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People | 03.04.2018

Wir zeigen euch Salzburg

Niemand kennt die Stadt Salzburg besser, als unsere Fremdenführer. Wir haben uns mit vier Stadtexperten getroffen, über ihren Berufsalltag gesprochen und dabei so manch amüsante und spannende Anekdote erfahren.

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Credit: Thomas Kirchmaier

Salzburg ist ein beliebtes Reiseziel für Touristen aus der ganzen Welt. Kein Wunder, bietet die Stadt auch viel Geschichte und ist Heimat von berühmten Persönlichkeiten. Den historischen Kern der Mozartstadt entdeckt man am besten in einem Rundgang mit einem Experten. Um auch einmal die Perspektive eines Stadtführers näher kennenzulernen, haben wir uns von look!Salzburg mit vier staatlich geprüften Fremdenführern auf ein Gespräch getroffen.

 

Inez Reichl-de Hoogh. Die Obfrau der „Salzburger FremdenführerInnen“ ist in Holland geboren und war im Laufe ihres Lebens in der ganzen Welt unterwegs. Sie arbeitete unter anderem für einige Jahre in Irak in der Botschaft, war später Flugbegleiterin und traf auf einer Hochzeit eines Bekannten auf ihren jetzigen Ehemann, mit dem sie später nach Salzburg zog. Ihre Begeisterung für Menschen, Kultur und Geschichte brachte sie auf den Beruf des Fremdenführers, den sie seit 2005 bis heute voller Leidenschaft ausübt. „Zur Ausbildung dieses Berufes genügt es aber nicht, nur gerne mit Menschen zu arbeiten“, betont Inez Reichl-de Hoogh. Denn was viele vielleicht nicht wissen, ist, dass man eine fundierte zweijährige Ausbildung absolvieren und danach eine mehrteilige Befähigungsprüfung ablegen muss, um staatlich geprüfter Fremdenführer zu werden.

Die gebürtige Holländerin ist eine Frohnatur und man merkt, wie begeistert sie von ihrer Tätigkeit ist: „Ich liebe es, den Gästen die Stadt zu zeigen, sie zu entschleunigen und sie bewusst durch die Straßen und Gässchen zu führen. Ihnen dabei Zeit zu lassen, damit sie einfach nur genießen können.“ Zu ihrer „Kundschaft“ zählen neben Niederländern auch Touristen aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch Salzburger. Ob Privatpersonen, Firmen, Schülergruppen oder VIPs aus der ganzen Welt – Inez Reichl-de Hoogh führt sie alle mit Leichtigkeit, Humor und Charme durch die Stadt. Ihre Kollegen und sie bieten auch besondere „Verführungen“ mit speziellen Themen an, wie „Gärten und Gärtchen in der Altstadt“, „Historische Gasthäuser in Salzburg“, „Villen und Gutshöfe im grünen Parsch und in Aigen“ bis hin zu Adventführungen, kulinarischen Führungen und vielem mehr. „In diesem Beruf muss man fachliches Wissen haben, aber auch auf Menschen eingehen können, empathisch und flexibel sein“, sagt die Expertin. Dabei denkt sie an eine Führung zurück, bei der einer der Teilnehmer annahm, er sei in Straßburg, nicht in Salzburg. Oder daran, dass eine Nürnberger Gruppe fest darauf beharrte, Mozart sei in Nürnberg geboren – während sie direkt vor jenem Haus in der Getreidegasse standen, an dem die goldene Aufschrift „Mozarts Geburtshaus“ von der Hausmauer herunterglänzte.

Inez Reichl-de Hoogh schätzt es, wenn ihre Gruppe Fragen stellt und dabei ein Gespräch entsteht. „Das zeigt mir, dass sich die Leute interessieren“, meint sie. Auch wenn es manchmal seltsame Fragen sind, wie etwa: „Wieviele Kilometer pro Stunde fließt die Salzach?“ Für die Obfrau ist es wichtig, dass man den Touristen den Reichtum an Geschichte, Natur und Kultur näherbringt – auch mit einem gewissen Respekt gegenüber der Stadt und deren Einwohnern. „Die Touristen sollen eine schöne Erinnerung an Salzburg haben“, sagt sie, „und gerne wieder zurückkommen!“

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Credit: Thomas Kirchmaier

Hongmi Kang. Die kommunikative Koreanerin Hongmi Kang lebt bereits seit vielen Jahren in Salzburg. Durch eine Bekannte kam sie auf die Idee, Fremdenführerin zu werden. „Ich habe damals mein Koreanisch total vergessen, da ich mich nur auf das Erlernen der deutschen Sprache konzentriert habe. Für mich war der Beruf des Fremdenführers eine gute Möglichkeit, mein Koreanisch wieder aufzufrischen“, sagt Hongmi Kang. Mittlerweile übt sie den Beruf seit rund 30 Jahren aus und führt asiatische Touristen durch die Stadt – vorbei an Landestheater, dem Mozart-Geburtshaus, durch den Mirabellgarten bis in die Getreidegasse, und je nach Buchung des Reiseleiters geht sie mit ihrer Gruppe auch auf die Festung Hohensalzburg. Eine Führung dauert dabei bis zu zwei Stunden. Die Fremdenführerin vermittelt ihr umfangreiches Wissen über die Stadt während des Fußweges, indem sie in ein Mikrofon spricht und die Touristen über Kopfhörer gespannt zuhören. Was die Koreaner besonders an Salzburg fasziniert? „Das ist die Getreidegasse mit den schönen Häusern und den Schildern“, erklärt Hongmi Kang. Ihr ganz persönlicher Lieblingsplatz in Salzburg ist jedoch am Max-Reinhardt-Platz. „Ich liebe diese Ecke. Hier ist es herrlich ruhig und der Ausblick ist umwerfend, wenn die Sonne scheint. Man hat den schönsten Alpenblick mit der weißen Gebirgsspitze, darunter die saftig-grüne Wiese und darüber der strahlend blaue Himmel“, schwärmt sie.

Zur Weihnachtszeit zeigt sie den Koreanern auch gerne den Salzburger Christkindlmarkt. „Sie lieben die handgemachten Souvenirs, die geschnitzten Figuren und probieren auch Glühwein. Aber der ist ihnen viel zu stark“, lacht Hongmi Kang. Ein Ereignis ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: „Das war noch ganz am Anfang meiner beruflichen Laufbahn, da führte ich eine Gruppe Landarbeiter durch die Stadt. Das waren einfache koreanische Ackerbauern. Nach der Führung gingen sie zum Essen in ein schönes Hotel, als auf einmal eine große Aufregung im Restaurant herrschte“, erinnert sich Hongmi Kang. „Ich war erschrocken, schienen doch die Koreaner plötzlich aggressiv und auch die Kellner waren verwirrt. Alle schrien wild durcheinander, bis ich schließlich vorsichtig einen der Koreaner fragte, was passiert sei. Die Erklärung war einfach: Die koreanischen Gäste schämten sich, weil sie nicht wussten, wie man mit Besteck umgeht, da sie es zu Hause gewohnt waren, mit Stäbchen zu essen. Deshalb haben sie sich so geärgert, denn sie wollten sich vor den Salzburgern nicht blamieren und dachten, die Kellner würden sie auslachen.“ Nachdem Frau Kang den Koreanern das Essen mit Besteck gezeigt und ihnen erklärt hatte, dass niemand sich über sie lustig mache, war auf einen Schlag alles ruhig, die Atmosphäre war wieder entspannt und jeder hatte eine gute Zeit. „Andere Länder haben eine andere Kultur – man muss sich nicht schämen, wenn man nicht alles perfekt macht“, sagt sie und fügt hinzu: „Das war für mich auch ein sehr schönes Erlebnis, denn ich konnte dieser Gruppe Sicherheit geben. Die Stimmung unter den Koreanern war auch am nächsten Tag viel entspannter und sie haben sich bei mir für meine einfühlsame Art bedankt“.

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Credit: Thomas Kirchmaier

Barbara Schöler. Für die gebürtige Römerin Barbara Schöler ist Salzburg das „kleine Rom im Norden“. Die Fremdenführerin liebt die Mozartstadt mit ihren barocken Bauten, Brunnen und Gärten – eben nicht ganz unähnlich ihrer italienischen Heimat. Seit dem Jahr 2011 führt sie italienische Schülergruppen, Touristen aus ganz Österreich, aber auch Einheimische durch die Stadt. Die sympathische Italienerin studierte Geschichte und Kunstgeschichte, heiratete einen Arzt und lebt mit ihm und den beiden Kindern seit vielen Jahren in Mondsee. Ihr Wunsch war es immer schon, unter Menschen zu sein und ihnen Geschichte zu vermitteln. So entschloss sie sich zu einer Fremdenführer-Ausbildung und machte sich selbstständig. Rund 100 Führungen gibt sie pro Jahr, die meisten davon zwischen Ostern und Weihnachten. „Ich biete unterschiedliche Stadtbesichtigungen an – von Standardführungen bis zu außergewöhnlichen Führungen durch die Straßen Salzburgs“, erzählt Barbara Schöler.

Wobei ihr Herz besonders für themenbezogene Führungen schlägt: „Es gibt so vieles, was die Stadt zu bieten hat“, schwärmt sie. „Führungen mit kunsthistorischem Schwerpunkt, Frauenführungen, ein Mönchsbergspaziergang, versteckte Winkel auf der Festung Hohensalzburg oder eine Führung auf den Spuren Mozarts – je ausgefallener, desto besser!“, lacht sie. Durch ihre Arbeit bekam Barbara Schöler nach und nach auch ein Gespür für die Vorlieben der einzelnen Gruppen. „Man merkt nach den ersten Minuten des Kennenlernens, wie groß das Interesse seitens der Gruppe ist, und ich habe gelernt, wie man am besten auf sie eingeht.“ Dabei ist es ihr besonders wichtig, dass sich die Teilnehmer etwas für sich mitnehmen können. Etwas, was sie etwa vorher noch nicht wussten. „Für mich ist es das schönste Kompliment, wenn sich die Leute begeistert von mir verabschieden und sagen, dass sie mir noch stundenlang zuhören hätten können“, erzählt sie. In der wärmeren Jahreszeit führt die Salzburg-Expertin auch gerne in einem sommerlichen Dirndl die Gruppen durch Salzburg, was besonders bei den italienischen Gruppen für Begeisterung sorgt. Barbara Schöler ist mit Leib und Seele Fremdenführerin und könnte sich nichts anderes für sich vorstellen – oder, wie sie es selber gerne formuliert: „Was gibt es Besseres, als interessierten Menschen die Schönheiten Salzburgs zu zeigen?“

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Credit: Thomas Kirchmaier

Hans Anton Gogl. Der in Tirol geborene Hans Anton Gogl führt seit 1987 nicht nur untertags Touristen und Einheimische durch die Stadt – er schlüpft auch zweimal im Monat, so wie nach Anfrage, in die Rolle eines Nachtwächters und begibt sich mit seinen Gruppen auf unterschiedlichen Wegen in der Dämmerung durch die geschichtsträchtigen Gassen Salzburgs. Seine Frau Marinette begleitet ihn dabei und sorgt dafür, dass auch alles seinen ordentlichen Ablauf hat. Herr Gogl und seine Frau fallen auf, denn als Nachtwächter sind sie dem Anlass entsprechend gekleidet: er mit einem dunkelgrünen Umhang, einer Hellebarde, schmiedeeiserne Handfesseln und schwere Tor-Schlüsseln; seine Frau, wie es damals eben üblich war, mit langem Kleid oder Umhang und einem Hut. „Es kommt auch ab und zu vor, dass uns während der nächtlichen Führung Betrunkene entgegenkommen oder sich einfach Leute dazustellen, die mithören wollen“, erklärt Frau Gogl. Aber mit gekonntem Witz und Charme weiß sie, mit jeder Situation umzugehen. Dabei hält sie ihrem Mann den Rücken frei, der seiner Gruppe sein langjähriges Wissen über die Geschichte und die bedeutendsten Personen der Stadt vermittelt. Bis zu 30 Leute machen sich mit ihm auf den nächtlichen Spaziergang durch Salzburg – die meisten darunter Schüler und Touristen aus ganz Österreich, der Schweiz und Deutschland. „Ich stelle mich ganz auf die Teilnehmer ein, was meist spontan erfolgt, da ich die Gruppe vorher ja nicht kenne. Bei Kindern verwende ich selbstverständlich einen anderen Wortschatz als bei Erwachsenen. Wenn Einheimische dabei sind, versuche ich ihnen etwas zu erzählen, was sie eventuell noch nicht von ihrer Stadt wussten“, erklärt Hans Anton Gogl. Dabei ist es ihm besonders wichtig, dass er nicht nur Wissen und Fakten vermittelt, sondern das Vergangene lebendig und verständlich macht.

Für Hans Anton Gogl sind die Nachtwächter-Führungen sein Hobby. Er lebt für Geschichte. „Mit 13 Jahren habe ich mein Erspartes für Geschichtsbücher ausgegeben“, erinnert er sich. Auch seine Frau bestätigt: „Bei uns zu Hause stapeln sich die Bücher – man könnte meinen, wir wohnen in einer Bibliothek“, lacht sie und zwinkert ihrem Mann zu.Tauschen möchte er aber mit einem damaligen Nachtwächter nicht. „Die Zeiten waren hart und nicht so romantisch, wie oft viele meinen“, erzählt er. „Nachtwächter gehörten zu den Randgruppen der Stadt und wurden genauso geächtet wie Henker, Totengräber oder uneheliche Kinder. Die hatten es in der Gesellschaft besonders schwer.“ Eine Führung mit Hans Anton Gogl dauert durchschnittlich eineinhalb bis zwei Stunden. So geht er auch durch jene Gassen, wie die Königsgasse, in der man zu damaligen Zeiten oft mit „Segen von oben“ rechnen musste. Denn üblich war, dass die Hausbewohner ihren Unrat und ihre Fäkalien aus den Fenstern auf die Straße schütteten. Ausnahmslos alle Teilnehmer sind am Ende seiner Führung begeistert, von den lebendigen Schilderungen ergriffen. Aber es sind nicht nur die unglaublichen Fakten, Anekdoten und geschichtlichen Begebenheiten, die der Experte zu erzählen vermag. Es ist seine Art, die Leidenschaft, die dahintersteckt.

Vor allem aber eins ist Hans Anton Gogl wichtig, den Teilnehmern mit auf den Weg zu geben: „Wir sollten uns bewusst sein, wie gut wir es haben. Der Friede und der Wohlstand, in dem wir heute leben dürfen, ist nicht selbstverständlich. Den gibt es nicht überall auf dieser Welt.“

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Credit: Thomas Kirchmaier