Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 03.10.2017

Ein edles Tröpfchen

Auf dem Reiterhaindl-
Gut in Großgmain lebt die Winzerin Marianne Witzko. look! Salzburg 
hat sie in ihrem Weingarten besucht und bei 
ihrer Arbeit begleitet.

Bild Arbeitsschritte-34.jpg
Thomas Kirchmaier

In einer idyllischen Gegend, nahe dem Freilichtmuseum, wohnt Marianne Witzko zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden Söhnen auf dem etwa 500 Jahre alten Erbhof ihrer Eltern, dem Reiterhaindlgut. Ursprünglich war sie gelernte Textilingenieurin, lebte und arbeitete über zehn Jahre lang in München, bis das Schicksal ihrem Leben eine Wende verlieh. „Mein Bruder, der den Bauernhof ursprünglich übernommen hatte, ist tödlich verunglückt. Seitdem lebe ich auf dem Hof“, erzählt Frau Witzko. Zum Weinanbau ist sie aber erst durch ihren Mann gekommen, der im Jahr 1997 mit 100 Rebstöcken begonnen hatte. „Einige Jahre später waren es dann schon 2.000 Stück“, lacht sie. Aus diesem Grund besuchte sie die Weinakademie in Rust im Burgenland, die sie drei Jahre später mit einem Diplom abschloss. Der Grundstein für ihr Hobby war gelegt. „Ein sehr zeitintensives Hobby, denn ich mache alles selber und verbringe dabei dementsprechend viele Stunden im Weingarten“, sagt die Expertin. Angebaut werden die Sorten Chardonnay, Zweigelt, Sankt Laurent, Rösler und Cabernet Sauvignon. Daraus entstehen eine Rotweincuvée (Juvavum), ein Chardonnay (Salzburger Hochthron) und ein Rosé (Rösler).

Bild Portrait-5.jpg
Thomas Kirchmaier

Von Weingeistern und Freigeistern. Mit Wein hat sie sich früher eigentlich nie auseinandergesetzt. „Nur getrunken!“, scherzt die Winzerin. Am liebsten trinkt sie Weißwein. „Bier schmeckt mir überhaupt nicht“, sagt sie. Campari und Whisky hingegen liebt sie, denn so heißen ihre beiden Maincoon-Katzen. „Wahre Freigeister, aber sie folgen mir auf Schritt und Tritt und beobachten meine Arbeit aus nächster Nähe.“
Marianne Witzko befindet sich immer wieder auf Weiterbildungen und absolviert verschiedenste Kurse an den Weinbauschulen in Krems und Klosterneuburg. Außerdem ist ihre zweite Leidenschaft das Reisen. So probiert sie Weine aus den verschiedensten Gegenden. „Das ist wichtig, damit man nicht betriebsblind wird“, erzählt sie. Neben dem Weinbau ist sie seit dem Jahr 2005 Lehrerin an der Tourismusschule Klessheim und bildet dort junge Sommeliers und Käsekenner aus, denn Frau Witzko ist, nebenbei bemerkt, auch diplomierte Käsesommelière.


Qualität statt Quantität. Salzburg ist ein exotischer Ort für Weinanbau, denn man hat hier aufgrund des Wetters eine eher unsichere Ernte. „Man sagt, von zehn Jahren sollten in etwa sieben bis acht Jahre eine gute Ernte sein. In Salzburg ist das eher umgekehrt“, erklärt die Winzerin. „Daher ist nur ein kleiner Weinanbau geeignet, so wie wir es machen. Wir können dafür aber alles selber steuern, 
haben keinen Produktionsdruck und können uns ganz auf die Qualität konzentrieren, statt Massen zu erzeugen.“


Vegetationszeit. Eine gute Rebe benötigt eine lange Vegetationszeit von mindestens 180 Tagen vom Austrieb bis zur Ernte. Dabei spielen auch ein warmer Sommer und ein milder, trockener Herbst eine große Rolle. Durch die lange Vegetationszeit haben die Trauben auch eine lange Reifezeit hinter sich. Das ist die Voraussetzung für eine gute Qualität des Weins. „Wenn die Trauben viel erleben, bilden sie sich besonders charaktervoll heraus“, erklärt die Winzerin. Genau betrachtet, ist es bei uns Menschen nicht anders.

Bild Arbeitsschritte-18.jpg
Thomas Kirchmaier

Der richtige Lesezeitpunkt. „Unsere Weine werden nur aus jenen Trauben, die auf unserem Hof wachsen und reifen, gekeltert. Fremdtrauben verwenden wir keine und wir lassen unsere Trauben auch nicht von anderen Winzern verarbeiten. Die Beeren werden von Hand gelesen, wobei der richtige Lesezeitpunkt eine wichtige Rolle spielt“, erklärt Marianne Witzko. Je nach gewünschtem Weinstil, wie Schaumwein, Roséwein, Rotwein oder Weißwein, spielt die 
physiologische Reife der Trauben eine Rolle: Eine weiche Beerenhaut und braune Kerne, die sich leicht aus dem Fruchtfleisch lösen, sowie der richtige Zuckergehalt sind ein Zeichen dafür, dass die Trauben reif für die Ernte sind. „Eine vorsichtige Lagerung und eine rasche und dabei schonende Verarbeitung sind hier sehr wichtig“, erklärt Frau Witzko. „In allen Fällen sollte eine Oxidation vor dem Maischen oder Pressen vermieden werden, andernfalls muss frühzeitig geschwefelt werden.“ Schwefel ist ein Konservierungsmittel und wirkt als Schutz vor Oxidation, Fehlgärung und dem Braunwerden.


Gärungsprozesse. Nach verschiedenen Gärungsprozessen, die sich vom Traubenmost über Sturm bis hin zum Jungwein ziehen, werden immer wieder vorsichtig die Geläger abgezogen. „Geläger sind die im Jungwein enthaltenen Trubstoffe, die sich am Ende der Gärung als Bodensatz absetzen. Dies sind beispielsweise abgestorbene Hefezellen, Eiweiße oder Weinstein“, sagt die Winzerin. „Der Jungwein wird also so lange geklärt, bis der Wein endlich in Flaschen abgefüllt werden kann.“ Die sogenannte Ruhperiode des Weines verläuft je nach Sorte, Reifegrad, Jahrgang sowie Herkunft unterschiedlich. Die Inhaltsstoffe und die Geschmackskomponenten verbinden sich, die Säure des Weines wird eingebunden und somit abgerundet.

Bild Details-11.jpg
Thomas Kirchmaier

Selbstgemacht. Familie Witzko macht alles selbst. Sogar die Etiketten des Weins und den Weinflaschenverschluss. Dazu wird ein Naturkorken verwendet. Der eignet sich am besten, da er elastisch und luftdicht ist. „Als Weinexpertin sehe ich es natürlich nicht so gerne, wenn man beim Öffnen den Korken mit der Hand berührt, so wie es viele machen“, sagt Marianne Witzko. „Man sollte mit einem guten Korkenzieher den Korken solange drehen, bis er fast draußen ist, und ihn zum Schluss langsam und mit viel Gefühl mit einer Serviette herausziehen. Wenn man kein „Blupp“–Geräusch hört, hat man die Flasche perfekt geöffnet!“, erklärt die Winzerin. In diesem Sinne: Prost!

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus