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Lifestyle | 07.05.2020

Wohin die Reise geht…

Auf die Schockstarre folgt die Neuorientierung – wir wollten von Expertinnen und Experten der Hotelbranche wissen, worauf sich die heimische Hotellerie jetzt einstellen muss und inwieweit die Krise unsere Art zu reisen verändert.

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Michael Oberhofer ist teilhabender Geschäftsführer von Brandnamic, einer Full-Service-Marketingagentur aus Brixen in Südtirol mit Filialen in München und Meran, die er mit den Mitinhabern Hannes Gasser und Matthias Prader führt. Sein Haupttätigkeitsfeld liegt in der Beratung Südtiroler und internationaler Kundinnen und Kunden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Kroatien. (c) Brandnamic

Wie ist es Ihnen in den vergangenen Wochen ergangen, und mit welchem Leitsatz versuchen Sie, diese schwierige Phase zu meistern?
Wir mussten uns in den letzten Wochen extrem rasch an eine komplett veränderte Arbeitssituation anpassen – 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bislang in engem Austausch auf dem Brandnamic-Campus operierten, gingen vollzählig ins Home-Office. Das ist uns dank der enormen Flexibilität und des großen Engagements aller Beteiligten außerordentlich gut gelungen, worauf wir wirklich stolz sind. Inhaltlich sahen wir uns vor allem mit der veränderten Situation unserer Kundinnen und Kunden konfrontiert, die fast alle aus der Hotelbranche kommen. Das erforderte von uns einen neuen Schwerpunkt in der Beratung. Unser Credo ist, dass jede Schwierigkeit Möglichkeiten in sich birgt, die es zu ergreifen gilt.

Wie wird Corona das Reisen generell verändern? Wird es eine Entschleunigung geben?
Sicher, aber ich glaube, es wird lediglich eine Entwicklung beschleunigen, die sich als Trend in den letzten Jahren bereits abzeichnete: Das Reisen wird ruhiger werden, lokaler, mit Tendenz zum Kurzurlaub, hin zu mehr Qualität statt Quantität. Kurzum: zum Slow Tourism. Die Menschen werden bewusster reisen, das Erlebnis wird im Vordergrund stehen, sozusagen die Transformation des Selbst, nicht der schnelle Konsum.

Inwieweit müssen Hotels ihre Positionierung auf Grund der besonderen Herausforderung überdenken?
Das wird zwar sehr von den Vorgaben abhängen, die man im Zusammenhang mit der Sicherheit für Reisende und Tourismusbetreiberinnen und -betreiber von oben erlassen wird, und auch davon, wie schnell ein Impfstoff entwickelt wird. Auch hier gilt, dass sich ein vorhandener Trend einfach noch schneller durchsetzen wird: Jeder Gast wird mehr Platz haben wollen und erhalten, der Freiheitsgedanke, das Streben nach Einheit mit der Natur und Authentizität wird sich noch stärker manifestieren als vorher. Hier sind wir im Alpenraum klar im Vorteil, da wir diese Dinge landschaftlich und dank der Tourismuskultur, die wir jahrzehntelang gepflegt haben, schon jetzt bieten können.

Werden Nahziele noch mehr in den Fokus rücken?
Zweifellos, wie eben erwähnt. Um in den Alpenraum zu gelangen, muss ein Gast aus unseren klassischen Märkten keine Flugreise unternehmen. Wir sind im Grunde von ganz Europa aus mit dem Auto erreichbar – und eine Autofahrt bedeutet, dass man sich keiner unbekannten Menschenmenge aussetzen muss, mit der man auf kleinstem Raum unterwegs ist.

Was ist in der Gästekommunikation in Zeiten wie diesen besonders wichtig?
Hier müssen wir zwei Phasen unterscheiden, nämlich die akute Phase, der ja viele Staaten mit einem Lockdown begegnet sind, und einer, die ich als „Post-Corona“ definieren möchte, also der Zeitraum nach den ersten Lockerungen. In der Zeit „während“ Corona geht es darum, die Gäste emotional zu unterstützen, ihnen die Sicherheit zu vermitteln, die ihnen die Situation nicht gibt – natürlich immer in aller Ehrlichkeit. Wir betreiben „emotionale“ Kommunikation, sprechen Trost und Zuversicht aus, und signalisieren, dass das Leben weitergeht – anders, aber vielleicht sogar auf eine bessere Art, dank der neugewonnenen Erkenntnisse. Wenn der Reisebetrieb wieder aufgenommen wird, geht es um konkrete Strategien zu Hygiene, Schutz von Reisenden und Mitarbeitenden und so weiter.

Auf welche generellen Auflagen wird sich die Hotellerie einstellen müssen –Büfetts wird es wohl in naher Zukunft nicht geben?
Da würde ich tatsächlich erst einmal gerne zur Zurückhaltung auffordern. Im Moment mutiert jeder zur Hygieneexpertin oder zum Hygieneexperten, aber wir müssen die Entwicklungen der nächsten Wochen abwarten, schauen, welche Auflagen es geben wird, und auf dieser Erkenntnisbasis dann Strategien aufbauen. Neben der Einhaltung von neuen Vorschriften wird es wichtig sein, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

Diese Krise bietet auch neue Möglichkeit des Zusammenhalts. Sehen Sie hier auch Potenzial?
Absolut. Potenzial wie Gefahren, denn nimmt man einerseits einen kaum je gekannten Zusammenhalt wahr, wird an manchen Stellen der Ton wieder rauer. Das ist menschlich, aber ich würde mir wünschen, dass wir uns die positiven Erkenntnisse bewahren, die wir aus dieser Krise gewonnen haben. Etwa, wie viel möglich ist, wie flexibel wir sein können, wenn es die Umstände erfordern. Ich glaube immer an Menschlichkeit, die uns sehr viel weiterbringt als alles Andere. Es ist ja nicht nur eine Katastrophe über uns hereingebrochen, es ist uns eine einmalige Chance gegeben worden, die Dinge zum Besseren zu wenden. Die sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen. In a world where you can be anything, be kind.

 www.brandnamic.com

 

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Diana Monnerjahn ist Geschäftsführerin von Diana Hotel & Marketing Consulting in Innsbruck, einem der führenden Unternehmen für individuelle Hotelberatung, das die erfolgreichsten Wellnesshotels im alpinen Raum zu seinen Kunden zählt. (c) Diana Consulting

Wie ist es Ihnen in den vergangenen Wochen ergangen, und mit welchem Leitsatz versuchen Sie, diese schwierige Phase zu meistern?
Als Anfang März die Situation in Südtirol unüberschaubar wurde, waren wir völlig aus dem Häuschen. Skigebiete und Hotels sollten innerhalb weniger Tage geschlossen werden. Dann ging es Schlag auf Schlag, auch wir Tiroler wurden aufgefordert, den Tourismus quasi lahmzulegen. Sofort wurde unser Kampfgeist wachgerüttelt. Die Schockstarre war bei Diana Consulting nur wenige Tage vorhanden und uns war rasch bewusst: Wenn wir unseren Vorzeige-Tourismus in den Alpen auch in Zukunft bewahren wollen, dann müssen wir handeln! Die ersten Wochen waren wir Seelsorgerinnen und Seelsorger für Hoteliers, seit gut vier Wochen sind wir als Beraterinnen und Berater an der Front intensiver denn je. Gilt es doch, die richtigen Entscheidungen für unsere Kundinnen und Kunden zu treffen, diese können wir nur aus unseren langjährigen Beratungserfahrungen mit Logik und Herz kompensieren.

Wie wird Corona das Reisen generell verändern? Wird es eine Entschleunigung geben?
Die große Frage ist, wann wird die Grenze zu Deutschland, auch zur Schweiz, geöffnet? Unsere Gäste werden nun in jedem Fall für mindestens ein Jahr mit dem Auto anreisen. Das ist eine enorme Chance! Der durchschnittliche Gast aus der guten Mittelschicht ist es gewohnt, bis zu vier Urlaube im Jahr wahrzunehmen. Meistens waren dies Flugreisen. Wohin mit dem Auto? Es liegt sehr nahe, unser schönes Tiroler Land mit all seinen touristischen Angeboten als Urlaubsangebot anzunehmen.

Inwieweit müssen Hotels ihre Positionierung auf Grund der besonderen Herausforderung überdenken?
Vor COVID 19 ist unser Tourismus auf der absoluten Erfolgswelle geritten, die Wintersaison war sensationell wie kaum vorher und auch die Jahre davor. Die Betten haben sich gut gefüllt, Tirol boomte als Urlaubsdestination wie kaum eine andere. Jetzt ist es an der Zeit, seine Hotelangebote kritisch zu durchleuchten, zu überarbeiten, sein wahres Ich als Hotelmarke zu erkennen. Die ehrliche und authentische Positionierung ist das Um und Auf. Was unterscheidet mich von meinen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern und welches Angebot brauche ich dazu? Qualität vor Billigangeboten!

Werden Nahziele noch mehr in den Fokus rücken?
Ganz bestimmt sogar. Alles, was Gast mit dem Auto erreichen kann, wird als Urlaubsdestination in Frage kommen. Da sind Autofahrten bis zehn Stunden im Visier unserer Gäste. Hauptsache Urlaub und das Gefühl, mit Dienstleistung verwöhnt zu werden. Der Flugverkehr ist ganz bestimmt für eine gewisse Zeit lahmgelegt, darauf können wir vor allem in dieser Sommersaison wetten. Eine enorme Chance, um wieder auf unser schönes Tirol aufmerksam zu machen! Alles bekommt wieder mehr Wertigkeit, die Sommerfrische der 60er und 70er könnte einen Aufschwung erleben.

Was ist in der Gästekommunikation in Zeiten wie diesen besonders wichtig?
Ehrlichkeit, Menschlichkeit, Herzlichkeit, Authentizität. Die gute alte Postkarte wird einen signifikanten Mehrwert erfahren. Persönlichkeit steht über allem. Sicherheit und vorgeschriebene Hygiene sind selbstverständlich und sollten nicht zu demonstrativ in den Vordergrund gestellt werden. Eine Hotelwebsite, die gleich auf der Startseite sämtliche COVID-19-Maßnahmen in den Vordergrund rückt, verunsichert eher.

Auf welche generellen Auflagen wird sich die Hotellerie einstellen müssen –Büfetts wird es wohl in naher Zukunft nicht geben?
Keinem von uns gefällt, was da vermutlich auf uns zukommt. Dennoch, wir Touristikerinnen und Touristiker sitzen alle in einem Boot und unsere Gäste auch. Also werden wir sämtliche Maßnahmen, die unsere Regierung vorgibt, auch so umsetzen müssen, ohne Wenn und Aber. Und unsere Gäste werden dies respektieren, ohne Wenn und Aber. Sie wissen, auf was sie sich einlassen, wenn sie ihren Urlaub buchen. Zu Details bezüglich Auflagen möchte ich mich hier nicht äußern, da dies wie ein Blick in eine Glaskugel ist. Wenn Sie diese Ausgabe der TIROLERIN lesen, werden wir diese Maßnahmen wohl schon von oberster Stelle in Wien erfahren haben.

Diese Krise bietet auch neue Möglichkeit des Zusammenhalts. Sehen Sie hier auch Potenzial?
Das hoffe ich sehr. Dennoch merken wir in der Hotelszene, dass derzeit jeder auf seinen eigenen Hotelbetrieb fokussiert ist. Das ist aber auch nachvollziehbar. Sämtliche Hotelbetriebe zittern um die Sommersaison, einige um ihre Existenz. Da ist sich jeder wohl der beste Freund und sieht zu, dass er aus der Krise – eigentlich ist es schon eine Katastrophe – wieder rauskommt. Zu wünschen wäre dieser Zusammenhalt allemal. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

www.diana-consulting.com

 

 

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Manuel Lampe, BA, ist Inhaber und Geschäftsführer der Agentur für Tourismusmarketing fundus. Die Marketingagentur in Innsbruck mit Fokus auf die Tourismusbranche unterstützt touristische Unternehmen bei der Konzeptionierung, Planung und Umsetzung ihrer Marketingaktivitäten. (c) Fundus

Wie ist es Ihnen in den vergangenen Wochen ergangen, und mit welchem Leitsatz versuchen Sie, diese schwierige Phase zu meistern?
Als Agentur für Tourismusmarketing ging es uns zu Beginn ähnlich wie unseren Kundinnen und Kunden. Die geplanten Öffnungen ab Mitte oder Ende Mai und die Debatten über Grenzöffnungen bedeuten einen Lichtblick und die Hoffnung auf eine – wenn auch in einem reduzierten Maße – Sommersaison 2020. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Unter dieser Devise setzen wir besonders jetzt auf unser bewährtes Tourismus-Upcycling-Konzept: Gerade eine Zeit des ungewollten Stillstandes ist die perfekte Zeit, um über die eigene Positionierung und Ausrichtung nachzudenken.

Wie wird Corona das Reisen generell verändern? Wird es eine Entschleunigung geben?
Das ist alles noch nicht wirklich einschätzbar. Menschen werden weiterhin reisen wollen. Das Thema Sicherheit wird allerdings mehr in den Vordergrund rücken. Massenansammlungen werden zukünftig eher vermieden werden, zudem hat die Quarantäne durch Corona zu einer neuen Wahrnehmung geführt. Menschen haben die Natur neu und intensiver entdeckt, interessieren sich für die Herkunft von Waren und Lebensmitteln. Diese neue Sensibilität öffnet Chancen für neue touristische Produkte und Leistungen.

Inwieweit müssen Hotels ihre Positionierung auf Grund der besonderen Herausforderung überdenken?
Das Bedürfnis nach Sicherheit und die Angst vor erneuter Ansteckung sind nun Teil unserer DNA. Tourismus- und Regierungsvertreter arbeiten an Konzepten, wie der tägliche Ablauf in Betrieben unterschiedlicher Kategorien überhaupt wieder realistisch aufgenommen werden kann. Da die Anzahl der Urlaubsgäste aufgrund von Reisebeschränkungen massiv eingeschränkt wird, werden Betriebe mit einer klaren Ausrichtung bei Buchungen den Vorzug haben.

Werden Nahziele noch mehr in den Fokus rücken?
Bis alle Märkte wieder geöffnet haben, definitiv. Der Konkurrenzkampf um jeden einzelnen Gast, der reisen „darf“, wird in diesem Sommer und vermutlich auch im Winter massiv zu spüren sein. Umso wichtiger ist ein klares Profil im Sinne einer Positionierung und eine sinnvolle und ausgerichtete Kommunikation, abgestimmt über alle Kanäle.

Was ist in der Gästekommunikation in Zeiten wie diesen besonders wichtig?
Aus unserer Sicht sind es die Schlagwörter „Ehrlichkeit“, „Authentizität“, „Regionalität“ und „Nachhaltigkeit“, die vermehrt in den Fokus bei der Urlaubssuche rücken und bei der Wahl des Urlaubsangebotes Berücksichtigung finden. Das Thema Sicherheit wird zur Voraussetzung, muss natürlich auch entsprechend berücksichtigt, aber nicht als solches immer direkt kommuniziert werden. Wichtiger ist es, dem Gast zu vermitteln, wie auf Sicherheit geachtet wird, anstatt zu sagen: „Bei uns ist alles sicher.“ Am Ende sitzen Gäste und Hoteliers im selben Boot. Beide wünschen sich, dass Urlaube stattfinden können, wissen aber auch, dass dies nur unter gewissen Einschränkungen möglich ist. Dieses gemeinsame Interesse verbindet. Nur, wenn beide Seiten sich an alle Vorgaben halten, kann der Urlaub auch gelingen.

Auf welche generellen Auflagen wird sich die Hotellerie einstellen müssen – Büfetts wird es wohl in naher Zukunft nicht geben?
Die zwischenmenschliche Begegnung erfährt gerade einen neuen Stellenwert. Einerseits wünschen wir uns Nähe zu anderen Menschen und den Austausch mit ihnen, andererseits fühlt sich zu enger Kontakt mit vor allem fremden Personen seltsam an. Das bedeutet für alle Hotels, weniger Gäste aufzunehmen, aufmerksamer zu sein, die Dienstleistung noch mehr in den Vordergrund zu stellen, letztlich mehr Achtsamkeit jedem Einzelnen entgegenzubringen. Tourismus ist Dienstleistung von Menschen an Menschen. Das kann in der Krise eine besondere Chance sein. Hier ist Kreativität gefragt, um gesundheitliche Aspekte mit einer Atmosphäre des Wohlfühlens und der „Auszeit vom Alltag“ entstehen lassen zu können.

Diese Krise bietet auch eine neue Möglichkeit des Zusammenhalts. Sehen Sie hier auch Potenzial?
Die Tourismusbranche hat es mit am stärksten getroffen. Jetzt mit Billigpreisangeboten auf den Markt zu gehen, um sich Anteile zu sichern und möglichst Gäste in den eigenen Betrieb zu bekommen, wäre falsch. Gemeinsam am Markt aufzutreten, als Qualitätsbetriebe, denen die Sicherheit der Gäste wichtig und deren Bedürfnisse ein Anliegen sind, dafür aber auch (vor allem in Hinblick auf gestiegene Anforderungen und geringere Auslastung) einen adäquaten Preis zu verlangen und kein Preisdumping zu fahren, das wäre ein erster Schritt in Richtung Zusammenhalt in der Branche.

agentur-fundus.at

 

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Werner Taurer ist langjähriges Teammitglied und Managing Partner bei Kohl & Partner. Tourismusberatung bedeutet für das Unternehmen in erster Linie, neue Ideen und Trends aufzuspüren und einen realistischen und praxisbezogenen Zugang zu wählen. (c) Kohl & Partner

Wie ist es Ihnen in den vergangenen Wochen ergangen, und mit welchem Leitsatz versuchen Sie, diese schwierige Phase zu meistern?
Persönlich habe ich die Zeit ohne Reisen und Autofahrten eigentlich sehr genossen. Es hat mir Zeit und Anlass gegeben, über die eigene Arbeit nachzudenken, aber natürlich vor allem über den Tourismus in Zeiten von Corona und nach Corona. Die Arbeit mit digitalen Medien, Videokonferenzen und die Umstellung der Lehre auf Online-Learning an der Hochschule waren durchaus spannend und haben mir persönlich einen enormen Digitalisierungsschub verpasst. Der Leitsatz „In jeder Krise steckt eine Chance“ trifft es wohl am besten.

Wie wird Corona das Reisen generell verändern? Wird es eine Entschleunigung geben?
Die Stichwörter „sicher“, „gesund“, „nachhaltig“, „hochwertig“ und „vertraut“ stehen für den Post-Corona-Tourismus. Weg vom sinnentleerten Massentourismus hin zu sinnvolleren, hochwertigen Urlaubsformen, die vertraut sind oder Vertrauen schaffen (gesund, authentisch, regional). Nachhaltigkeit erhält eine noch stärkere Bedeutung – nicht nur wegen Klimaschutz, sondern auch ein Stück weit als Abkehr von der Globalisierung. Insofern wird Entschleunigung möglicherweise eine neue Lebens- und Sichtweise. Zum Beispiel werden spontane  City-Trips weniger gefragt sein, Slow Food möglicherweise mehr.

Inwieweit müssen Hotels ihre Positionierung auf Grund der besonderen Herausforderung überdenken?
Das Abstand halten wird uns noch eine Zeit lang begleiten, daher spielen die Luxusgüter der Zukunft Raum, Natur, Umwelt und auch Ruhe nach Hans Magnus Enzensberger eine große Rolle. Angebote mit Natur, viel Platz,  auch in der Unterkunft – Appartements, Chalets, überschaubare kleinere Hotels, Urlaub am Bauernhof, Hotels mit klugem Raummanagement und vertrauenswürdiger und großzügiger Infrastruktur – werden im Vorteil sein. Naturerlebnisse bleiben wichtig und werden möglicherweise eine noch höhere Bedeutung bekommen – dazu zählt auch das Skifahren, durchaus in kleinen Skigebieten und Ski-Großräumen, aber mit gutem Mengenmanagement bei Aufstiegshilfen und Hütten. Wahrscheinlich aber eine Zeitlang ohne die Enge einer Après-Ski-Bar. Der Trend zu alternativen Winter(sport)angeboten wird einen Aufwind bekommen. Skitouren, Schneeschuhwandern, Winterwandern, Langlaufen passen perfekt in das Post-Corona-Szenario. Auf keinen Fall wird der Wettbewerb langfristig über den Preis gewonnen. Qualität wird sich durchsetzen und muss ihren Preis haben.

Werden Nahziele noch mehr in den Fokus rücken?
Für einen nachhaltig gut laufenden Tourismus braucht es Vertrauen und „Angstlosigkeit“ beim Reisen – keine Ansteckungen, über die Grenzen gefahrlos ein- und ausreisen können ohne Gefahr der Quarantäne. In der ersten Phase des wieder möglichen Reisens werden daher Nahziele (erdgebunden, mit Auto oder Zug gut erreichbar) im Vorteil sein – weil Vertrauen wichtig ist.

Was ist in der Gästekommunikation in Zeiten wie diesen besonders wichtig?
Verzicht auf zu aktive Produkt-PR und Verkaufsbotschaften. Der Fokus sollte stattdessen auf Kundenbindung und Kundeninspiration liegen. Persönliche, glaubwürdige, authentische Kommunikation mit viel Empathie ist essentiell. Wichtig: regelmäßige Kommunikation – auch und gerade in der Krise! Die Schlagwörter der Gästekommunikation: „gefahrlos“ und „sicher“, „hochwertig“ und „vertraut“, „ehrlich“ und „authentisch“.

Auf welche generellen Auflagen wird sich die Hotellerie einstellen müssen – Büfetts wird es wohl in naher Zukunft nicht geben?
Hygienestandards für Mitarbeitende und Gäste werden Basiskriterien in der Dienstleistung. Abstandsregeln werden einzuhalten sein in Restaurants, beim Check-in, im Wellness- und Spa-Bereich sowie in den Ruheräumen. Der Spagat zwischen Mitarbeitermangel und notwendigem zusätzlichen Aufwand durch geänderte Serviceformen (Zimmerservice, Tellerservice) wird eine Herausforderung. Masken und Handschuhe werden zur Normalität.

Diese Krise bietet auch neue Möglichkeit des Zusammenhalts. Sehen Sie hier auch Potenzial?
Ja, selbstverständlich. Die Interessensvertretungen, aber auch die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst sollten gemeinsam an einem Strang ziehen und sich nicht auseinanderdividieren lassen. Grundsätzlich ist so etwas wie ein Zusammenrücken spürbar – ein gemeinsamer „Gegner“ hilft dabei!

www.kohl.at