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Lifestyle | 15.04.2018

Bodyshaming

Social-Media-Plattformen setzen Jugendliche massiv unter Druck: Nur wer schlank, fit und schön ist, bekommt Likes. Die anderen sehen sich immer öfter mit Beleidigungen konfrontiert, dem „Bodyshaming“.

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© Shutterstock

„Fette Kuh!“, „Leggings sind nur etwas für Mädchen mit schlanken Beinen“,  „Du siehst aus wie ein Skelett, absolut unsexy“, „Vor deinem Schwabbelkörper werden alle Jungs davonlaufen!“

Beleidigungen und abwertende Kom­mentare anderer zum eigenen Körper und Aussehen scheinen auf Social-Media-Plattformen an der Tagesordnung zu stehen. Wer Fotos von sich postet, muss offenbar damit rechnen, zur Zielscheibe von Spott und Hohn zu werden. Besonders davon betroffen sind Mädchen und junge Frauen. Der Verein PROGES (Verein für prophylaktische Gesundheitsförderung) beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit dem Körperbewusstsein von Mädchen und jungen Frauen. Geschäftsführerin Doris Formann macht besonders den medialen Einfluss und dessen ungesunde Darstellung weiblicher Schönheit dafür verantwortlich, dass sich immer mehr Mädchen optisch unzulänglich fühlen. „Wir wissen, dass Mädchen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren besonders sensibel sind, was ihren Körper betrifft“, erzählt Formann. „Die körperlichen Veränderungen sind in diesem Alter meist massiv und verunsichern zutiefst. Viele Mädchen fragen sich: Ist das normal? Und ist das schön?“


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Plus-Size-Model Ashley Graham war bereits am Cover von „Sports Illustrated“, trotzdem wird sie im Netz als „fett“ und „widerlich“ beschimpft. © instagram.com/theashleygraham

Unzufriedenheit in Zahlen. Zahlen bestätigen, dass unrealistische und mitunter gefährliche Schönheitsideale den weiblichen Selbstwert stark beeinflussen. So sind bis zu 70 Prozent der Zwölf- bis 16-Jährigen mit zwei oder mehr Körperstellen unzufrieden. 80 Prozent wären gern dünner und bis zu 60 Prozent machen bereits Diäten. Zahlen, die auch die Linzer Medienpädagogin Sissi Kaiser nachdenklich stimmen. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf. „Bei meinen Projekten an Schulen erzählen mir die Lehrerinnen, dass sich das Thema Bodyshaming bei den Schülern wie ein grausiger roter Faden durchzieht“, sagt Kaiser. „Besonders weil die Mädchen einem Körperideal nachhängen, das es im realen Leben gar nicht gibt. Niemand sieht so aus wie das Model in der Unterwäsche-Werbung – nicht einmal das Model selbst.“ Bei ihren Workshops in Schulen setzt sie sich deshalb intensiv mit dem Thema „Manipulation von Bild und Film“ auseinander. „Wir zeigen dabei unter anderem Photoshop-Techniken im Vorher/Nachher-Vergleich, die ganz klar erkennen lassen, dass der fotografierte Mensch lediglich die ,Grundperformance’ bietet“, erklärt Kaiser. „Aber mit der entsprechenden Software kann man jeden Menschen zur Kunstfigur machen. Beine werden länger, Kilos, die keine sind, werden wegretuschiert, die Haut wird farblich angepasst. Vom fotografierten Menschen selbst bleibt nur noch die Hülle übrig.“


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Auch Superstar Rihanna wurde vorigen Sommer wegen ihrer neuen Kurven auf Instagram verunglimpft. © instagram.com/badgalriri

Optimierungsdruck steigt. Auch der PROGES-Workshop, der seit Herbst für Neue Mittelschulen angeboten wird, zielt auf eine kritische Auseinandersetzung mit gängigen Körpernormen und Schönheitsidealen ab. Angeboten wird er für Mädchen von zehn bis 14 Jahren. „Obwohl auch der Optimierungsdruck unter Burschen größer wird, sind es immer noch die Mädchen, die viel mehr in ihrer Optik gemessen werden“, weiß Doris Formann. „Das ist ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Missstand.“
Bei den Workshops geht es auch darum, den Mädchen die richtige Gedankenhaltung in Sachen Bodyshaming zu vermitteln. „Es gibt da diesen Spruch: Was Petra über Paula sagt, sagt mehr über Petra aus als über Paula“, so Formann. „Das bedeutet, dass Beleidigungen und negative Kommentare mit der Unsicherheit der anderen Person zu tun hat. Diese Erkenntnis macht den Umgang mit blöden Kommentaren zumindest ein bisschen leichter.“

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„Du hast Oberschenkel wie ein Mann“ –sogar Fitness-Bloggerin Sophia Thiel muss sich immer wieder mit blöden Kommentaren herumschlagen. © instagram.com/pumping.sophia.thiel

Was ist Bodyshaming?

„Bodyshaming“ bedeutet, einen anderen Menschen aufgrund bestimmter Körpermerkmale schlechtzumachen oder herabzuwürdigen. Besonders auf Social-Media-Plattformen, wie Instagram und Facebook, wird mit Beleidigungen und negativen Kommentaren nicht gespart. Egal ob skinny oder kurvig: Zum Opfer von Spott und Hohn kann jeder werden. In erster Linie betrifft „Bodyshaming“ allerdings Mädchen und Frauen – und hier speziell jene, die übergewichtig sind und somit nicht dem gängigen „Schönheitsideal“ entsprechen. Doch auch eine schiefe Nase, abstehende Ohren oder Sommersprossen können einen zur Zielscheibe machen.