Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 04.02.2018

Ein goldenes Händchen

Heidi Gassner ist Goldschmiedmeisterin in Bad Hofgastein. Sie repariert Schmuckstücke und fertigt liebevoll Erinnerungen aus verschiedenen Materialien an. Wir von look! Salzburg haben einen Tag lang bei ihrer Arbeit zugesehen

Bild 1 (25 von 47).jpg
Credit: Thomas Kirchmaier

Funkelnde Ringe, glitzernde Armkettchen und goldene Halsketten – zu allen Zeiten haben sich Menschen mit Schmuck behängt. Im Mittelalter gehörte das Handwerk des Goldschmiedes sogar zu den angesehensten Gewerben überhaupt, da sie oft für die Reichsten des Landes Schmuck herstellten. Dabei fertigen Goldschmiede nicht nur neuen Schmuck an, sondern arbeiten oft auch wertvolle Erbstücke wieder auf oder machen beispielsweise aus Urlaubsmitbringseln kleine Kunstwerke. Doch nur wenige können sich vorstellen, wie viel Arbeit in einem Werkstück steckt. Bis es fertig ist, vergehen oft viele Arbeitsstunden.

Bild 1 (12 von 47).jpg
Credit: Thomas Kirchmaier

Goldschmiedmeisterin aus Leidenschaft. Heidi Gassner liebt ihren Beruf. Sie ist seit über 30 Jahren als Goldschmiedmeisterin tätig und übt ihre Tätigkeit mit Leidenschaft aus. „Ich bin durch einen Bekannten zu diesem Beruf gekommen“, erzählt sie. Dieser war nämlich Goldschmied und hatte einen eigenen Betrieb, wo Heidi Gassner ein paarmal schnuppern konnte und sich so schließlich für eine Lehre bei ihm entschied. „Ich war von Anfang an von diesem Beruf fasziniert!“, sagt sie. „Ich war sein erster Lehrling und habe in seinem Unternehmen 15 Jahre lang gearbeitet“. Die Ausbildung zum Goldschmied dauert heutzutage etwa dreieinhalb Jahre. Dabei lernt man alle Techniken zur Bearbeitung von Materialien und den Umgang mit giftigen Stoffen kennen. „Wichtig bei diesem Beruf sind aber vor allem Sinn für Farben und Formen, Fingerfertigkeit, Geschick, Kreativität, Sorgfalt und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen“, erklärt Heidi Gassner und fügt hinzu: „Man muss aber auch viel Geduld mitbringen.“ Denn schon das Entwerfen eines Schmuckstücks kann oft viel Zeit in Anspruch nehmen und bis das Werk fertig ist, arbeitet der Goldschmied oft viele Stunden.

 

Bild 1 (22 von 47).jpg
Credit: Thomas Kirchmaier

Ein kreatives Handwerk. Die Werkstatt von Heidi Gassner, die sich hinter der Tür des Geschäfts befindet, ist überschaubar. An den Wänden stehen Tische mit ein paar Maschinen und Regale mit einigen Werkzeugen wie Lötgeräte, Feilen in verschiedensten Größen, Bohrer, Walzen und Sägen. „Das sind die Werkzeuge, die ich im Berufsalltag brauche“, sagt die Goldschmiedmeisterin und zeigt auf die Utensilien. Der Arbeitstag beginnt bei ihr am frühen Morgen damit, dass sie ihre E-Mails checkt und die nötigen administrativen Arbeiten erledigt, die so anfallen. Den Rest des Tages verbringt sie aber mit den Aufträgen ihrer Kunden – am Werktisch. „Ich liebe meine Arbeit“, schwärmt sie, „man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen und bisher waren alle meine Kunden immer sehr zufrieden.“ Zu ihrer Kundschaft zählen hauptsächlich Einheimische, darunter auch viele Jäger oder Männer, die für ihre Frauen Verlobungsringe aussuchen.

Dabei kommen ihr auch immer wieder kuriose Kundenaufträge auf den Ladentisch. Vorsichtig zieht Heidi Gassner eine kleine Schachtel aus einer Werktischlade und öffnet sie. „Das hier sind die Zähne einer Ziege“, sagt sie und grinst. Ein Jäger möchte daraus eine Hutnadel gemacht haben. Generell kommen zu der sympathischen und herzlichen Goldschmiedmeisterin viele Kunden, die ihre ganz individuellen Wünsche haben. „Wir verarbeiten alles, was in unseren Möglichkeiten liegt“, erklärt sie. Darunter sind Armreifen mit Gravuren, Trachtenschließen, die mit Perlen besetzt werden, Steine aus dem Urlaub, die sie zu einem Schmuckstück verarbeitet, Anhänger, Ringe, Halsketten oder Erbstücke, die neu angefertigt werden, damit diese für die nächsten Generationen tragbar gemacht werden. „Ich habe auch schon mal Hundezähne und Fuchszähne bekommen, aus denen ich Erinnerungsstücke gefertigt habe“, erzählt sie. „Ich denke mir gar nichts dabei, wenn mir ein Kunde etwas Ausgefallenes bringt. Ganz im Gegenteil: Ich finde es schön, wenn jemand mit einem Gegenstand etwas Persönliches verbindet und eine Erinnerung daran hat. So bekommt das Schmuckstück eine ganz besondere Bedeutung. In unserem Beruf haben Emotionen ohnehin einen hohen Stellenwert“, erklärt Heidi Gassner.

Bild 1 (23 von 47).jpg
Credit: Thomas Kirchmaier

Ein eingeschweißtes Team. Heidi Gassner hat zwei Geschäfte und ein kleines Team von drei Mitarbeitern. „Ich habe 2010 den Betrieb meines damaligen Ausbildners übernommen und 2012 ein weiteres Geschäft aufgemacht. Arbeit gibt es somit genug, aber mit meinen Mitarbeitern klappt alles wunderbar“, sagt sie. „Ich kann mich auf mein kleines Team hundertprozentig verlassen und schätze meine Kollegen sehr.“ Elisabeth ist eine der Mitarbeiterinnen und von Anfang an dabei. Sie ist vom familiären Klima im Betrieb begeistert: „Ich fühle mich hier wohl, man kann mit Heidi alles besprechen – man geht einfach gerne zur Arbeit“, schwärmt sie.

 

Bild 1 (18 von 47).jpg
Credit: Thomas Kirchmaier

Zeit ist kostbar. Obwohl Heidi Gassner bis zu zehn Stunden am Tag arbeitet, nimmt sich die gelernte Goldschmiedmeisterin bewusst Zeit für ihre Familie. „Durch einen familiären Schicksalsschlag habe ich gelernt, dass man sich Zeit für seine Liebsten einfach nehmen muss und nicht auf später verschieben soll“, erklärt sie. Daher gönnt sie sich mit ihrem Mann ab und zu Städtereisen für ein paar Tage und verbringt ihre Freizeit oft in der Natur und mit ihren beiden Kindern. Ihre jüngere Tochter möchte übrigens später einmal in ihre Fußstapfen treten und das Geschäft übernehmen. „Sie geht zurzeit in die HTL und hat auch schon ein Praktikum bei mir gemacht. Sie ist genauso vom Handwerk begeistert wie ich!“, lacht Heidi Gassner. Die Goldschmiedmeisterin ist nach wie vor dankbar, dass sie den Beruf ausüben darf und mit ihrer Tätigkeit ihren Kunden Freude bereiten kann. „Mein Ziel ist es, dem Kunden ein Schmuckstück zu übergeben, das zu ihm passt, seine Persönlichkeit unterstreicht und eine Bedeutung für ihn hat“, sagt sie. „Denn ein Schmuckstück begleitet einen im besten Fall ein Leben lang“.

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus