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Lifestyle | 18.01.2020

Von der Anwesenheits- zur Ergebniskultur

Arbeit im Home-Office auf dem Prüfstand.

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(Foto: Shutterstock)

Lediglich drei Prozent der österreichischen Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern, sofern der Job nicht ortsgebunden ist, die Möglichkeit zur Arbeit im Home-Office, so eine Umfrage von Deloitte Österreich, der Universität Wien und der FH Oberösterreich. Demgegenüber erscheint das Konzept in Zeiten von Burn-out, guter Work-Life-Balance und Digitalisierung durchaus naheliegend. Doch was gerade für Arbeitnehmer im ersten Moment verlockend klingt, kann sowohl Vor- und Nachteile mit sich bringen. Wir haben die wichtigsten Charakteristika der Home-Office-Variante unter die Lupe genommen.

Kollegen. Telefongespräche am Nachbartisch, ausufernde Erzählungen, die man eigentlich gar nicht hören will, dann kommt schon wieder der Kollege vorbei, der ständig Witze erzählt: Büro- und Schreibtischnachbarn sorgen für Ablenkung. Wer ruhig und konzentriert arbeiten möchte, hat im Unternehmen nicht unbedingt leichtes Spiel. Am Schreibtisch zuhause sieht es anders aus. Hier lässt sich leichter ein paar Stunden konzentriert und ungestört durcharbeiten – vorausgesetzt man lässt sich nicht anstatt der Kollegen von Hausarbeit, der Familie oder dem Postboten von der Arbeit abhalten. Doch während uns die Unterbrechungen zuhause bestenfalls privat etwas bringen, können der bekannte Flurfunk oder der Plausch am Kaffeeautomat zur entscheidenden Informationsquelle werden.

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(Foto: Shutterstock)

Pendeln. Der Start in den Arbeitstag beginnt für viele nicht an der Bürotür, sondern auf der Straße. Egal ob per Bus, Bahn, Auto oder Rad, der Arbeitsweg bedeutet oft Stress pur. Wenn er sich dagegen nur auf die Entfernung vom Bad über die Küche ins heimische Arbeitszimmer beschränkt, entfällt die Rushhour genauso wie der morgendliche Druck, trotz roter Ampeln und Stau noch pünktlich zur Arbeit zu kommen. Andererseits bietet der Weg zwischen Zuhause und Arbeitsplatz für so manchen auch die entscheidende Transitphase zwischen Freizeit- und Berufsmodus. Pendler können sich gedanklich auf die anstehenden Aufgaben einstimmen oder zum Feierabend die Tagesgeschehnisse Revue passieren lassen. Bei einem Arbeitsplatz Tür an Tür zum Wohnzimmer dagegen entfällt mit der räumlichen Trennung leicht auch die mentale.

 

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(Foto: Shutterstock)

Work-Life-Balance. Bei schönem Wetter verschiebt man die Arbeit auf den Abend, zwischendurch eine Stunde mit den Kindern spielen, Hausarbeit und Einkaufen in der Pause zwischendurch und Zeit für Hobbys – im Home-Office lassen sich Beruf und Privatleben gut unter einen Hut bringen. Anwesenheitspflichten zu festen Zeiten fallen größtenteils weg und die Arbeitsphasen können dem persönlichen Biorhythmus entsprechend effizient gestaltet werden. Doch die Freiheiten bringen auch ihre Tücken mit sich. Einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen zufolge sind Home-Office-Arbeiter gestresster, da hier meist länger und intensiver gearbeitet wird. Daneben ergeben sich aus der komplizierteren Abstimmung mit Kollegen sowie aufgrund technischer Probleme zusätzliche Stressfaktoren. Vor allem aber verschwimmen die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf, was es umso schwieriger macht, in den eigentlichen Ruhephasen richtig abzuschalten.

 

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(Foto: Shutterstock)

Selbstbestimmung. Home-Office-Lösungen bringen zweifelsohne ein hohes Maß an Freiheit mit sich, egal ob in Bezug auf die Zeiteinteilung oder das Job-Outfit. Gleichzeitig fordern sie aber auch die Selbstdisziplin, denn was am Ende zählt, ist das Ergebnis. Eigenverantwortliches Arbeiten und Flexibilität können als Ansporn dafür gesehen werden, aber die Arbeit von zuhause kann auch zum Motivationskiller werden. Fehlen Teamgeist und Reputation seitens der Kollegen und Vorgesetzten, kann sich das Home-Office auch negativ auf die eigene Begeisterung auswirken.

Wie so vieles hat auch das Home-Office seine Pro- und Contra-Seiten und fordert sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Von Ersteren ist vor allem Vertrauen gegenüber dem Mitarbeiter gefragt. Dieser wiederum sollte insbesondere über ein hohes Maß an Selbstdisziplin verfügen. Ist beides vorhanden, kann das Home-Office zumindest eine Option darstellen. Eine erfolgversprechendere Form zur Vollvariante stellt eine Mischung aus beidem dar, weil so bereits viele Nachteile der reinen Home-Office-Lösung vermieden werden könnten.