaitals erahnen kann. Junge, erfolgreiche Menschen, die den Stolz auf ihre Heimat auch in ihrer Sprache ausdrücken und ihr Ziel, auf dem Stockerl zu stehen, „dawuscht“ haben. Ich liebe ja diese Wortschätze und schmökere dazu gerne im Mundartlexikon „Highuacht und auf­gschriebm“ von Fritz und Margareta Renner aus Staasdorf bei Tulln. Wenn mir auch leider davon – abseits vom eher gängigen „kammadi“, „gangadi“ und „dadada“ – nicht viel verständlich ist.

Macht nichts, denn die große Literatin Marie von Ebner-Eschenbach kennt das Geheimnis alter Redewendungen: „Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten.“ Übrigens: Auch in der Steiermark tragen betagte Menschen alte Begriffe zusammen, um sie dem Vergessen zu entreißen. Zu finden sind diese unter dem vielsagenden Titel: „Ranking Hits MundART im March 2018“!

Liebe Leserinnen und Leser, auch in der April-NIEDERÖSTERREICHERIN findet Ihr Interviews mit beeindruckenden Frauen: Coverlady Patricia Kaiser, Filmemacherin Monja Art sowie Schauspielerin und Trachtenbotschafterin Anja Kruse, die uns gesunde Rezepte für ihre besten Jahre verrät. Um die verbindende Kraft der Sprache geht es in Viktória Kery-Erdélyis Beitrag anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung auf der Schallaburg. Damals ist nämlich die Beziehung von Byzanz und dem lateinischen Westen an Kommunikationsmängeln gescheitert. Und wie Menschen nach schwersten Erkrankungen mithilfe einer Musiktherapie ihre Sprache wiederfinden können, lesen Sie unter dem Titel „Ich spiele für dich“.Also, vü fun!

Eure Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin

 

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Daheim bei Kathi Gallhuber – mit Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi