Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 05.12.2017

Ein Beruf mit Weitblick

Ein Rauchfang
kehrer holt im besten Fall das Pech aus dem Haus und bringt Glück hinein. So auch Natalie Furthner: Sie ist Rauchfangkehrermeisterin und gewährte look! Salzburg einen Einblick in ihre Arbeit.

Bild 1 (7 von 35).jpg
Foto: Thomas Kirchmaier

Natalie Furthner ist 25 Jahre alt und Salzburgs wohl jüngste Rauchfangkehrermeisterin. Sie führt bereits in fünfter Generation den Familienbetrieb, den sie Anfang 2017 vom Vater übernommen hat. „Es ist mein absoluter Traumberuf und ich könnte mir nichts Anderes für mich vorstellen“, schwärmt die junge Meisterin. „Ich kann mir die Arbeit selber einteilen, bin unter vielen Leuten. Und das Schönste an meinem Beruf ist die Aussicht, die man hat, wenn man auf den Dächern steht. Das ist genial.“

 

 

Bild 1 (26 von 35).jpg
Foto: Thomas Kirchmaier

Rauchfangkehrermeisterin mit Herz. „Ich mache mir die Termine aus und fahre am Tag zu zwischen 20 und 30 Häusern, bevor ich am Nachmittag noch im Büro die Schreibtischarbeit erledige“, erklärt Natalie Furthner. Ihr Kehrgebiet umfasst dabei Seeham, Nußdorf, Michaelbeuern, Berndorf, Hallwang, Gnigl, Teilgebiete von Parsch und Heuberg.

Ein Termin, bei dem sie unter anderem die Kamine kehrt, die Heizung kontrolliert, die Kessel reinigt, Abgasmessungen durchführt und Verbindungsstücke reinigt, dauert im Schnitt 15 Minuten. Größtenteils wird sie äußerst herzlich von ihren Kunden empfangen. „Es gibt natürlich, wie in jedem Beruf, auch Ausnahmen“, sagt sie. So ist es auch schon einmal vorgekommen, dass sie ein Kunde ohne Grund anschrie, als sie sein Haus betreten hat. „Das war für mich am Anfang nicht so einfach, aber mit der Zeit bekommt man eine relativ dicke Haut und ich kann mit solchen Situationen ganz gut umgehen“, so der Profi. „Zum Glück sind die meisten wirklich nett und oft werde ich auch noch auf einen Kaffee eingeladen. Vor allem auch die älteren Menschen freuen sich, wenn ich mir noch etwas Zeit für sie nehme“, meint Natalie.

Bild 1 (14 von 35).jpg
Foto: Thomas Kirchmaier

Familientradition. Seit über 100 Jahren gibt es den Familienbetrieb Furthner bereits. Natalie ist jedoch nicht die erste weibliche Rauchfangkehrerin in der Familie. „Meine Mutter und meine Tante übten den Beruf bereits aus“, sagt sie. Anders hingegen ihre Schwester, die sich für eine Konditorlehre entschied. Ein reiner Männerberuf ist der des Rauchfangkehrers aber schon lange nicht mehr. „Alleine in unserem Betrieb arbeiten drei Rauchfangkehrerinnen“, sagt Natalie Furthner. Als Kind ging sie ab und zu mit ihrem Vater mit, als er zu seinen Kunden fuhr. Sie war sozusagen von Anfang an mit dabei. Gezwungen haben sie ihre Eltern dabei nicht, das Unternehmen weiterzuführen. „Mein Vater hat mich stets dazu ermutigt, das zu machen, was ich möchte“, erzählt sie uns. „Aber für mich war immer schon klar, dass ich einmal Rauchfangkehrerin werden möchte.“ Mit 16 Jahren begann sie schließlich die Lehre bei ihrem Vater. „Er war ein strenger, aber gerechter Ausbildner“, sagt Natalie und fügt hinzu: „Außerdem sehr genau. Aber das ist in einem Beruf wie diesem auch sehr wichtig“. Einen Unterschied zu früher gibt es gewiss: „Mein Großvater musste als Rauchfangkehrer alles zu Fuß abgehen. War es ein sehr langer Weg, musste er sogar die Nacht bei einem Bauern verbringen“, lacht sie. „Früher gab es dann auch noch riesige Kamine, die sogenannten ‚Schliefer‘. In die musste man reinsteigen und mit Knien und Ellbogen fünf bis sechs Meter hoch bis auf das Dach hinaufrobben, um das Pech herunterzuschlagen. Heute gibt es das Gott sei Dank nicht mehr.“

Bild 1 (1 von 35).jpg
Foto: Thomas Kirchmaier

Bei Wind und Wetter. „Ich bin bei Regen, Schnee und Hitze unterwegs. Man muss natürlich einschätzen können, ob man das jeweilige Haus machen kann oder nicht“, erzählt die erfolgreiche Rauchfangkehrerin.
„Jedes Dach ist anders. Es ist aber zum Glück noch nie etwas passiert“, sagt sie. Vor allem im Winter muss man abschätzen können, ob man die Arbeit an diesem Tag erledigen kann oder ob man nicht doch auf einen besseren Tag wartet, wenn das Wetter schöner ist. 

 

Bild 1 (29 von 35).jpg
Foto: Thomas Kirchmaier

Tradition trifft Zeitgeist. Die junge und quirlige Rauchfangkehrermeisterin bringt mit voller Motivation frischen Wind in den Betrieb. „Ich halte unsere Homepage immer auf dem neuesten Stand, stelle einen Blog hinein und schaue, dass wir immer up to date sind“, sagt sie. Den beruflichen Ausgleich findet die junge Rauchfangkehrerin in der Natur. „Ich gehe gerne spazieren und wandern. Zusammen mit meinem Freund und unseren drei Hunden sind wir sehr viel draußen.“


Bild 1 (25 von 35).jpg
Foto: Thomas Kirchmaier

Die Sache mit dem Glück. „Wir sind das ganze Jahr unterwegs, haben keinen Betriebsurlaub“, sagt Natalie Furthner. Im letzten Monat des Jahres geht sie dann zu ihren Kunden, bringt ihnen einen Kalender und wünscht ein glückliches Neujahr. Aber was hat es nun mit dem Rauchfangkehrer und dem Glück auf sich? „Früher war es ja so, dass die Kamine relativ schnell zu brennen anfingen. Wenn der Schlot verstopft war, konnte der Rauch nicht richtig abziehen. Kochen und Heizen war damit nicht mehr möglich. Im schlimmsten Fall entzündete sich der Ruß im Schlot und setzte das Haus in Brand. Das Auskehren des Kamins verhinderte, dass so etwas passieren konnte. Wenn der Rauchfangkehrer da war, brachte er das Glück zurück, sagten die Leute früher. Von daher kommt auch die Redewendung“, erklärt sie.

War der Rauchfangkehrer schon bei Ihnen? Dann kann im neuen Jahr 2018 gar nichts mehr schief gehen!

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus