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Events | 03.10.2019

Wer einen „Fehler“ zweimal macht

Zwei, die einander gut kennen und sich gut verstehen: Die beiden Schauspieler Larissa Enzi und Torsten Hermentin spielen in dem Theaterstück „Doppelfehler“ ein Paar, das sich trennt, wieder zueinander zurückfindet, sich wieder trennt, wieder … Im Interview mit Unser look! Salzburg verraten sie ihre ganz persönlichen Erfolgsfaktoren für gelingende Beziehungen.

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(c) Thomas Kirchmaier

Wir treffen uns an einem Spätsommertag in einem Gastgarten direkt am Salzburger Mozartplatz. Von Sommer ist an diesem ziemlich kalten Sonntagvormittag, an dem in manchen Bergregionen schon der erste Schnee gefallen ist, nicht viel zu spüren. Umso herzlicher und wärmer fällt die Begrüßung mit den beiden Schauspielern Larissa Enzi und Torsten Hermentin aus. Die beiden sitzen schon bei ihrer ersten Tasse Espresso, ziehen mit ihrem lauten Lachen die Blicke der anderen Gäste auf sich. Auf dem Tisch süße, in Unmengen von Vanillezucker getunkte Marzipankekse aus Antiparos, der griechischen Insel, auf der Hermentin regelmäßig seine Sommerpause verbringt. Beziehungsarbeit. Ein Wort, das die beiden während des Gesprächs oft in den Mund nehmen. Reflexion und Weiterentwicklung scheinen die Erfolgsfaktoren für eine harmonische und langwährende Beziehung zu sein. Die beiden wirken vertraut, fast wie ein Paar. Das sind sie jedoch nur auf der Bühne. Privat ist Larissa Enzi seit sechs Jahren in einer fixen Beziehung, Hermentin seit zwölf Jahren glücklich verheiratet und Vater einer elfjährigen Tochter.

Unser look! Salzburg: In dem Stück kehrt die betrogene Alex fünf Jahre nach ihrer Scheidung wieder zu ihrem Ex-Mann George zurück. Begeht sie damit in Ihren Augen einen Fehler? Oder glauben Sie viel mehr an die Chance vom „zweiten Glück“?
Hermentin: Prinzipiell glaube ich schon, dass jede Liebe eine zweite Chance verdient hat. Ich werte das Zurückkehren zu seinem Ex-Partner per se nicht als Fehler. Viel mehr geht es doch darum, nicht wieder in seine alten Muster zurückzufallen, wieder ins alte Fahrwasser zu gelangen. Das wäre fatal – so lege ich auch den Begriff und den Titel des Stücks „Doppelfehler“ aus.
Enzi: Dem kann ich nur zustimmen. Und überhaupt stelle ich mir oft die grundsätzliche Frage: Was ist überhaupt ein Fehler? Das Wort klingt so negativ. Ein Fehler kann doch auch positiv gewertet werden – als Aufruf zum Lernen, zum Verändern. Das ganze Leben ist doch Veränderung. Man selbst ändert sich, Beziehungen ändern sich im Laufe der Zeit. Auf jeden Fall muss man an sich selbst arbeiten und reflektieren.

Machen Sie das?
Enzi: Ja, schon seit Längerem arbeite ich an mir selbst und der Beziehung zu meinem Lebensgefährten. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir jetzt schon seit sechs Jahren zusammen sind (lacht).
Hermentin: Ich versuche es immer wieder mal (lacht). Man weiß ja, wenn man ein gewisses Alter erreicht und damit Lebens- und Beziehungserfahrung gesammelt hat, wie eine harmonische Beziehung in Theorie funktionieren würde. Kommunikation ist hier das Schlüsselwort. Ich-Botschaften senden statt Du-Vorwürfe. Im Prinzip weiß man das ja. Dann atme ich durch und versuche konkret ein verständnisvolles Gespräch zu initiieren. Und dann gibt es auch so Momente, wo man alle gelernten Kommunikationsregeln vergisst, und es geht los mit „Du bist so … Du hast schon wieder … Wieso hast du nicht? … Du, Du, Du!“ Vielleicht muss das manchmal auch einfach mal raus.

Wie ist das bei Ihnen, Frau Enzi? Sie wirken so gelassen.
Enzi: Ach, man darf schon mal impulsiv sein. Aber gut streiten können muss gelernt sein. Auch bei uns können manchmal die Fetzen fliegen. Dann werde ich laut. Wir Schauspieler haben ja ohnehin ein sehr starkes Stimmorgan, und das kommt dann sehr zielgerichtet zum Einsatz. Aber ich muss sagen in letzter Zeit viel weniger. Wahrscheinlich wirklich, weil wir viel einfach gut miteinander diskutieren können. So, dass jeder wieder unbeschadet und gesund aus dem Konflikt herausgeht.

Herr Hermentin, was denken Sie über Ihre Rolle? Ein alternder Hypochonder, der bei blutjungen Mädchen sein Glück finden möchte?
Hermentin: Beim ersten Mal Lesen des Buches fand ich die Figur des George sehr unsympathisch. Ein oberflächlicher Macho, der unsensibel und unreflektiert durch die Welt geht und dabei jede Menge Scherben und gebrochene Herzen hinterlässt. Um eine Rolle gut verkörpern zu können, suche ich immer nach etwas Positivem, das die Figur verkörpert. Bei George war es seine naive Kindlichkeit. Seine Unreflektiertheit ist spontan, nie berechnend, er kann einfach nicht aus seiner Haut heraus und fällt immer wieder in die selben Muster zurück, das macht ihn doch auch menschlich und sympathisch.

Frau Enzi, wie sehen Sie das? Würden Sie Ihrem Partner einen Seitensprung verzeihen?
Enzi: Oh, das ist ein schwieriges Thema. Ich glaube, ein Seitensprung im Kopf findet doch bei fast jedem statt. Egal ob Mann oder Frau. Die Frage ist nur, wie weit geht man tatsächlich?

Und wenn der Partner sehr weit geht? Bedeutet das dann für Sie das Beziehungsaus?
Enzi: Nein, nicht automatisch. Es wäre doch schade, eine Beziehung wegen eines „Fehltrittes“ einfach so hinzuschmeißen. Ich bin der Meinung, man sollte dann genau hinschauen und sich fragen: „Was fehlte? und „Was können wir gemeinsam ändern?“ Und sich dabei aber auch bewusst sein, dass jede Menge Arbeit vor einem liegt.
Hermentin: Eine Beziehung ist eine Entscheidung. Will ich es nochmal probieren oder nicht? Und was braucht man dafür, um in Zukunft dieselben Fehler nicht nochmal zu machen? Wenn man sich für die Beziehung entschieden hat, dann ist das ein klares Commitment. Dann gilt es, nach vorne zu schauen und nicht die alten 
Kränkungen immer wieder neu aufzuwärmen.