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Lifestyle | 11.05.2018

Der schönste Job der Welt

Die Beziehung zu unserer Mutter kann ganz schön turbulent sein. Warum wir uns mit ihrer Kritik schwertun und trotzdem ihren Rat brauchen, warum sie lange unser größtes Vorbild ist und wir uns in der Pubertät nicht genug entfernen können – ein Hoch auf Mama.

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Fotos: Shutterstock

Leise, barfuß und im Pyjama sind wir als Kinder am Morgen in die Küche geschlichen – unsere Mission ganz klar vor Augen: Es war Muttertag und selbstverständlich wollten wir Mama heute das Frühstück zubereiten. Mit selbst gepflückten Blumen am Tisch, einem auswendig gelernten Lied und frischem Kaffee. Die Realität sah dann doch etwas anders aus: Wir sangen furchtbar schief, die eine oder andere zerschlagene Tasse lag am Boden und der Kaffee war höchstens lauwarm und hatte Flecken auf dem sonst so blütenweißen Tischtuch hinterlassen. Mama lag währenddessen im Schlafzimmer und war, wie an jedem anderen Tag im Jahr, eigentlich schon längst vor uns wach. Dass sie sogar am Muttertag uns die Freude nicht verderben wollte, sich so lange schlafend stellte, bis wir eben mit dem Frühstück fertig waren, und danach noch die Überraschte spielte, zeigt ziemlich gut, warum eigentlich jeder Tag Muttertag sein sollte.

Unsere Nummer eins. Mit unserer Mutter gehen wir die erste große Bindung unseres Lebens ein und zugleich auch die wichtigste. Auch wenn es später kompliziert wird, vielleicht Funkstille herrscht oder man nicht immer einer Meinung ist, bleibt das unsichtbare Band bestehen. Eine Mutter kann man nicht einfach so ersetzen. Gerade für ein kleines Mädchen ist Mama die Schönste und Klügste. Sie hat auf alles eine Antwort und so wie sie, genau so, wollen wir auch mal werden, wenn wir dann groß sind. Wir laufen mit ihren Schuhen durchs Haus, probieren ihre Ohrringe an und schmieren ihren Lippenstift über unser Gesicht. Noch bevor wir uns ein Beispiel an Popstars oder Schauspielern nehmen, ist die eigene Mutter unser größtes Vorbild.

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Anti alles. In der Pubertät ändert sich dann diese Sichtweise radikal. An die Schönste und Klügste denken wir längst nicht mehr, wenn wir, häufig gegen unseren Willen, beim gemeinsamen Abendessen sitzen. Unsere Mutter arbeitet, kocht, räumt auf, liest die Zeitung und geht schlafen. War das wirklich alles? Wie langweilig ist ihr Leben eigentlich? Wenn wir dann mal erwachsen sind, wollen wir so gewiss nicht sein! „Mama, du bist peinlich“, heißt es plötzlich. Dass wir unsere eigene Mutter damit verletzen, wissen wir und doch können wir nicht anders. Denn die Entwicklung, die wir da als pubertierende Nervensäge durchlaufen, ist nicht nur ganz normal, sondern auch wichtig. Grund dafür ist die Suche nach dem eigenen Ich. Wir grenzen uns ab, um herauszufinden, wer wir eigentlich sind und, viel wichtiger, wer wir eigentlich sein wollen. Gerade, weil man mit seiner Mutter so eng verbunden ist, braucht es Abstand und Distanz, wodurch man seinen eigenen Stil, seine eigene Moral und seinen ganz eigenen Weg findet.

Rat und Tat. Liegt die Pubertät dann hinter einem, erkennt man: Mama arbeitet, kocht, räumt auf, liest die Zeitung und geht schlafen – noch immer. Doch plötzlich ist das nicht mehr langweilig, sondern bewundernswert. Denn Mama kümmert sich – um uns, um die Familie und nebenbei auch noch um den Haushalt. Dabei hat sie ständig ein offenes Ohr, und zwar egal, worum es geht. Und wir? Wir haben sie auf Kurzwahl, wenn es um die größeren und kleineren Fragen des Lebens geht. „Wie kocht man eigentlich Knödel?“ „Was kann ich gegen meine Halsschmerzen machen?“ oder auch „Warum ruft er mich einfach nicht mehr an?“ Die Band The Shirelles haben in den 1960ern in ihrem Hit „Mama said“ genau darüber gesungen, dass es Mama eben meistens besser weiß, und wir sehen es nun genauso.  


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Nähe & Distanz. Dennoch, ist die Beziehung zwischen Mutter und Kind nicht immer ganz so einfach. Gerade wenn unserer Mutter uns ungefragt  Ratschläge gibt, fällt es oft schwer diese anzunehmen. Schon eine simple Bemerkung wie „Das ist aber ein großes Stück Kuchen.“ kann uns an schlechten Tagen in Rage bringen, denn alles was wir hören, ist: „Solltest du nicht besser auf deine Figur achten?“ Für uns wird jede Anmerkung zum Vorwurf, zur Kritik an uns und an unserer Art zu leben. Wir fühlen uns von der eigenen Mutter, wie von kaum jemand anderem, sofort persönlich angegriffen – vielleicht gerade weil wir erwarten, dass unsere Mutter uns doch am besten kennen müsste. Vielleicht gerade, weil sie manchmal genau ins Schwarze trifft. Auch das Thema Distanz fällt nicht immer leicht, wenn beide Seiten erwachsen sind und ihr eigenes Leben führen möchten. Selbst wenn Mama es nur gut meint, wenn sie ungefragt in unserer Wohnung anfängt, unsere Blusen zu bügeln, für uns fühlt es sich an, als glaube sie, das mit dem eigenen Leben, das kriegen wir ohne sie nicht hin.

Selbst Mama. Was es heißt, Mama zu sein, und welche Gefühle damit verbunden sind, erfahren wir am eigenen Leib, wenn wir selbst Mutter werden. Wir lassen ihre Erziehungsmethoden Revue passieren und verstehen jetzt noch besser, warum sie sich sorgte, warum sie manchmal wütend wurde und dass sie immer nur unser Bestes möchte. Mutter zu sein, ist der stressigste aller Berufe, wir haben nie Feierabend, nie Urlaub, machen ständig Überstunden und gehen nie in Rente – und doch bleibt es der schönste Job der Welt.