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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 11.05.2020

Das Fenster steht weit offen

Wofür meine Sinne geschärft wurden, wie wir Menschen einander in der Krise näher kommen.

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VOR-CORONA-SELFIE. Eine neue Erkenntnis: Nähe gelingt auch auf Abstand. Im Bild: Herausgeber Josef Rumer, Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer & Medienberaterin Seren van Zinnen

Allem voran meine aufrichtige Frage: Wie geht es euch? Nun, auch für uns Journalist*innen hat sich der Alltag in den letzten Wochen verändert. Dort, wo wir mit euch persönliche Gespräche führen durften, um eure Geschichten zu erzählen, dort, wo wir für die Präsentationen der großartigen niederösterreichischen Unternehmen und Institutionen ganz nahe an unseren Kund*innen sein konnten, bleibt auch uns im Moment nur das Abstand halten. Und der Umstieg in eine digitale Kommunikation. Unsere ansonsten „rasende Redakteurin“ Viktória Kery-Erdélyi hat diese neue Situation auf den Punkt gebracht: „Der Lockdown brach mir zunächst mal das Herz. Aber ich habe gelernt, dass man sich auch auf Distanz näher kommen kann. Und wo ich in den letzten Wochen überall war! Im Garten der wunderbaren Schauspielerin Katrin Lux, in der Küche von Schriftstellerin Simone Hirth oder auch im Wohnzimmer der unermüdlich enthusiastischen ‚Bühne im Hof‘-Intendantin Daniela Wandl. Und all das, während meine Kids sich redlich bemühten, nicht mitten in den Interviews unaufschiebbare Schulfragen zu stellen.“ Ja, willkommen im neuen Leben – über das wir in unserer Mai-Niederösterreicherin in vielen Varianten berichten.

Ich persönlich empfinde neben all den eingeforderten Veränderungen trotzdem eine tiefe Dankbarkeit. Ich bin dankbar dafür, dass wir in diesem Land leben dürfen. Dankbar, dass meine Sinne für meine Umgebung geschärft wurden, ich das Vogelgezwitscher und die nächtlichen Froschkonzerte tröstend wahrnehme. Dankbar, dass eine neue Form der Besinnlichkeit, des Respekts und einer wohltuenden Höflichkeit entstanden ist. Und nicht zuletzt unserem Herausgeber dankbar, dass wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unsere Magazine für Sie machen können.

 

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(© Shutterstock)

Besonders beeindruckt hat mich ein Satz des Philosophen Richard David Precht in einer Corona-Diskussion: „Das Fenster in Alternativen zu denken – und sie am Ende auch zu leben, steht im Moment sperr­angelweit offen.“ Vielleicht ist diese globale Krise ja in Wahrheit ein großes Erwachen? Lassen wir also verbrauchte Luft entweichen und frischen Wind herein! Unser Niederösterreich ist so reich an innovativen Ideen und voll regionaler Kraft!

Achtet gut aufeinander und bleibt gesund,
Eure Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin