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Lifestyle | 18.09.2019

Über die Qual der Wahl

Warum eine falsche Abzweigung manchmal besser ist als Stillstand und wie wir lernen, Entscheidungen zu lieben.

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(Foto: Shutterstock)

Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?“ Schon der Hip-Hop-Band Fettes Brot fiel es in ihrem Hit „Jein“ schwer sich zu entscheiden. Uns geht es, wenn wir ehrlich sind, im Leben oft genauso. Entscheidungen können großen Einfluss auf unser Leben und unsere Zukunft nehmen. Aus Angst davor, einen Fehler zu machen oder uns festzulegen, schieben wir diese also lieber vor uns her. Aber stimmt es wirklich, dass wir bessere Entscheidungen treffen, je länger wir darüber nachdenken? Und enden wir tatsächlich in einer Sackgasse ohne Umkehrmöglichkeit, wenn wir die falsche Wahl treffen? Unsere Überlegungen zur Qual der Wahl.

 

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(Foto: Shutterstock)

Schnellschuss. Eines vorweg: Tagtäglich treffen wir Hunderte von Entscheidungen. Nicht alle davon haben spürbare Konsequenzen, und für oder gegen einige Dinge entscheiden wir uns ganz automatisch und auch ganz ohne Nachdenken. Wir putzen uns früh morgens die Zähne, bevor wir duschen (oder auch danach), wir ziehen uns zuerst den linken und dann den rechten Schuh an (oder auch anders herum) oder verwenden den blauen Kuli für die Notiz an die Kollegin (und nicht den schwarzen). Das alles passiert ganz unbewusst, und das ist auch gut so. Würden wir jede unserer kleinen alltäglichen Entscheidungen mit Bedacht abwägen, würde uns das unendlich viel Zeit und Nerven kosten und, ziemlich sicher, unseren Alltag erheblich erschweren.

 

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(Foto: Shutterstock)

Ein klares Vielleicht. Doch neben dem alltäglichen Krimskrams gibt es Entscheidungen, die uns nicht so leicht von der Hand gehen – die großen Fragen des Lebens: Soll ich meinen Job wechseln? Will ich künftig in der Stadt oder am Land wohnen? Soll ich die Weltreise wagen oder lieber für später sparen? Wenn wir hier eine Entscheidung treffen, müssen wir mit Konsequenzen rechnen – Konsequenzen, die sich auf unser ganzes Leben auswirken können und die wir aus jetziger Sicht nicht vorhersehen können. Wir haben Angst, eine falsche Abzweigung zu nehmen, unsere Wahl zu bereuen und fühlen uns deshalb im ersten Moment wie paralysiert. Doch unser Leben ist nicht auf Stillstand ausgerichtet, und vieles kann nur aus der Welt geschafft werden, wenn wir uns bewusst dazu entscheiden, eine Wahl zu treffen. Hop oder top – die Frage, die bleibt: Welche Entscheidung ist die richtige?

Halbleer oder halbvoll. Die Pessimisten unter uns wissen es bereits: Jede unserer Entscheidungen könnte ein Fehler sein, und fast immer sind wir im Nachhinein klüger. Doch diese Einstellung hilft uns im Moment wenig. Wir können die Zukunft nicht vorhersehen, und eine falsche Entscheidung ist selten das Ende vom Lied. Sometimes you win, sometimes you learn.

 

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A, B oder doch C. Steht eine große Entscheidung an, gehen Sie am besten in kleinen Schritten vor. Werfen Sie Ihr Kopfkino an und stellen Sie sich die möglichen Szenarien vor. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl – in welchem Film fühlen Sie sich am wohlsten? Versuchen Sie außerdem, Ihre Entscheidung auf Ihre aktuelle Situation abzustimmen. Niemand weiß, was in fünf Jahren passiert und wo Sie sich dann befinden – hätte, wäre, könnte sind zu vage Stützen, um darauf sein Leben zu bauen. Manchmal hilft es auch, die Außensicht miteinzubeziehen und sich einem guten Freund anzuvertrauen. Vielleicht kann er oder sie mit neuen Argumenten Klarheit schaffen. Wenn keine Option für Sie passend scheint oder Zweifel partout nicht verschwinden wollen, hilft es auch, darüber nachzudenken, ob sich ein Mittelweg finden lässt.

 

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Maybe, baby. Eine Entscheidung zu treffen, erfordert in jedem Fall Mut. Wer einen großen Schritt wagt und sich für eine Richtung entscheidet, entscheidet sich automatisch gegen die andere – dafür müssen wir uns vertrauen, dafür müssen wir aufstehen und aktiv werden. Aber was ist, wenn wir uns zwar entschieden haben, aber nun von Zweifeln geplagt sind? Heutzutage haben wir eine Vielzahl an Möglichkeiten und unendliche Optionen. Wir können zwischen zig Studiengängen wählen, Datingapps wie Tinder & Co zufolge wartet eine niemals endende Auswahl an Partnern auf uns, und Social Media zeigt uns verlässlich, dass es immer jemanden gibt, der ein größeres Haus hat, schönere Haut, längere Haare oder glücklichere Kinder – ergo die besseren Entscheidungen getroffen hat. Dass wir dann unsicher werden, ist verständlich, aber ist es auch unvermeidbar?

 

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(Foto: Shutterstock)

Immer gerade aus. Je größer unsere Auswahl, umso höher sind auch unsere Ansprüche. Wir wollen den perfekten Job, den idealen Partner und ein erfülltes Leben. Auch wenn wir in fast allen Bereichen unseres Lebens mehr Auswahl haben als beispielsweise unsere Großeltern, erzeugt das zeitgleich mehr Stress. Sich für etwas zu entscheiden, bedeutet auch, so vieles zu verpassen. Wer glücklich werden will, muss sich von all dem lösen, denn eine Entscheidung zu treffen und dabeizubleiben, ist wichtig für unser Selbstbewusstsein: Einen Weg zu verfolgen, ohne stets auf die Seite zu schielen, kann uns glücklicher machen als darauf zu achten, nichts zu verpassen. Erinnern Sie sich an die positiven Aspekte und bleiben Sie optimistisch, wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben. Manche Dinge brauchen Zeit, und vieles, das passiert, fügt sich erst im Nachhinein. Vergessen Sie auch nicht die Gründe, warum Sie sich für das eine und gegen das andere entschieden haben. Wenn sich trotz allem partout keine Zufriedenheit und der Gedanke, die falsche Wahl getroffen zu haben, einstellt, bleibt nur eins – nicht verzweifeln. Viele Entscheidungen können auch im Nachhinein korrigiert werden. Die von Ihnen gewählte Ausbildung passt nicht zu Ihnen? Schauen Sie sich um, vielleicht können Sie durch Kurse Ihre Aufgaben erweitern oder sich umschulen lassen. Auf dem Land fällt Ihnen doch die Decke auf den Kopf? Informieren Sie sich, ob Sie Vereinen beitreten können und sprechen Sie mit Ihrem Partner. Bleibt der Frust trotz allem, ist es keine Schande, sich einzugestehen, dass Sie die falsche Entscheidung getroffen haben – Fehler passieren. Nutzen Sie sie als Chance.

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(Foto: Shutterstock)

Up to you. Springen oder stehen bleiben? Jetzt oder nie? Ja oder nein? Wir sagen, machen Sie es einfach und entscheiden Sie sich. Denn eins ist klar: Eine Entscheidung ist immer besser als keine.