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People | 13.05.2015

Auf den zweiten Blick

60 Jahre Rainhard Fendrich. Lieder, die uns seit 35 Jahren begleiten. look! traf den Künstler, der immer Klartext sprach ohne sich jemals dem Mainstream zu verschreiben, in Großarl.

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Rainhard Fendrich (c) Inge Prader

Es war Anfang der 1980er Jahre als ich ihn das erste Mal sah und hörte: Rainhard Fendrich mit seiner Gitarre, begleitet am Klavier von Christian Kolonovits, in einem kleinen Hotel in Bad Gastein.
Jetzt, fast 35 Jahre später, sehe ich ihn - viele Konzerte später, ob große oder eher in privaterem Rahmen - wieder. Hinter der Bühne des überdimensionalen Festzeltes in Großarl. Es ist sein erster Auftritt nach seinem 60. Geburtstag, den er am 27. Februar feierte, besser gesagt, nicht feierte.
Die Geburtstage der anderen schon, nur seinen eigenen nicht. Darüber sprechen will er auch nicht, denn alles ist dazu gesagt. Nur soviel: Der Faktor Zeit ist ihm kostbarer geworden, dem Zelebrieren eines Jugendwahnes oder einer Altersdepression will er sich nicht hingeben, er ist für einen bewussten und sorgsamen Umgang mit dem Moment des Augenblicks und der Zeit, die einem noch bleibt. Und er kann es sich leisten, denn er muss heute nichts mehr.

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look!-Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer und Rainhard Fendrich (c) Doris Sommer

Er kann.
„Ich habe früher viele kommerziell erfolgreiche Konzerte gespielt, bin danach allein in meinem Zimmer gesessen und hab eine Depression gekriegt.“
Bis er seine Koordinaten neu definierte und feststellte, dass er die größten Erfolge dann verbuchen durfte, wenn er seinem eigenen Bauchgefühl vertraute.
Heute begeistert Fendrich bereits die 3. Generation derer, für die er DER österreichische Liedermacher ist. Über 150 Konzerte hat er in letzten 20 Monaten gespielt.
„Dafür bin ich dankbar, denn ich habe mehr erreicht, als ich es mir je erträumt hätte“, und erinnert sich daran, wie er mit 17 Jahren zum ersten Mal vor ein Publikum trat.
Proportional zu einem Mehr an Reife und einem Mehr an Körperumfang hat sich auch seine Verletzlichkeit und Sensibilität gesteigert. Fendrich ist authentisch wie selten zuvor. Schmunzeln muss er über eine Interviewfrage, die ihm Journalisten rund um seinen Geburtstag gerne stellten.
Ob er denn jetzt in seinem Leben angekommen sei? „Solange man mir zuhört, erlaube ich mir, weiter zu machen“, antwortete er dann.
Und sie wollen sie hören, die Lieder, die das Leben, sein Leben, schrieb.

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