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Lifestyle | 02.10.2015

Ein bisschen Leiden schadet nicht

Wenn Sie das nächste Mal von einem Regenguss überfallen werden, dann ärgern Sie sich nicht.

Zu allererst einmal: "30 Rock" ist eine wahnsinnig witzige Serie. Die überaus anbetungswürdige Tina Fey spielt darin eine vom Stress und hier und da auch vom Sexismus gebeutelte Intendantin eines erfolgreichen Fernsehsenders. In einer Folge sagt Liz Lemon (so der Serienname) dem Showbusiness für kurze Zeit Lebewohl – und trifft auf eine Horde vergnügungssüchtiger Damen, deren Leben zwischen Designerklamotten und Maniküren im Vergleich zum Arbeitsleben wie das schillerndste Paradies erscheint.

Liz, die zuerst dachte, niemals ohne den Stress und die Hektik im mehr oder weniger wahnsinnigen Fernseh-Team leben zu können, verliebt sich in dieses heitere Leben ohne Sorgen, Deadlines und unfähige Untergebene. Bis es schließlich zu DER Szene kommt. Als sich Liz gerade auf die nächste Gesichtsmassage freut, eröffnen ihr die Damen, dass sie nun zu kämpfen gedenken. Dieses genussreiche Leben enthalte nicht die entscheidenden kontrastierenden Faktoren, um es genießen zu können: Probleme, Ärger, Leiden. Mit ein paar Stunden Kratzen und Beißen ließe sich das Adrenalin jedoch wieder zurück in die Blutbahnen bringen. Ob sie nicht zu erst zuschlagen wolle? Liz verlässt die Runde umgehend.

Genau diese Szene kam mir heute in den Sinn. Heute ist ein wettertechnisch absolut mistiger Tag. Wir, die wir in Salzburg nicht gerade um jeden Tropfen betteln müssen, führen bekanntlich keine Regentänze auf, wenn es mal wieder schüttet, als gäbe es kein Morgen mehr. Mein erster Gedanke in der Früh, die ich alltäglich nutze, um mich ein wenig körperlich zu ertüchtigen: "Hm, ich wollte doch eh mal einen Pausentag machen...". Mein zweiter: "Ach, was soll’s."

So begab ich mich also mit wasserfester Jacke, die bei solchem Wetter ungefähr fünf Minuten lang wasserfest ist, auf meinen geliebten Drahtesel, um meinen Weg zum Schwimmbad zu meistern. Die ersten fünf Minuten waren, das will ich gar nicht erst leugnen, grässlich. Ich fand es kalt und fies und eklig. Doch nach den fünf Minuten stellt sich das ein, was ich gemeinhin als das "Basst scho"-Gefühl bezeichne.

Auf einmal spüre ich den Regen auf meiner Haut und finde ihn eigentlich ganz schön. Wie oft spürt man sonst schon jede Faser des eigenen Körpers? Radeln durchs Nass, das ist etwas, von dem man sagt, dass es furchtbar ist, das man aber auch als etwas sehr wunderbares erfahren kann. Oder anders gesagt: Ein bisschen Leiden schadet nicht.

 

Copyright Foto: Shutterstock, Yuganov Konstantin

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