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Events | 05.12.2017

Manege frei!

Akrobatisch, 
magisch und poetisch. So präsentiert sich der Salzburger Volksgarten vom 
28. November 2017 
bis 7. Jänner 2018. 
In dieser Zeit heißt es wieder: Manege frei für das Winterfest! Wir sprachen mit der künstlerischen Leiterin Caroline Stolpe über den „neuen Zirkus“ und die aktuellen Highlights der neuen Saison.

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Foto: Pierre Colletti/Winterfest 2017

Bereits zum 17. Mal verwandelt das Winterfest den Salzburger Volksgarten in eine zauberhafte winterliche Zirkuswelt. Seit sechs Jahren ist Caroline Stolpe mit von der Partie. Als Praktikantin schnupperte die gebürtige Sachsen-Anhalterin aus Halle an der Saale nach ihrem Studium der Kulturwissenschaft Salzburger Zirkusluft. Für ein halbes Jahr – so war es geplant. Doch sie ist gekommen, um zu bleiben. Der Funke der Leidenschaft und der Begeisterung für den zeitgenössischen Zirkus ist direkt von Georg Daxner, dem verstorbenen Gründer des Winterfestes, auf die junge Praktikantin übergesprungen. Aus einem Praktikumsjob wurde wahre Berufung. Dieses Jahr übernimmt sie bereits zum zweiten Mal alleinverantwortlich die künstlerische Leitung des Winterfestprogramms. 

look! Salzburg: Frau Stolpe, wie kamen Sie zum Zirkus?


Caroline Stolpe: Zum ersten Mal realen Kontakt zum Zirkus hatte ich lustigerweise während eines Studentenjobs. Ich arbeitete damals neben meinem Studium der Kulturwissenschaften in Hamburg in einem Spielzeugladen, der auch Kinderfreizeiten angeboten hat. Dort konnte ich zirkuspädagogisch wirken, indem ich Kindern in den Ferien das Jonglieren beigebracht habe. So richtig Feuer gefangen für den Zirkus habe ich dann ein wenig später während eines Praktikums beim Düsseldorf-Festival. Dort habe ich den „Cirque invisible“ von Victoria Chaplin und Jean-Baptiste Thierry betreut und war vom ersten Augenblick an völlig fasziniert und in den Bann gezogen.


Was fasziniert Sie persönlich am „neuen Zirkus“?


Besonders faszinierend finde ich die irre Vielfalt an Möglichkeiten, die der neue Zirkus bietet. Er versucht, sich immer weiterzuentwickeln, sich immer wieder neu zu erfinden. Mit seiner Kunst kreiert der Zirkus eigene Welten und Erlebnisse, in die man als Publikum völlig eintauchen kann und die oft so anders sind als alles, was man sonst auf Bühnen erleben kann. Der Zirkus ist eine Kunstform, die mit einem einzigen Stück Kinder ebenso sehr in den Bann ziehen kann wie Erwachsene. Die ganze Szene ist sehr solidarisch, es gibt kein Konkurrenzgehabe und einen starken Zusammenhalt. Der Ansatz, Kunst fürs Volk zu machen, macht diese Kunstform sehr schön und so menschlich. Es gibt beim Zirkus ganz wenig Disziplinen, die für sich alleine funktionieren. Menschen arbeiten eng zusammen, müssen einander vertrauen, sich auf einander verlassen können. Viele Zirkusdisziplinen sind nur möglich, wenn man sich zusammenschließt.
 Das Motto des Kollektivs XY bringt das sehr treffend zum Ausdruck. Es lautet: „Allein ist man schneller. Doch gemeinsam kommt man weiter.“


Worum geht es in dem Eröffnungsstück „Attrape-Moi“ der kanadischen Kompanie „Flip FabriQue“?

FabriQue erzählt ihre eigene Geschichte. Nämlich die von sechs Freunden, die sich nach längerer Zeit wiedersehen und einen herrlich leichten und verspielten Sommertag miteinander verbringen. „Attrape-moi“ ist ein buntes, sommerliches und lebensfrohes Stück, das viele artistische Disziplinen vereint. Es ist voll geladen mit Energie, die sofort aufs Publikum überspringt. Übersetzt lautet der Titel „Fang mich“ – und genau so ist es: Als Zuseher wird man vom ersten Augenblick an gefangengenommen.


Ein Wiedersehen gibt es dieses Jahr mit der französischen Kompanie „Cie XY“. Was verbindet Sie mit ihr?

Cie XY waren schon im Jahr 2008 bei uns. Damals noch zu sechst mit ihrem ersten eigenen Stück. Mittlerweile hat sich die Kompanie auf 22 Artisten vergrößert und ist international sehr gefragt. Ihr Stück „Il n’est pas encore minuit“ hat sich in der Szene zu einem akrobatischen Must-see, einem Klassiker des zeitgenössischen Zirkus entwickelt. Wir sind sehr stolz, sie bei diesem Winterfest wieder bei uns zu Gast zu haben.


Das Stück heißt „Il n’est pas encore minuit“, was soviel bedeutet wie „Es ist noch nicht Mitternacht“. Welche Botschaft steckt dahinter?


Wenn es kurz vor Mitternacht ist, ist es noch nicht zu spät. Für Denis Dulon, Gründungsmitglied des Kollektivs, transportiert der Satz Hoffnung, dass noch alles möglich ist, dass es nie zu spät ist, um loszulegen. Mit lachen, glauben, singen, tanzen, lieben. Wir müssen daran glauben, uns aber auch beeilen, denn Mitternacht naht und schon bald beginnt der nächste Tag.


Die Materie Holz war bereits letztes Jahr mit „Timber“ ein zentrales Thema. Auch dieses Jahr wieder – mit dem Stück „La Cosa“ von Claudio Stellato. Worum geht es in dem Stück?
In „La Cosa“ geht es um das spielerische Kräftemessen zischen Mensch und Materie, genau genommen um das Material Holz. Vier Männer in Anzügen arbeiten sich physisch an vier Kubikmetern Holz ab. Aus dem erst schöpferisch beginnenden Spiel wird ein Kampf. Die Performance führt eindrucksvoll vor Augen, dass auf einen bedingungslosen Drang nach Wachstum hin irgendwann ein Crash folgen muss. 


Mit der „Compagnia Baccalà“ kommt ein, wie Sie sagen, „Traumpaar des neuen Zirkus“ nach Salzburg. Was meinen Sie damit?

Für mich persönlich ist das Stück „Pss Pss“ der „Compagnia Baccalà“ eine wahre Perle in unserem Programm. Die beiden großartigen Mimen Camilla Pessi und Simone Fassari sind einfach zauberhaft, sie ziehen einen mit ihren herzerwärmenden, liebenswerten Charakteren sofort in den Bann. Und das alles ohne Worte. Die beiden Clowns betreten die Bühne und man lässt sich als Zuseher eine Stunde lang treiben, tritt ein in eine Welt der Komik, der großen Poesie und der Emotionen und vergisst alles rund um sich herum.

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