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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 05.03.2019

Look! into my Life by Uschi Fellner

Männer sind die Größten. Die Größten. Die Größten. Die Größten. Basta.

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© Susanne Spiel

Weiß nicht, ob Sie es auch schon bemerkt haben: Frauen und Männer sehen die Welt unterschiedlich groß. Meiner laienpsychologischen Analyse nach sind Männer hemmungslose Optimis­ten, wenn es um die eigene Größe
geht. Ich meine den gesamten Mann, nicht das Schniedelwutz-Gedöns, dar­über gibt’s ja nix zu diskutieren. Der Zipfel vom Mann ist mächtig wie ein … Lamm. Schwamm. Kamm!  

Nun: Napoleon maß laut Totenschein 162 cm, gab seine Körpergröße aber zeitlebens mit 166 cm an. Über sein gewiss immens großes Spatzi sind keine Angaben bekannt, doch, nassforsch formuliert, steckt in jedem Knaben, den ich kenne, ein mächtiger Napoleon. Stamm! (Na bitte!) Der Feldherr meines Herzens hält z. B. beharrlich daran fest, dass er 30 cm größer ist als ich. Nun bin ich zufällig genauso groß wie Napoleon, im toten Zustand. ­Würdige 162 cm, nur vier Zentimeter kleiner als die lebende Kate Moss und satte fünf (!) Zentimeter größer als die tote Liz Taylor. Verglichen mit Liz ­Taylor bin ich Claudia Schiffer (180 cm). Quasi.

Wäre mein Mann tatsächlich 30 cm größer als ich (oder der tote Napo­leon), mäße er 192 cm. Das wären 12 cm mehr, als die lebende Claudia Schiffer misst. Tatsächlich ist Claudia Schiffer einen Kopf größer als mein Mann. Wenn er das liest, wehklagt er garantiert sofort: „Die Schiffer und ich sind mindestens gleich groß!“, obwohl er sie noch nie getroffen hat, dies aber bereitwillig in Kauf nehmen würde. Bei der Gelegenheit (einer geht noch!): Der Zipfel vom Mann ist mächtig wie ein … Autogramm! (Bitte um Nachsicht. Mich regt das Thema gerade auf.)

Ich habe Claudia Schiffer jedenfalls schon getroffen und steil zu ihr auf­geschaut, während ich zu meinem Mann nur ein klitzeklein wenig hinaufschauen muss. Also. Eben. Trage ich High Heels mit 12-cm-­Absatz, sind mein Mann und ich übri­gens exakt gleich groß. Das ­bestärkt mich in der Annahme, dass mein Mann 174 cm groß ist, wie Sie merken, bin
ich im Kopfrechnen firm. Noch einmal für einen unter Umständen rechenschwachen Leser, der mir näher bekannt ist:

Ich = toter Napoleon mit 162 cm. Du (mein Mann) = lebende Schiffer (180 cm) minus 6 cm = 174 cm. Oder noch einfacher: 162 cm (ich und toter Napoleon) mit 12-cm-Absätzen = 174 cm = gleich groß wie du. Daran gibt’s nichts zu rütteln. Neulich, in geselliger Runde, ging es um die Körpergröße. Alle anwesenden Männer am Tisch gaben an, zwischen 180 und 186 cm groß zu sein, selbst jene, denen man im Sitzen ansah, dass sie im Sarg des toten Napoleon noch Luft nach oben hätten. (Das war jetzt geschmacklos und ich schäme mich. Ein wenig.) „Und wie groß bist du?“, fragte jemand meinen Mann. „So ungefähr 182“, antwortete er, „aber in meinem Pass steht 180.“ Ich sagte nichts. Wahre Größe schweigt.

Der Bestseller-Autor Daniel Kehlmann schrieb den Roman „Die Vermessung der Welt“. Ich möchte gern das Buch „Die Vermessung der Männer“ schreiben, aber es würde sich ja keiner von mir messen lassen. Die hätten alle Panik vor meinen 12-cm-Absätzen, mit denen ich sie gnadenlos auf Augenhöhe zwinge.


Zur Einstimmung auf das ­epochale Werk, das leider nie zustande kommen wird, mein letzter kleiner Reim für heute: „Lügt der Mann bei seiner Größ’, schau ihm einfach in die Hös’.“

Und dort gilt sowieso nur: Stamm!