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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 30.03.2020

#alleswirdgut #4

Österreich steht still, und wie geht´s uns dabei? Was denken und fühlen die Menschen in diesen Tagen? Was mich zur Zeit beschäftig, erfahrt ihr ab sofort täglich hier.

Wir kochen. Und essen. Und reden. Und spielen Backgammon, Schach und Karten mit den Kindern. Und üben uns in Liegestütz-Bewerben, nach Corona werden wir erschrecken fit sein.
Gut, die Kinder sind schon junge Erwachsene, mit vier jungen Erwachsenen, die vorher teilweise schon ausgezogen waren, in einer Hausgemeinschaft zu leben ist schön und fordernd zugleich. Schön, weil ich es mag, wenn sie da sind. Fordernd, weil sie gern in gut trainierte Kindheitsmuster zurück rutschen.

Die Top 3-Fragen zur Zeit:
1.) Was gibt‘s zu essen?
2.) Wann gibt es Essen?
3.) Und was macht ihr heute so?

Frage Nummer Drei ist quasi die nahtlose Fortsetzung von „und was machen wir jetzt?“
Noch vor ein paar Jahren, als sie alle kleiner aber nicht unbedingt pflegeleichter waren, hat mich diese Frage entweder ermüdet oder zur Raserei getrieben, je nach Nervenzustand.
Irgend einer hat immer gefragt „und was machen wir jetzt?“.
Zum großen Bedauern meiner Kinder litt ich schon immer an einem speziellen Hörfehler, komisch, ich hab ausgerechnet DIESE Frage häufig nicht gehört.
Manchmal haben mich die Kinder gefragt, ob ich eigentlich schlecht höre, der Trick ist natürlich, dann keinesfalls zu antworten!
Weder ein empörtes „nein!“ noch ein herzhaftes „Ja!“ wäre in dem Fall angebracht, zur Not geht ein möglichst uninteressiertes „hm?“.

Mit „hm?“ komme ich prinzipiell ganz gut durch diese Tage, denn die mir nahestehenden Menschen wissen: wenn Uschi „hm?“ sagt, ist das die höfliche Version von „kannst du mich bitte EINMAL in Ruhe lassen?“

Schatzi natürlich, ist von meinen „ hm?“ - Sagern ausgenommen. Er fragt mich auch selten was. Er ist mit Wichtigerem beschäftigt. Ordnet seine T-Shirts aus der Studentenzeit, irgendwo hat er Stapel mit Lumpen vergraben, an denen er hängt, und die meinem scharfen, auf Sondermüll spezialisiertem Auge entgangen sind.
Heute hat er uns schon zum Frühstück mit einem „AC/DC  World Tour 1987“ Shirt überrascht. Dazu trug er schwarze Sport-Leggins und darüber eine Boxershort mit Camouflagemuster. In diesem Fall wäre ein „hmmm???“ von mir durchaus angebracht gewesen.

Aber es ist Ausnahmezustand. Da liegt das Glück auch und vor allem in den kleinen Freuden des Lebens. Schadet es jemanden, wenn Schatzi aussieht wie ein in die Jahre gekommener Luftgitarre-Rocker? Eben. Also fragte ich freundlich, ob er noch mehr so schöne Leiberl habe und wo er die denn hergezaubert hat...  Schatzi schnüffelte den Braten.  Und mumelte was von „Keller“ und „sowas darf man nie weg geben“ und „steigt im Wert“.

So hat jeder seine persönlichen Hoffnungen in dieser Zeit. Ich hoffe, dass ich den Plunder finde und entsorgen kann.
Schatzi hofft auf die Wertsteigerung von AC/DC -T-Shirts aus den späten 80er Jahren, vielleicht kann man damit nach Corona an die Börse gehen.
Die Kinder hoffen, dass das Essen endlich fertig wird, die Hunde hoffen, dass ich noch eine große Runde mit ihnen drehe.

Und was macht Ihr heute eigentlich so? Hmmm?
Das fragt sich,
Eure Uschi