Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 15.10.2019

Boomtown Budapest

Europas bestes Reiseziel blüht auf: Die quirlige Hauptstadt begeistert Kulturtouristen sowie Partygänger.

Bild IMG_2013.jpg
(Foto: Martin Duschek)

Budapest bietet die Eleganz von Paris, das architektonische Erbe von Wien, den Charme von Porto und wie Stockholm die sanfte Art und Weise des Lebens.“ Mit dieser Hymne feiert die anerkannte Plattform „European Best Destinations“ die Wahl von Budapest zum besten Reiseziel unseres Kontinents 2019. Die ungarische Hauptstadt erlebt derzeit einen spektakulären Tourismus-Boom. Mehr als zehn Millionen Nächtigungen wurden im Vorjahr registriert und heuer wird dieser Rekord wohl übertroffen werden. Kein Wunder, hat sich die einst verstaubte K.-&-K.-Metropole doch in den letzten Jahren prächtig herausgeputzt. Das gigantische Parlament – tatsächlich das drittgrößte Regierungsgebäude der Welt – im flachen Stadtteil Pest strahlt mit dem ebenfalls renovierten Burgpalast auf dem gegenüberliegenden hügeligen Buda um die Wette. Innsbrucker fühlen sich gleich heimisch, wird doch im Innenstadtbereich an allen Stellen gegraben und gebaut auf „Teufel komm raus“.

 

Bild IMG_2054.jpg
(Foto: Martin Duschek)

Touristisches Pflichtprogramm. Im Herbst 2018 wurde zum Beispiel das Szépmüvészeti-Museum wiedereröffnet. Ungarns größte und wichtigste Kunstsammlung entspricht in ihrer Bedeutung etwa jener des Kunsthistorischen Museums in Wien. Doch allein die prächtigen Innenräume des auf Deutsch zumeist als „Museum der schönen Künste“ bezeichneten Gebäudes beeindrucken zutiefst. Der Besuch des gigantischen Kunsttempels direkt am Heldenplatz gehört jedenfalls zum touristischen Pflichtprogramm. Entspannung findet man gleich nebenan im Stadtwäldchen, der grünen Lunge Budapests. In bunten Sportwagen-Tretbooten schippern die Besucher dort vor der Silhouette der romantischen Vajdahunyad-Burg. Die Anlage spiegelt eine Menge Kunststile wider. Errichtet wurde sie wie viele andere Kultureinrichtungen im Stadtwäldchen 1896 zur damaligen Millenniumsfeier. 

Bild IMG_1656.jpg
Ruinenkneipen im jüdischen Viertel. (Foto: Martin Duschek)

Auch für die jüngere Geschichte des Landes entstanden Informationsstätten. Im „Haus des Terrors“ erinnern Dauerausstellungen an die Herrschaft der Pfeilkreuzler – der ungarischen Version der Nazis – und an die nachfolgende kommunistische Diktatur. Eine gute Fahrtstunde mit Straßenbahn und Bus entfernt liegt am südlichen Stadtrand der Memento-Park. Er verspricht eine gruselig-martialische Reise in die 50er- und 60er-Jahre. Dafür wurden die skurrilsten Stein- und Blechfiguren aus der Schöpfung des sozialistischen Realismus hergebracht und aufgestellt. Von der großen Stalinstatue sind lediglich die Stiefel auf dem Betonsockel übrig geblieben.

Bild IMG_1767.jpg
(Foto: Martin Duschek)

Alle diese Sehenswürdigkeiten können kostenfrei mit der Budapest-Card besucht werden. Die offizielle Touristenkarte gibt es in Versionen von 24 bis 120 Stunden. Sie beinhaltet auch die unbegrenzte Fahrt mit allen Verkehrsmitteln und zahlreiche Vergünstigungen, zum Beispiel beim Eintritt in die weltbekannten Budapester Thermalbäder. Der Besuch des historischen Lukas-Bades ist mit der Budapest Card überhaupt gratis. Er lohnt sich allein wegen des morbiden Charmes der Kur- und Heilanstalt, deren Wurzeln bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Auf vielen Schildern wird hier hingewiesen, dass Rauchen in den Schwimmbecken ausnahmslos verboten und Baden nur mit Hauben gestattet ist.

Bild IMG_1869.jpg
(Foto: Martin Duschek)

Coole Magyaren. Im neu erwachten Budapest darf eine lebendige und vielfältige Lokalszene nicht fehlen. Besonders quirlig geht es im siebten Bezirk beginnend hinter der großen Synagoge zu. Hier im jüdischen Viertel eroberte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Alternativszene die Hinterhöfe. Die bekannteste „Romkocsma“, zu Deutsch „Ruinenkneipe“, ist heute das „Szimpla Kertmozi“. Ursprünglich als Rückzugsort für unkompliziertes, billiges Abhängen gedacht, entwickelte sich das „Kert“ zur Touristenattraktion. Bars auf mehreren Ebenen, Live-Musik, Theaterbühnen, Fahrradverleih, Independent-Kino, Kunstgalerie, offene Bibliothek, Öko-Markt und einiges mehr haben sich in der ehemaligen Ofenfabrik angesiedelt. Entsprechend drängen sich die Horden durch den düsteren Eingang des aufgelassenen Fabrikgeländes.

Bild IMG_1650.jpg
(Foto: Martin Duschek)

Weniger bekannt, aber nicht weniger cool, ist das „A38“. Die schlichte Bezeichnung steht für ein stillgelegtes ukrainisches Steinträgerschiff am rechten Donauufer. In seinem stählernen zur Konzert-Location umgebauten Schiffsbauch dröhnen fast täglich die Rhythmen heimischer Nachwuchsbands ebenso wie internationaler Gäste. Montag und Freitag sorgen DJs am Rooftop für heiße Partynächte. Rund um die Uhr pulsiert das Leben in der Stadt an der Donau. Altes wird mit Neuem verbunden und verschmilzt zu international beachteten architektonischen Lösungen, wie das „Budapest Whale“: Hinter der großen Markthalle entstand durch die Verbindung von alten Warenhäusern mit einer gewagten, an einen Walfisch erinnernden Dachkonstruktion ein Komplex, der als Einkaufszentrum und einer Dependance der Budapest Gallery Kunst und Kommerz unter einem Dach vereint. Zahlreiche Flächen stehen hier noch leer – das Entwicklungspotential der Hauptstadt ist noch nicht ausgeschöpft.