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Lifestyle | 30.11.2015

Raus aus dem Weihnachts-Stress

Wir lieben sie ja, diese Zeit, in der Familie beisammen ist, in der man gemeinsam isst, feiert und sich beschenkt. Doch es kann mitunter auch sehr stressig werden – außer man weiß, sich zu helfen. Psychologin Dorothea Gössl weiß Rat.

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Weihnachten muss nicht stressig sein. © Shutterstock

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christus-Kind, auch die Familie kommt zusammen. Ob mit den Eltern, den Sprösslingen oder dem Partner – eigentlich ist das Weihnachtsfest mit seiner gemütlichen Heimeligkeit, den Geschenken und dem guten Essen ja etwas wirklich Tolles. Nur: Irgendjemand muss die Hirschschlegel und die Kartoffelknödel gekocht, den Christbaum geschmückt und die Geschenke schön drapiert haben.

Schon alleine, das perfekte Weihnachtsfest zu inszenieren, kann in großem Stress ausarten. Und dann noch wären da noch die lieben Verwandten. Ob die Tante, die man jedes Mal vergeblich versucht zu beeindrucken, der pubertierende Sohn, der überdeutlich signalisiert, gerne überall, nur nicht am Familientisch zu sitzen oder der Partner, der mal wieder zu wenig Sensibilität für eine atmosphärische Weihnachts-Deko aufweist: Was eigentlich harmonisch sein sollte, kann im Streit eskalieren. Insbesondere dann, wenn man sich zu viel erwartet. Die Salzburger Psychologin Dorothea Gössl hält einige wertvolle Tipps parat.

In sich hinein hören

Was wünsche ich mir von Weihnachten wirklich? Diese Frage sollten Sie sich ehrlich stellen. Ist es die perfekte Weihnachtsgans und der bis ins letzte Detail geplante Ablauf der Feiertage? Oder ist es mehr das gemütliche Beisammensein? Denn wer den ganzen Tag in der Küche steht, hat kaum Zeit, eben diesen mit der Familie zu verbringen. Es gibt sehr köstliche Alternativen wie beispielsweise Fondue oder Raclette, die Sie nicht nur entlasten – Ihre Liebsten haben auch mehr von Ihnen.

 

Die anderen akzeptieren

Jeder hat seine ganz persönliche Wunschvorstellung vom perfekten Weihnachtsfest im Kopf. Während der eine von komplett unkomplizierten Tagen ohne viel Programm träumt, kann ein anderer kaum erwarten, die Geschenke auszupacken. Wie auch immer die Vorstellungen innerhalb Ihrer Familie aussehen – sie sind womöglich nicht dieselben wie Ihre. Das zu verstehen und zu akzeptieren hilft, es nicht persönlich zu nehmen, wenn etwas nicht genau so läuft, wie Sie es sich vorgestellt haben.

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Gemeinsam gemütlich feiern. © Shutterstock

Aufgaben aufteilen

Dass alle Aufgaben an Ihnen hängen bleiben, ist selbstverständlich nicht Ziel der Übung. Viel sinnvoller ist es da, sich an einen Tisch zusammenzusetzen und gemeinsam zu besprechen: Wer macht heuer was? Dabei sollten Sie die Pflichten nicht einfach delegieren, sondern jeden einzelnen zu Wort kommen lassen. Vielleicht gibt es ohnehin Dinge, die der eine lieber macht als der andere und so verteilen sich die Aufgaben ganz logisch. Im schlimmsten Fall können Sie es sich natürlich ausknobeln.

 

Selbst ist die Frau
Ihnen ist ein langer Spaziergang oder der Besuch der Christmette wichtig, dem Rest der Familie nicht? Dann erfüllen Sie sich Ihren Wunsch alleine. Frau hat zwar gemeinhin eine Idealvorstellung, wie man in romantischer Wintersonne entlangschreitet oder in perfekter Familienidylle auf Ereignissen aufkreuzt – diese Wünsche sind jedoch häufig Utopien, die Sie bei Ihrer Erfüllung auch nicht viel glücklicher machen würden. Was aber glücklich macht: Sich selbst die eigenen Wünsche zu erfüllen!

 

Konfliktthemen meiden

Der Partner kann sich zu gemeinsamen Kindern nicht recht entschließen, der Sohnemann könnte sich in der Schule ruhig mehr anstrengen oder die pubertierende Tochter ist zu inkonsequent in ihren beruflichen Zielen? In jeder Familie und Partnerschaft gibt es potenziellen Konfliktthemen. Diese gehören zwar geklärt – jedoch nicht an den Feiertagen. Eine Streitsituation braucht den richtigen Raum und die richtige Zeit. Das Weihnachtsfest bietet unter Garantie keines von beidem.

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Das köstliche Weihnachts-Menü ist zusammen im Nu angerichtet. © Shutterstock

Erst sich selbst ändern

Der Mann könnte ja schon mal... und die beste Freundin hat auch schon lange nicht mehr angerufen... Diese Meckerstimmen gibt es in jedem von uns. Wir mögen sie nicht, aber sie sind nun einmal da. Sie grundsätzlich zu verleugnen bringt nichts, doch man kann sie verstummen lassen, indem man sich auf etwas anderes konzentriert: auf sich selbst. Was könnte ich anders machen? Was denke ich? Liege ich vielleicht falsch? Dann werden Sie selbst zur Akteurin – ein gutes Gefühl.

 

Den Kreis durchbrechen

Oftmals wiederholen sich in Familien bestimmte Verhaltensmuster, die zu Konflikten führen. Versuchen Sie, zumindest Ihrerseits Ihr Verhalten zu überdenken. Denn den anderen auf die Anklagebank zu stellen ist zwar oft leichter, hilft Ihnen aus der Situation jedoch selten hinaus. Gerade bei Pubertierenden ist es oft wichtig, nicht auf das eigene Recht zu pochen, sondern auch auf die Wünsche des Jüngeren einzugehen. Sie haben schließlich ein Ziel gemeinsam: ein schönes Weihnachtsfest.

 

Vöglein flieg

Nicht nur bei Eskalationen ratsam, sondern immer dann, wenn Sie sich überfordert fühlen. Versuchen Sie, in Stress-Situation die Szenerie aus der Vogelperspektive zu betrachten. Von weit oben sind die Dinge ganz klar, Sie selbst sind nicht involviert und können somit objektiv entscheiden: Ist das jetzt wirklich wichtig? Was mache ich als nächstes? Rege ich mich vielleicht gerade ganz umsonst auf? Das nimmt der Situation nicht nur die Macht, sondern schenkt Ihnen auch Zeit und, ganz wichtig, Ruhe.

 

Auf’s Lachen nicht vergessen

Humor ist ein Allzweckmittel und gerade an Feiertagen ein liebes Helferlein. Dann ist die Tischdecke halt ruiniert, der Braten verkohlt oder das Geschenk nicht gut angekommen. In ein, zwei Jahren können Sie darüber lachen ­– warum es nicht also gleich tun? Sie kennen es ja aus dem Alltag: Sobald man Erwartung auf Erwartung stockt, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Auch fröhliche Harmonie und ein frohes Miteinander kann sich erst dann entfalten, wenn Sie alles nicht ganz so ernst nehmen.

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 Die Salzburger Psychologin Dorothea Gössl hat sich unter anderem Burnout-Vorbeugung, Persönlichkeitsentwicklung und Partnerschaftskonflikte spezialisiert und hilft ihren Patienten damit jeden Tag auf ein Neues, den Alltag in den Griff zu bekommen. Dass die Weihnachstage mit den gesteigerten Erwartungen da oftmals besonders schwierig werden können, weiß Gössl aus ihrem Berufsalltag genau. Sie gab uns einen tollen Tipp: „Mit Ruhe und Gelassenheit an die Sache ranzugehen, ist immer eine gute Idee.“

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