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Events | 17.07.2020

Die Jahrhundert Buhlschaft

Caroline Peters zählt zu den gefragtesten deutschsprachigen Schauspielerinnen für Film und Theater. Diesen Sommer steht sie in Salzburg vor einer „dreifachen“ Premiere.

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(c) Mirjam Knickriem

Zum ersten Mal mimt sie die Buhlschaft in Hugo von Hofmannsthals Jedermann und spielt unter freiem Himmel. Das alles im Jahr des 100-jährigen Jubiläums der Salzburger Festspiele, das von den Auswirkungen der Corona-Krise überschattet wird. Im Interview gibt uns Caroline Peters Einblicke in die Rolle der Buhlschaft, ihre Erfahrungen aus der Corona-Zeit und ihre persönlichen Visionen.

Unser look! Salzburg: Die Rolle der Buhlschaft im Jedermann ist eine der Rollen des Festspielsommers in Salzburg, der stets großes Interesse entgegengebracht wird. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Caroline Peters: Es ist eine Tradition. Jedermann und Buhlschaft sind ein besonderes Paar der Theatergeschichte, und die Frage, wer sie verkörpern wird und welche Chemie dabei zustande kommt, macht Vorfreude.
Welche Buhlschaft möchten Sie sein?
Nach der Corona-Erfahrung geht es mir vor allem um Freude, Fest, Aufbruch und den Genuss des Augenblicks.
Was fasziniert Sie an der Rolle?
Mir gefällt, dass die Buhlschaft eigenständig und aktiv ist.Zuletzt waren Sie in einer der Hauptrollen des Films „Womit haben wir uns das verdient“ zu sehen. Darin geht es um Religionskonflikte, als Ihre Filmtochter zum Islam konvertiert. 
Auch im Jedermann spielt der Glaube eine wesentliche Rolle. Wie halten Sie es selbst mit den Themen Glaube und Religion?
Ich bin mir sehr darüber bewusst, dass ich im christlichen Abendland erzogen, aufgewachsen und heute noch lebend bin. Aber in meiner persönlichen Biografie spielt der Glaube an eine Weltreligion keine richtige Rolle.
Gewinnt das Stück vor dem Corona-Hintergrund eine neue Bedeutung, vielleicht die ursprüngliche Bedeutung wieder zurück?
Diese ganz neue kollektive Erfahrung vom Tod, der auf der Straße und im Supermarkt auf uns lauert, war doch meistenteils verdrängt und ist nun neu wieder sichtbar geworden. Unser gesamter Alltag wurde geändert, um Siechtum und Tod zu entgehen. Diese Erfahrung war 1920 sicher auch viel näher als in manch anderen Jahren.
Worauf freuen Sie sich in Salzburg?
Ich freue mich sehr auf die Erfahrung, auf dem Domplatz zu spielen, mit Tageslicht, Dämmerung und Dunkelheit. Viele erzählen, wie berührend diese Erfahrung für sie war.
Was ist Ihre Zukunftsvision?
Da halte ich mich zur Zeit zurück. Ich gehöre eindeutig zu denen, die davon ausgehen, dass das weltweite pandemische Erlebnis ähnlich einschneidend war wie der Mauerfall oder 9/11 und andere historische Ereignisse. Wenn es gut läuft, führt es zu mehr Achtsamkeit und eine auf Nachhaltigkeit hin reformierte Globalisierung hinaus. Wenn es schlecht läuft, werden Gier und Panik alles Handeln bestimmen und ein entfesselter Neoliberalismus wird die Menschen endgültig überwältigen.
Wie würden Sie selbst Ihre Persönlichkeit beschreiben?
Zum Glücklichsein durchaus talentiert.