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Lifestyle | 23.01.2020

Lassen Sie uns über Geld reden

Von der Chaos-Göttin zur Money Queen: Warum Finanzen viel öfter Frauensache sein sollten.

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(Foto: Shutterstock)

In ihrem Buch „Money Queen – Der Geldplan für Chaos-Göttinnen“ nähern sich Meike Schreiber und Angelika Slavik dem Thema Finanzen von einer weiblich-charmanten Seite und liefern damit Finanzberatung für alle Lebenslagen. Die TIROLERIN hat sich mit Angelika Slavik auf ein Interview getroffen und sich mit ihr über die Rolle der Frau, Emanzipation und Finanztipps unterhalten.

TIROLERIN: Wie kamen Sie auf die Idee, einen Finanzratgeber speziell für Frauen zu verfassen?
Angelika Slavik: Es gab zwei Hauptgründe: Sowohl ich als auch meine Co-Autorin haben in unserem privaten Umfeld, bei Schwestern und Freundinnen, erlebt, dass es große Berührungsängste mit dem Thema Finanzen gibt. Es herrscht große Unwissenheit, aber eben auch eine große Distanz. Der zweite Grund liegt bei den Zahlen. Es gibt sozusagen eine strukturelle wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen. Das beginnt unerklärlicherweise schon im Kindergarten beim Taschengeld und zieht sich dann über die ersten Jobs bis zum klassischen Gender-Pay-Gap. Aber es geht noch weiter: Frauen haben weniger Geld, sparen weniger, besitzen weniger Aktien und haben im Endeffekt auch im Alter weniger Geld. Diese Benachteiligung beträgt in jeder Lebensphase um die 20 Prozent. Ein Fünftel weniger Geld, nur weil man eine Frau ist, das ist eigentlich nicht akzeptabel, und dem wollten wir etwas entgegensetzen. Wir wollen unsere 20 Prozent zurück!

 

 

 

 

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Angelika Slavik und Meike Schreiber geben in ihrem Buch Finanztipps für jede Lebenslage. (Foto: www.lukasbeck.at)

Wie steht es um die gesellschaftliche Aufmerksamkeit dieser geschlechtsspezifischen Unterschiede? 
Bisher gibt es wahnsinnig wenig Bewusstsein dafür. Wir sprechen in letzter Zeit glücklicherweise sehr viel über Gleichberechtigung, Emanzipation, da geht es viel um den Umgang miteinander, auch in der Sprache. Aber die Sache mit dem Geld scheint eine vergessene Seite der Emanzipation zu sein. Viele Frauen wissen gar nicht, wie sehr sie benachteiligt sind, weil es dafür kein Bewusstsein gibt.

Warum fehlt uns genau dieses Bewusstsein?
Ein Hauptgrund ist auf jeden Fall, dass man allgemein wenig über Geld redet. Uns wird das Thema, und damit das Bewusstsein über die Ungerechtigkeit, vorenthalten. Ein zweiter Grund ist, dass es keine historische Tradition für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen gibt, zumindest keine lang gewachsene. Noch Mitte der 1970er musste ich als Frau in Österreich den Mann fragen, ob ich arbeiten darf. Das ist natürlich aus heutiger Sicht unvorstellbar. Aber in einer historischen Dimension gedacht, ist das kein langer Zeitraum. Der dritte Faktor ist, glaube ich, tatsächlich, dass viele Frauen sehr viele Rollen im Leben erfüllen: Viele haben eine Familie, viele sind gesellschaftlich sehr engagiert. So ein Frauenleben ist oft sehr voll, und da bleibt das Geld oft außen vor, weil man die Dringlichkeit vielleicht gar nicht so vor Augen hat.

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(Foto: Shutterstock)

Schon im Titel ist die Rede von „Money Queen“ und „Chaos-Göttinnen“. Warum diese Bezeichnungen?
„Chaos-Göttin“ beschreibt eher ein Gefühl. Ich glaube, es ist ein Mythos, dass die Leute immer alles gut im Griff hätten, aber selbst fühlt man sich oft wie die Göttin über das eigene Chaos. Wir versuchen deutlich zu machen, dass es auch in Ordnung ist, wenn man mal eine schlechte Phase hat im Leben. Das gehört eben dazu, das Leben ist ein Auf und Ab – und das gilt auch für Finanzen. Wir versuchen, dieses Thema zu entmystifizieren. Deswegen ist die Sprache auch ein bisschen flapsiger und der Zugang niederschwellig, um es den Leuten leicht zu machen, den Frauen leicht zu machen. „Money-Queen“ beschreibt das Gefühl, das man im allerbesten Fall erreicht, wenn man seine Finanzen so geordnet hat, dass man sich wohlfühlt damit. Aus meiner Sicht ist es das Ziel, eine finanzielle Lage zu erreichen, in der Geld kein Stressfaktor ist.

Geht es dabei also immer darum, sein Geld zu vermehren?
Ich glaube, dass es nur für wenige Leute ein Ziel ist, Millionär zu werden. Wenn man sich überlegt, worum man die vermeintlich Superreichen beneidet, dann eher darum, dass man sein Leben frei gestalten kann, ohne finanziellen Stress. Das ist sozusagen das Ziel, das man erreichen will, das Gefühl, dass man seine Sachen sortiert hat, im Griff hat und damit gut zurecht kommt und das Leben hat, das man gerne hätte.

Bei Finanzberatung denkt man direkt an die großen Geldthemen: Anlage, Immobilien, Aktien. Aber Geld betrifft ja so gut wie alle Lebensbereiche. Wo setzt Ihr Buch an?
Wir haben es ganz breitgefächert aufgebaut. Wie kann man Freizeitaktivitäten oder auch romantische Aktivitäten finden, die finanzschonend sind, wenn gerade das Geld knapp ist? Wie kann man im Alltag sparen? Wenn man vor einer Gehaltsverhandlung steht, wie kann man sich darauf vorbereiten oder welche Strategien sind erfolgversprechend? Wie kann ich im Supermarkt schnell den günstigsten Preis finden? Es geht nicht nur um Geldanlage. Das Buch ist unser Versuch, Geld in jeder Lebenslage zu erklären.

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(Foto: Shutterstock)

Stichwort Gehaltsverhandlungen: Wie sollte man an so ein Gespräch herangehen und was können wir hier von den Männern lernen? 
Ich glaube, man findet seinen eigenen Stil, seine eigene Strategie, auch als Frau. Man muss nicht versuchen, einen Mann zu imitieren. Aber selbstbewusst in eine Verhandlung zu gehen, das kann man sich auf jeden Fall abschauen. Es gibt in so einem Gespräch ja meistens den Punkt, an dem man seine Forderungen auf den Tisch legt, und dann entsteht so ein Moment des Schweigens. Viele Frauen halten das ganz schlecht aus und reduzieren dann schon ihre Forderungen, bevor der Personaler oder der Chef überhaupt darauf reagiert hat, einfach weil sie diesen Moment nicht mögen, weil es in so einem Gespräch ja auch immer Disharmonie gibt, das ist ja nicht angenehm. Wenn man sich gedanklich vorher darauf einstellt, dass es einen Moment gibt, in dem man sich nicht super toll fühlt, dann ist es viel leichter, diesen Moment auszuhalten.

Ordnung und Planung, dafür aber weniger Risikofreude: Können typisch weibliche Eigenschaften nicht ebenso hilfreich sein, wenn’s ums Geld geht?
Auf jeden Fall. Es gibt Statistiken dazu, dass Frauen, die an der Börse investieren, im Durchschnitt deutlich erfolgreicher sind als Männer – es gibt nur so wenige, die das machen, das ist das Problem. Aber die Frauen, die sich an dieses Thema herantrauen und die Entscheidungen treffen, treffen meistens sehr viel schlauere Entscheidungen. Dazu kommt, dass sie sehr viel langfristiger denken, nicht bei jeder Kursbewegung alles ändern, sondern sich einmal entscheiden und länger dranbleiben, wohingegen Männer eher kurzfristig reagieren. Schon alleine wenn man ständig „hin- und herschupft“, dann kostet das Gebühren, und die reduzieren den Gewinn schon allein durch die vielen Gebühren.

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(Foto: Shutterstock)

Wie schafft man es, sein Interesse für das Thema Geld anzufachen und beizubehalten?
Insgesamt glaube ich, dass es darauf ankommt, wo man startet. Es gibt Frauen, die ihren Alltag gut im Griff haben, ihre Finanzen, und die eher denken: „Vielleicht sollte ich mich mal an das Thema Geldanlage heranwagen und versuchen, Vermögen aufzubauen.“ Da ist die Motivation, dass man sich denkt: Was hätte ich gern vom Leben und inwiefern kann mir Geld dabei helfen? Und dann gibt es natürlich auch Frauen, die keinen Überblick über ihre finanzielle Situation haben. Da ist es sinnvoll, sich deutlich zu machen, wenn man sich einmal überwindet und durch den Papierberg durchkämpft, dann ist es das auf jeden Fall wert. Denn wenn man seine Situation kennt, dann ist es extrem entspannend. Dann weiß man, „ich hab das jetzt geregelt, selbst wenn das Geld gerade knapp ist“. Das ist viel besser zu wissen, selbst wenn die Lage schlecht ist, als es nicht genau zu wissen und sich die ganze Zeit Gedanken zu machen.

Ohne das Buch gelesen zu haben, haben Sie einen grundlegenden Tipp, wie man anfangen sollte?
Es kommt stark darauf an, in welcher Situation man startet. Wenn man Mitte 20 ist und studiert, dann ist es völlig in Ordnung, wenn es das Ziel ist, dass am Monatsende noch Geld übrig ist. Wenn man dann in die Situation kommt, dass es nicht mehr so knapp ist jeden Monat und man etwas auf die Seite legen kann, dann würde ich immer damit anfangen, eine Reserve zu bilden, die dafür sorgt, dass mich die Autoreparatur und die kaputte Waschmaschine nicht in Schwierigkeiten bringen. Ich würde immer mit sowas ganz Banalem beginnen. Danach könnte man anfangen, mittelfristig Vermögen aufzubauen und sich zum Beispiel an einen Index-Fonds zu wagen. Das geht schon mit recht wenig Geld. Viele Menschen glauben, Aktien wären nur was für Reiche, die noch reicher werden wollen. Aber man kann auch schon mit 25 oder 50 Euro im Monat in Aktien investieren. Gerade langfristig macht das auch einen Unterschied.


Die Autorinnen

Meike Schreiber kam 1975 in Karlsruhe zur Welt und arbeitet als Bankenkorrespondentin der Süddeutschen Zeitung in Frankfurt. Angelika Slavik wurde 1982 in Wien geboren und arbeitet seit 2007 ebenfalls für die Süddeutsche Zeitung, seit 2015 als Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.


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ZUM NACHLESEN

Meike Schreiber und Angelika Slavik
Money Queen
Der Geldplan für Chaos-Göttinnen
ISBN: 978-3-99001-331-1
€ 20,–