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Lifestyle | 05.03.2019

Ein Abend nur für Frauen

Der Salzburger Frauensalon greift die Salontradition wieder auf und knüpft dort an, wo wesentliche Impulse für die frauenemanzipatorischen Bewegungen ausgingen. Wir haben uns mit drei der Veranstalterinnen – Brigitte Singer, Edeltraud Zlanabitnig-Leeb und 
Alexandra Schmidt – getroffen und uns über den Frauensalon und dessen Wirkkraft unterhalten.

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(c) Thomas Kirchmaier

Das Private, die Lebenswelt und Lebenserfahrungen von Frauen sichtbar und politisch relevant zu machen, war ein Anliegen der Frauensalons im 19. Jahrhundert. Im männerdominierten Zeitalter um die Jahrhundertwende waren sie die einzige Möglichkeit, am kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Frauensalons blicken auf eine lange Tradition zurück und ermöglichen noch heute einen freien Austausch von Gedanken. In Salzburg wird zweimal jährlich ein brisantes Thema in den Mittelpunkt gestellt und der Diskurs eröffnet: Das Leben von Frauen, ihre Taten, Vorhaben und Ansichten sollen sichtbar werden, um aus ihnen Kraft für Veränderungen zu schöpfen.

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(c) Thomas Kirchmaier

look! Salzburg: Beim letzten Salzburger Frauensalon wurde das Thema „Aufschrei!“ gewählt. Diskutiert wurde an diesem Abend über Möglichkeiten, die Frauen durch Blogs und neue Protestformen haben, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Wie kann man sich nun so einen Salonabend vorstellen? Was können sich die Teilnehmerinnen erwarten?

Brigitte Singer: Der Ablauf ist vom Setting her immer gleich: Wir begrüßen die Frauen mit Sekt, geben ihnen die Möglichkeit, in Ruhe anzukommen, sich zu anderen Frauen zu setzen.
Alexandra Schmidt: Wir laden immer zwei Expertinnen ein, die das jeweilige Thema von unterschiedlichen Seiten beleuchten. Das ist sehr spannend. Das Gespräch dauert in etwa eine Stunde, danach gibt es Gesprächsrunden – das heißt, das Publikum hat die Möglichkeit, Fragen zu stellen, ihre Meinung zu dem Thema oder einen anderen Aspekt einzubringen. Unser Anliegen ist es, Frauen zu stärken. Eine Bühne zu bieten, um Themen sichtbar zu machen und zur Sprache zu bringen.
Edeltraud Zlanabitnig-Leeb: Ein wesentlicher Bestandteil des Frauensalons ist auch, dass sich Frauen untereinander vernetzen, miteinander ins Gespräch kommen. Deswegen gibt es auch keine Sitzordnung, wie sie normalerweise in Vorträgen üblich ist. Frauen kommen mit Freundinnen oder alleine. Wir als Moderatorinnen sorgen auch dafür, dass wir die Teilnehmerinnen ansprechen und miteinander ins Gespräch bringen.
Brigitte Singer: Eine Funktion hat auch das Gästebuch. Am Ende des Frauensalons laden wir die Teilnehmerinnen ein ihre Eindrücke, Rückmeldungen und Ideen für Themen darin nieder zu schreiben. Das erste Buch mit 30 Salons ist jetzt voll!

Nach welchen Kriterien werden die Themen ausgewählt?
Alexandra Schmidt: Wir orientieren uns an den Anregungen und Themenwünschen der Teilnehmerinnen. Aber auch aktuelle Themen werden miteinbezogen. Am Anfang hatten wir einen Pool mit Themen angelegt, die in Beziehung mit Frauen standen. Außerdem thematisieren wir den Frauenaspekt in männlichen Themen, wie beispielsweise: „Verliebt ins Atom – wenn Physik zur Leidenschaft wird“. Einstein hat seine Hose sicher nicht selbst gewaschen. Die vielen Rechenoperationen nicht alle selbst gemacht. Den Algorithmus der Bernoulli-Zahlen hat eine Frau erstellt und berechnet! Es soll damit aufgezeigt werden, wo bei männlichen Geschichten der Frauenanteil steckt. Einfach auch, um deutlich zu machen, dass der Erfolg nicht alleine bei den Männern wächst.
Edeltraud Zlanabitnig-Leeb: Um ein paar vergangene Themen zu nennen – wir hatten beispielsweise „Erotische Literatur im Salon“, „Göttinnen altern nicht“, „Frauenfreundschaften“, „Freud auf der Couch“, „Mütter und Töchter“, „Die neue Freiheit? Körper und Kommerz“, „Was zieht mich an? Kleider mit Visionen“ und viele mehr. Beim ersten Frauensalon im Jahr 2002 haben wir uns selber zum Thema gemacht – „Die Geschichte des Frauensalons“.
Brigitte Singer: Man sieht, die Themen sind vielseitig und spannend, sie gehen uns nicht aus.

Warum wurde im Jahr 2002 der Frauensalon in Salzburg gegründet?
 Brigitte Singer: Der Grundgedanke war, dass wir Frauen zu wenige tragfähige Netzwerke haben. Das Ziel vom Frauensalon ist, sich gegenseitig zu fördern, sich weiterzubringen. Provokante und kuriose Themen in einen Raum zu bringen, indem nur Frauen eingeladen sind. Es ist toll, ein ursprünglich privates Format öffentlich anbieten zu können. Der Frauensalon ist keine Gruppierung einer bestimmten Zielgruppe. Wir haben verschiedene Berufsgruppen, viele unterschiedliche Frauen. Im Prinzip soll das jeweilige Thema so sein, dass sich alle Frauen angesprochen fühlen. Das hat sich bis jetzt ganz gut bewährt.
Edeltraud Zlanabitnig-Leeb: Es hat vorher schon ein katholisches Frauenforum gegeben, wo Tagungen, Informationsabende, Seminare für die Zielgruppe Frauen angeboten wurden. Es war also schon ein Netzwerk da. Wir haben uns überlegt, was Frauen darüber hinaus brauchen. Als neues Format, wo Frauen miteinander in ein Gespräch mit Tiefgang kommen. Wir in Salzburg waren der erste öffentliche Frauensalon und haben unser Konzept an Kolleginnen aus anderen Bundesländern weitergegeben. Mittlerweile gibt es zwei Frauensalons in Tirol, einen in Linz, St. Pölten und Vorarlberg. Es ist schön zu sehen, dass wir untereinander keine Konkurrenz 
haben. Wir Frauen kooperieren miteinander, tauschen uns aus, vernetzen uns.

Wie seht ihr die Entwicklung des ersten Frauensalons bis heute? Gibt es etwas, das sich verändert hat?
 Brigitte Singer: Inhaltlich hat es sich insofern verändert, dass wir die Moderation viel genauer vorbereiten, als wir das noch zu den Anfängen gemacht haben. Zu Beginn haben wir die Moderation abgegeben, nun machen wir das großteils selber. Früher haben wir jene Themen abgehandelt, die uns spannend vorgekommen sind. Heute sind es viel mehr aktuellere Themen.
Alexandra Schmidt: Am Anfang haben wir uns gedacht, dass wir jedes Mal die Location wechseln. Wir haben aber gemerkt, dass wir uns in St. Virgil sehr wohlfühlen und hier bleiben möchten. Der Frauensalon hat sich richtig gut eingebürgert, wir sehen soweit keinen großen Änderungsbedarf. Wir bleiben auch bei zwei Expertinnen und nicht mehreren, denn es soll keine Berieselung durch die Vortragenden sein, sondern ein aktives Gespräch. Es soll ein Boden für Austausch geschaffen werden.

Wie sieht das Publikum aus, wer kommt zum Frauensalon? Brigitte Singer: Eine coole bunte Mischung verschiedenster Frauen jeden Alters und interessanter Back-grounds. Das zeigt uns, dass die Themen eine gute Bandbreite haben.
Edeltraud Zlanabitnig-Leeb: Es ist schön zu sehen, dass Frauen aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammenkommen, von Studierenden bis zu Pensionistinnen, es ist ein breites Frauenspektrum.
Alexandra Schmidt: Wir haben auch ein treues Stammpublikum. Frauen kommen mit Freundinnen, Mütter mit Töchtern oder Frauengruppen, die einen Ausflug machen und diesen am Abend dann mit dem Frauensalon verbinden.

Welche Rückmeldungen bekommt ihr von Frauen, die zu einem Frauensalon kommen?
 Alexandra Schmidt: Es ist so, dass nach der Veranstaltung Frauen die Möglichkeit haben, miteinander ins Gespräch zu kommen und Expertinnen befragt werden können. Beim Thema „Was zieht mich an?“ haben sich einzelne Unternehmerinnen untereinander vernetzt. Das ist wirklich toll!
Edeltraud Zlanabitnig-Leeb: Die Wirkkraft eines Frauensalons ist enorm. Es wird auch Mut gemacht, sich zu verändern. Durch die Sensibilisierung von Themen können Frauen gestärkt herausgehen.

Was sind eure Wünsche für den Frauensalon?Brigitte Singer: Ich wünsche mir, dass unser feministischer Background dazu beiträgt, dass das, worüber wir sprechen, so präsentiert werden kann, dass Frauen merken, wie sehr das Thema uns alle betrifft. Ich hoffe auch, dass wir im Team weiterhin so gut kooperieren wie bisher. Wir sind ein eingespieltes Team, das beispielgebend sein soll. Wir arbeiten jenseits von Konkurrenz miteinander. Ich denke, die Teilnehmerinnen merken und spüren, dass wir das, was wir machen, sehr gerne tun.
Alexandra Schmidt: Ich wünsche mir, dass es diese lebendige Frauentradition noch lange weiter gibt wie bisher. Diese Vielseitigkeit ist unsere 
Stärke.
Edeltraud Zlanabitnig-Leeb: Es wäre wünschenswert, wenn wir weiterhin interessante Themen haben und diese Leichtigkeit bleibt. Der Alltag ist oft schwer genug. Die Schwierigkeit des Themas soll mit Leichtigkeit behandelt werden und nicht mit Schwermut und Jammern. Ich wünsche mir, dass der Frauensalon etwas bewirkt und Mut macht!

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(c) Thomas Kirchmaier