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Der Geigenflüsterer

Look! Salzburg war zu Besuch bei Geigenbauer Mücke-Elschek und haben ihn bei seiner Arbeit begleitet.

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Thomas Kirchmaier

Ursprünglich stammt das Ehepaar aus Bratislava. Sie lernten beide das Meisterhandwerk in der italienischen Stadt Cremona, dem Ort, aus dem alle weltberühmten Geigenbauer stammen. Nach einigen Jahren zog es Gesine und Adrian in ihre Wahlheimatstadt Salzburg und sind bis heute seit über 20 Jahren in ihrer Werkstatt, unmittelbar in der Nähe der Universität Mozarteum, tätig. Ein wesentlicher Anteil ihrer Arbeit ist die Wartung und Restauration von Geigen, Bratschen und Celli sowie die Restaurierung von Bögen. Besonderen Wert legen sie dabei auf die klangliche Einstellung und die Regulierung von Bögen. Darin hat das passionierte Geigenbauer- Ehepaar jahrelange Erfahrung. Neben der Reparatur widmen sie sich auch dem Neubau sowie der Begutachtung und der Zuordnung alter und neuer Meisterinstrumente.

 

 

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Thomas Kirchmaier

Komm, süßer Ton. Geigen sind empfindliche Instrumente. Es ist fast eine eigene Wissenschaft, sie herzustellen und zu reparieren. Weit über 100 Arbeitsschritte sind notwendig, bis ein Musiker endlich darauf spielen kann. Der Geigenbaumeister kennt alle Instrumente in seiner Werkstatt in- und auswendig. Decke, Boden und Schnecke eines Instruments bleiben meist unverändert und sind im Originalzustand, während der Rest wie Halsstück, Wirbel oder Steg gelegentlich ausgetauscht werden, da diese Teile reparaturanfälliger sind. „Das Instrument an sich ist aber so gut konzipiert, dass man es seit Hunderten von Jahren nicht großartig verändert hat“, erzählt Adrian Elschek. Die Geige in ihr-Nach dem gleichen Konzept entstanden auch Bratsche und Cello. Wohl gab es und gibt es auch heute noch immer gewisse technische Änderungen, mit denen man heutige Klangvorstellungen erreichen will, Grundriss und Grundform des Instruments bleiben aber gleich. Manchmal müssen Teile wie Schnecke, Halsstück oder Wirbel ausgetauscht werden. Die Werkzeuge, die Adrian Elschek für die Feinarbeiten am Instrument verwendet, sind dabei vielfältig: Die Wölbungen erfolgen durch das Stechen mit verschiedenen großen Hohleisen und Hobeln. Mithilfe von Biegeisen und durch Feuchtigkeitseinfluss enstehen die Rundungen am Instrument. Der Schneckenhals wird aus einem Holzstück herausgearbeitet und die Schnecke am Ende erhält mit der Feile den letzten Feinschliff. Die Lackierung trägt Elschek zum Schluss auf, wobei er nicht irgendeinen industriellen Lack verwendet, sondern diesen selbst mischt. „Somit weiß ich, welche Inhalte im Lack sind. Fertige Lackmischungen haben oft schädliche Substanzen, die für das Instrument nicht gut sind und sogar den Klang beeinflussen können“, erklärt der Geigenbauer.

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Thomas Kirchmaier

Beseelte Instrumente. Geheimnisvoll wird es aber, wenn man einen Blick in das Innere der Geige wirft. „Dort befindet sich der Sitz der Seele!“, sagt der Geigenbaumeister. Und tatsächlich, wenn man hinter das F-Loch sieht, entdeckt man ein ca. sechs Millimeter
großes Holzstück, dass zwischen Boden und Decke positioniert wird. „Die Seele oder auch Stimmstock genannt, muss richtig platziert werden. Somit kann das
Schwingen der Decke direkt beeinflusst werden. Wird der Stimmstock falsch gesetzt,
kann es sogar zu einem Stimmriss kommen und muss infolgedessen aufwändig repariert werden“, erklärt er. 

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Thomas Kirchmaier

Geschick, Geduld und Ausdauer. Viele große Musiker gehen bei Mücke-Elscheks Werkstatt ein und aus. Der bekannteste aller ihrer Kunden jedoch ist zweifelsohne Wolfgang Amadeus Mozart.
Obwohl er seine Konzertinstrumente nicht mehr selber in Reparatur bringen
kann, werden sämtliche seiner Geigen bei Mücke-Elschek in Auftrag gegeben. „Natürlich ist das für uns eine Besonderheit“, sagt der Geigenbaumeister, „aber wir bekommen so viele Instrumente in
die Hand, da verhält es sich im Vergleich wie der Chirurg zu seinen Patienten. Am
Ende zählt, dass man seine Arbeit gut macht und nicht der Bekanntheitsgrad
des Patienten auf dem Operationstisch“,lacht er. Adrian Elschek ist ein freundlicher
und offener Mensch, der sich für seine Kunden gerne Zeit nimmt. So sind
schon viele Freundschaften entstanden. „Das ist für diesen Beruf auch von
Vorteil“, erklärt er, „denn je näher man jemanden kennt, desto besser lernt man
auch sein Instrument kennen.

“Veni, vidi, violini. „Er kam, sah und vergeigte“, heißt es manchmal bei
einigen Kunden, die am Dachboden ihres Hauses einen vermeintlichen
Schatz zu Mücke-Elschek bringen. Da ist Geduld gefragt, eine Eigenschaft, die
das Geigenbaumeister-Paar aber ohnehin mitbringt. Besonders, wenn jemand
felsenfest der Meinung ist, dass es sich bei seinem Dachbodenfund um eine Stradivari handeln muss. „Da ist manchmal schon Überzeugungsarbeit gefragt, vor allem, wenn es tatsächlich nur eine billig hergestellte Industrieware ist“, lacht Herr Elschek. Für das Geigenbaumeister-Ehepaar ist jeder Arbeitstag eine neue Herausforderung. „Aber genau das ist es, was wir an unserem Beruf so lieben“, sagen sie.