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Lifestyle | 30.12.2018

Oslo – Traumstadt im Norden

Nordlichter und Polarkreis, tiefe Fjorde, sportliche Höchstleistungen auf der Holmenkollen-Sprungschanze – und das Ganze in Europa, aber doch nicht in der EU … Das sind wohl die ersten Gedanken, die uns angesichts des Begriffs „Norwegen“ durch den Kopf gehen. Aber das skandinavische Land bietet noch mehr.

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Foto: Iris Thiele-Schmied

Das Königreich auf der skandinavischen Halbinsel mag zwar flächenmäßig fast viermal so groß wie Österreich sein, doch während sich in Österreich 105 Einwohner einen Quadratkilometer teilen, sind es in Norwegen nur 13 Einwohner. Kein Wunder, dass zum Thema Norwegen in erster Linie Bilder von unbewohnten Landstrichen, sanft gerundeten Gebirgen und weitläufigen Fjorden vor dem inneren Auge entstehen. Das hieße jedoch, die Hauptstadt Oslo gehörig zu unterschätzen. Im Einzugsgebiet der Stadt (gleichzeitig der größte Ballungsraum des Landes) wohnen gut 1,5 Millionen Menschen, und das urbanste Gebiet Norwegens hat dem Städtereisenden viel zu bieten.

 

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Foto: Iris Thiele-Schmied

Da wäre etwa das angenehme Klima – im Gegensatz zum frostigen Klischeewetter des Landes von Elch, Polarfuchs und Rentier weist Oslo ein überraschend mildes Klima auf. Der heurige Rekordsommer wartete sogar mit Tagestemperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze auf. Trotzdem – die Heizstrahler in den zahlreichen Straßencafés der Innenstadt lassen vermuten, dass tropische Temperaturen dann doch die Ausnahme sind. Auf der Hauptstraße zwischen Parlament und Königspalast lässt es sich herrlich flanieren, die Sonne genießen, gemütlich einen Kaffee trinken und die Einheimischen beobachten. Die erkennt man – ganz Klischeebild – oft genug an ihrer hochgewachsenen, kräftigen Statur und – man könnte vor Neid erblassen – am von den Damen gern sehr lang getragenen, kräftigen flachsblonden Haar. Der typische Norweger-Pullover dürfte dann doch eher dem Touristenklischee entsprechen, und wer gerne ein paar Kronen mehr in die Hand nimmt, ist in der feinen Boutique von Dale Norway mit seiner edlen Wollware bestens bedient, wenn es um das perfekte Oslo-Mitbringsel geht.

 

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Foto: Iris Thiele-Schmied

Historiografie. Um das Budget zu schonen, lässt man dann doch besser das Zentrum mit seinen schönen Läden hinter sich und geht in wenigen Schritten zu den Piers am Oslofjord. Rechts überblickt das Nobel-Friedenszentrum, ein überraschend kleines Gebäude mit edler Fassade, das überschaubare Hafengelände. Zur Linken erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe die Festung Akershus. Das geschichtsträchtige Bauwerk wurde 1300 erstmals urkundlich erwähnt und kann derzeit wegen Restaurierungsarbeiten nur von außen besichtigt werden. Unser Ziel liegt jedoch auf der anderen Seite des Oslofjords, eine kurze Bootsfahrt entfernt. Wir besuchen das „Vikingskipshuset“, das Wikingerschiffsmuseum, in dem drei teilweise hervorragend erhaltene Originalschiffe ausgestellt sind. Besonders beeindruckend ist das „Oseberg-Schiff“: Um 820 konstruiert und als außergewöhnliche Grabbeigabe vergraben, wurde das reich verzierte Schiff von einem Bauern im Jahre 1903 entdeckt und anschließend archäologisch geborgen. Die Archäologen fanden neben den Überresten von zwei Frauen unterschiedlichen Alters, die wohl hohen Standes gewesen sein mussten, zahlreiche edle Grabbeigaben. Als Fan der TV-Serie „Vikings“ muss ich dann doch ein wenig schmunzeln, denn offensichtlich galt schon damals: „Frauen regieren die Welt.“ Die Grabschiffe der Männer sind nämlich zum einen nicht annähernd so gut erhalten und zum anderen fehlen die hochwertigen Grabbeigaben.

 

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Foto: Iris Thiele-Schmied

Auf Entdeckungstour. Die norwegische Geschichte mit ihren abenteuerlichen Entdeckern und Seefahrern hat es uns generell angetan, und so besuchen wir gleich noch das „Fram Museum“, in dem das berühmte Polarschiff ausgestellt ist. Die tollkühnen Forscher ließen sich damals auf ihren wagemutigen Arktis-Expeditionen absichtlich vom Packeis einschließen und verbrachten insgesamt auf drei jeweils mehrjährigen Expeditionen zwischen 1893 und 1914 zahllose Tage im Polareis. Wenn man auf mehreren Ebenen das mächtige Schiff umrundet und schließlich im Inneren die einzelnen Kajüten und Schiffsareale besichtigt, scheint man beinahe den eisigen Wind um die Nasenspitze zu fühlen! Gut, dass sich nebenan das Kon-Tiki-Museum befindet, das Thor Heyerdahls abenteuerlicher Pazifik-Überquerung von 1947 gewidmet ist. Nicht alle Norweger haben sich also der Kälte verschrieben.

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Foto: Iris Thiele-Schmied

So viel Geschichte und Kultur macht hungrig. Wir treten unser eigenes kleines Schiffsabenteuer an und lassen uns von der kleinen Fähre wieder über den Oslo-Fjord übersetzen. Inzwischen ist der vormals strahlend blaue Himmel von dunkelgrauen Wolken überzogen und kalter Regen peitscht in die dunklen Gewässer. Mächtig scheint das aus zahllosen kleinen, dunkelroten Ziegeln erbaute Rathaus von Oslo über den Hafen im düsteren Licht zu wachen, als wir in strömendem Regen am Pier anlegen. Doch unsere Aufmerksamkeit erregt hat das feine Fischrestaurant mit den großen Glasfronten direkt an der „Radhusbrygge“. Die würzige Fischsuppe und die mächtigen Königskrabben schmecken hervorragend und wärmen schön von innen  – so versteht man die Liebe der Norweger zum Meer gleich noch ein wenig besser.