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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 04.12.2019

Oh happy days!

Wusstet ihr das: Unser Gehirn ist süchtig danach, nach Glück zu streben.

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(© Shutterstock) Genießt die Glücksmomente mit euren Lieben!

Der arme Goethe! Da behauptete ein Literaturwissenschaftler doch tatsächlich, Goethe hätte gesagt, er wäre in seinem ganzen Leben nur zwei Stunden glücklich gewesen. Ob das stimmt? Besonders angesichts dessen, welch wunderschöne Sätze uns der Dichterfürst zum Thema Glück hinterließ. Was also ist dran, an der Sache mit dem Glück? Nun, man kann sagen, das Glück hat Geschichte – von den antiken Philosophen bis zur heutigen, glücksprogrammierten Gesellschaft. Von der seligen Transzendenz zur glücksversprechenden Industrie. Das Glück boomt, und es ist kompliziert. Zumindest so kompliziert, dass Experten forderten, dem Glück ein eigenes Schulfach zu widmen. Inspiriert vom Wiener Herbert Laszlo, der 2002 das „Institut für europäische Glücksforschung“ gründete, starteten zuerst Schulen in Deutschland und im Herbst 2009 auch in der Steiermark mit dem Unterrichtsfach „Glück“ – wie übrigens im vorigen Jahr auch im indischen Delhi unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama.

Seid ihr glücklich? Und wenn ja, wie lange? Der Hirnforscher Manfred Spitzer schreibt: „Unser Gehirn ist nicht dafür gebaut, dauernd glücklich zu sein. Aber es ist süchtig, nach Glück zu streben.“ Das Glück besteht also aus Momenten, weil wir ein andauerndes Glück (Sie wissen ja, Endorphine, Serotonin, Oxytocin und Co.) nicht ertragen. Vielleicht hatte Goethe ja recht, und seine zwei Stunden beinhalten eine Kette glückseliger Augenblicke? Im Wienerlied heißt es „des Glück is a Vogerl“ und ich bin geneigt, dies zu glauben. Weil das große Glück schillernd und raffiniert ist, sich aber selten halten lässt. Für mich bedeutet Glück ein ganzes Potpourri an Gefühlen, welches sich bei meiner großen, turbulenten, weit verstreuten Familie wie ein Kaleidoskop täglich neu formiert: Big Fire in Los Angeles, Aqua alta in Venedig, ein Anschlag in Den Haag – und ich weiß meine Kinder und Enkelkinder dort. Aber dann kommt dieser stille Moment, wo die Welt sich wieder beruhigt, ich alle gesund weiß und dieses mollige Bauchgefühl der Wärme und Dankbarkeit in mein Herz kriecht. Dann gluckse ich vor Glück – für einen Augenblick, der sich wie eine Ewigkeit anfühlt.

Und wenn mal alles nicht so rund läuft, dann habe ich ein Rezept. Ein Medikament, das immer wirkt: C6H5 (NH2) CH3. Sie kennen diese biochemische Substanz nicht? Ich verrate es Ihnen: Dieses PEA-Molekül ist in einem Glücksmacher enthalten, der sich „Schokolade“ nennt, und die ist in den Varianten zart-herb, bitter oder vollmilch-süß im Supermarkt erhältlich. Mein persönlicher Tipp daher: eine Extraportion Schokoflocken als Glücksstaub auf die Weihnachtsbäckerei ...

Liebe Leserinnen und Leser, genießt jeden noch so kleinen Glücksmoment – er bleibt für immer.

Happy X-mas and a Happy New Year!

Eure Angelica Pral-Haidbauer, Chefredakteurin