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Lifestyle | 15.09.2020

Ein Partner für alle Fälle

Der gemeinnützige Verein Partner-Hunde Österreich stellt für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen speziell ausgebildete Hunde zur Verfügung. Elisabeth Färbinger ist die Gründerin und der „Motor“ des Vereins. Wir haben die leidenschaftliche Tierliebhaberin in Nussdorf besucht und uns über ihre spannende und vielseitige Arbeit unterhalten.

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(c) Partnerhunde Österreich

In einem über 400 Jahre alten erzbischöflichen Gebäude, in Nussdorf im Flachgau, findet man die größte Assistenzhundeschule Österreichs, die im Jahr 1990 von Elisabeth Färbinger gegründet wurde. Die Salzburgerin absolvierte eine Ausbildung zum „Service Dog Instructor“ in Bonnie Bergin’s Assistance Dog Institute in San Francisco, USA. Von dort brachte sie diese in Österreich damals noch unbekannte Idee mit nach Hause und verhilft seither mit ihrem Konzept Menschen mit individuellen Bedürfnissen zu mehr Lebensfreude und Selbstständigkeit.


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(c) Partnerhunde Österreich

Unser look! Salzburg: Frau Färbinger, Ihr Verein Partner-Hunde Österreich feiert heuer bereits ihr 30-jähriges Bestehen. Was waren damals Ihre Beweggründe, den Verein ins Leben zu rufen?
Elisabeth Färbinger: Ich wollte immer einen Beruf, indem ich im positiven Sinne mit Tieren zusammenarbeiten kann. Der Beruf des Tierarztes kam für mich damals nicht infrage, da ich aus emotionaler Sicht gedacht habe, dass mich Tiere deswegen vielleicht mit Angst verbinden würden. Durch Zufall habe ich dann das Training von Hunden für Menschen mit Behinderung kennengelernt und nach meiner Ausbildung in den USA den heutigen Verein gegründet. Unsere Ausbildung ist zertifiziert nach den hohen Richtlinien der Assistance-Dogs International. Wir sind übrigens die einzige vierfach akkreditierte Assistenzhundeschule in ganz Europa.



Welche Hunde eignen sich als Assistenzhunde und für welche Bedürfnisse werden sie ausgebildet? 
 Grundsätzlich gibt es keine spezielle Rasse, man könnte theoretisch jeden Hund ausbilden. Aber es ist beispielsweise nicht sinnvoll, einen Dackel als Assistenzhund auszubilden. Der Hund sollte schon eine gewisse Größe haben und vom Charakter her zu der Person passen, die den Hund als Begleiter im Alltag benötigt. Meist sind es Mischungen aus verschiedenen Retrievern, die wir ausbilden. Diese vereinen die notwendigen Charakterzüge eines Assistenzhundes. Ihre Eigenschaften sind freundlich, haben wenig Jagd-trieb, sie sind flexibel und weniger temperamentvoll. Unsere Assistenzhunde werden für Menschen ausgebildet, die im Rollstuhl sitzen oder Gehprobleme haben, Menschen mit Gehörproblemen, Menschen mit Diabetes, Epilepsie, Entwicklungsverzögerungen oder für Kinder mit Autismus.


Wie bilden Sie die Hunde aus, bis sie vermittelt werden?

Die meisten Hunde züchten wir selbst. Bereits ab der dritten Lebenswoche erhalten die jungen Vierbeiner unser Welpen-Frühförderungs-Programm. Wenn die Welpen etwa zehn Wochen alt sind, kommen sie in eine Gastfamilie. Dort lernt der Hund den ganz normalen Alltag kennen. Einmal wöchentlich treffen wir uns mit der Gastfamilie und dem Hund zum gemeinsamen Üben, um etwas Struktur hineinzubringen, und nach zehn Monaten kommt er wieder zu uns und wir bilden ihn – sofern er sich auch dazu eignet und gesund ist – als Assistenzhund aus. Die Spezialausbildung dauert im Schnitt vier bis sechs Monate, je nachdem, was der Hund lernen soll, wie talentiert der Hund ist und welche Charaktereigenschaften er hat.


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(c) Partnerhunde Österreich

Wie bekommt man einen Partner-Hund, der zu den Bedürfnissen der jeweiligen Person passt?

Die Bewerberinnen und Bewerber kommen zum Kennenlerngespräch an unseren Hof. Wir ermitteln gemeinsam, was der Hund können muss, um dem Menschen zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen und bilden gezielt darauf seinen zukünftigen Partner-Hund aus. Durch ein Netzwerk an Sponsoren unterstützen wir auch bei der Finanzierung. Damit ein Assistenzhund seine Privilegien nutzen darf, muss er und sein Herrchen beziehungsweise Frauchen überprüft werden. Die Bewerberinnen und Bewerber kommen dafür zum Team-Training zu uns und werden intensiv auf die Prüfung vorbereitet, welche direkt am Hundehof stattfindet. Auch danach werden die entstandenen Partner-Teams regelmäßig durch uns betreut und jährlich überprüft.



In welchen Situationen helfen die Assistenzhunde konkret?

Das hängt natürlich von den jeweiligen Bedürfnissen der einzelnen Menschen ab. Beispielsweise erlernt ein Hund das Aufheben von Gegenständen, das Öffnen und Schließen von Türen, Knöpfe drücken, als Hilferuf bellen, das Bringen eines Handtuchs beim Duschen sowie das Jacke-ausziehen-Helfen. Neben den üblichen Aufgaben erlernte ein anderer Hund für eine Person im Rollstuhl auch, die Waschmaschine auszuräumen, die Wäsche in den Korb zu legen, das läutende Handy zu bringen oder das stumme Handy zu finden.
Durch die enge Beziehung kann ein Hund auch dazu beitragen, das eigene Wohlgefühl zu steigern, wenn Außensituationen zu hektisch, zu laut und unübersichtlich werden.

Wie finanziert sich der Verein?

Durch unsere Arbeit und natürlich durch die jahrelangen Bemühungen und intensive Zusammenarbeit 
mit Service-Clubs, Stiftungen und Firmen konnten wir ein österreichweites Netzwerk an großzügigen Sponsoren aufbauen. Immer wieder finden sich auch Privatpersonen, die durch kreative Aktionen und persönliches Engagement die Finanzierung eines Hundes ermöglichen. Dafür sind wir sehr dankbar.



Was wünschen Sie sich für den Verein?

Ich wünsche mir, weiterhin gesunde Hunde züchten zu 
können, die den Menschen im Alltag in unterschiedlichen Situationen unterstützen, um so mehr Lebensfreude und Selbstständigkeit ins Leben zu bringen.Von den Hunden können wir übrigens so vieles lernen: Sie leben im Moment und hängen nicht wie wir dem Vergangenen nach – und genau das versuche ich, mir oft von den Tieren abzuschauen.