Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 19.02.2015

Liebe auf den ersten Blick

Den Traum vom eigenen Hof träumten Sonja und Martin Stuchtey schon sehr lange. Seit 2011 sind sie stolze Besitzer des historischen Kollreider Hofes in Anras in Osttirol, den sie liebevoll renovierten. Dafür gab es 2014 den Tiroler Sanierungspreis.

Bild Kollreid3
Sonja und Martin Stuchtey ließen den Kollreider Hof mit viel Gespür renovieren.

Der Kollreider Hof in Anras stellt ein hervorragendes Beispiel für den Umgang und die Sanierung eines Gebäudes unter Denkmal- und Ensembleschutz dar. Der Einsatz ökologischer Materialien an der Gebäudehülle sowie im Innenraum und der Einbau einer Hackschnitzelheizung fügen sich schlüssig in die ökologische Bewirtschaftung des Hofes“, betonte die Jury. Sonja und Martin Stuchtey aus München verwendeten Materialien wie Hanf und Isoflock zur Dämmung, Lehmfarbe im Innenbereich, Behandlung der Holzböden mit Öl und Wachs ohne Zusatzstoffe – auch gibt es eine Regenwasser-zisterne. „Der Gemeinnutzen der Sanierung ist extrem groß“, lobte die Jury.

Sinnvoller Umgang mit Ressourcen
„Tradition ist nicht das Bewahren der Asche. In Kollreid feiern wir das Leben, die Vielfalt und die Schätze der Erde. Schon lange beschäftigen wir uns mit dem Thema, wie man mit Ressourcen sinnvoll umgehen kann“, so Martin Stuchtey (46), der beruflich in der strategischen Unternehmensberatung tätig ist – mit Fokus auf Industrie und Naturverträglichkeit. Seine 43-jährige Ehefrau, eine studierte Kauffrau, baute das Unternehmen „Science Lab“ mit auf, bei dem Erwachsene und Kinder naturwissenschaftliche Zusammenhänge erforschen können. Auch ist die sechsfache Mutter Autorin von Büchern und Drehbüchern für Bildungsfilme. Die Stuchteys banden von Anfang an ihre sechs Kinder Fidelis, Pius, Laetitia, Clara, Justus und Zita (2 bis 16 Jahre) stark in ihren Traum, den 30 Hektar großen „Kollreider Hof“, ein. „Die Kinder lieben den Hof über alles. Unser viertes Kind, Clara, schrieb sogar ein Büchl über die Sanierungsarbeiten und das Leben am Hof. Für uns war der Hof sowieso Liebe auf den ersten Blick“, sind die Eltern begeistert, die vor der Sanierung ausgiebige Forschung mit den Lanz + Mutschlechner Architekten in die Vergangenheit des Hofes betrieben.

Alte Kornkammer
„Der Kellerraum am Nordwesteck, ein Gewölbe aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, ist der älteste Teil des Gebäudes, eine einstige Getreidekammer, auf der eine Speckkammer aufgesetzt war – unser heutiges Badezimmer mit Holzbadewanne.“ Die Familie entdeckte aber noch viele andere Geheimnisse des Hauses. „Als wir an den Küchenwänden die Isolierung wegnahmen, kamen Fliesen zum Vorschein, und hinter den Fliesen war die Wand gelb verputzt mit einem schönen Druck. Das Muster übertrugen wir dann auf unsere Küchenfliesen“, erklärt Sonja Stuchtey, die mit ihrem Mann sehr bedacht darauf war, altes Material im und rund um das Haus wieder einzubauen. „So fanden wir hinter einem riesigen Holzstapel, den wir vorerst einmal ab-arbeiteten, wunderbare Fliesen, die aus einer Kirche stammen könnten. Wir
haben sie dann gemeinsam mühevollst gereinigt und verwendeten sie dann kurzerhand für unseren Eingangsbereich.“

Getreide aus dem Jahre 1942
„Besonders spannend war auch, dass wir in einer Zwischendecke drei Doppelzentner Getreide aus dem Jahre 1942 fanden. Die Hausbewohner hatten sie einst versteckt, als sie Ernte für die Kriegsfront abzugeben hatten. Dort lag auch eine Zeitung aus diesem Jahr.“ Die Familie übergab das alte wertvolle Saatgut der Wissenschaft, damit es erhalten bleibt. Aber bei Sohn Pius gingen die Samen am besten auf, als er sie einfach vor dem Haus aussäte. „Jetzt haben wir wieder eine Handvoll von dem Samen“, freut sich Sonja Stuchtey, die gemeinsam mit einem Tapezierer Pölstermöbel mit schadstofflosen Stoffen gestaltete. Einen Teil der schönen Möbel im Haus – etwa die großen schweren Eichentruhen – fanden die Eheleute einfach auf dem Dachboden und ließen sie mit viel Sorgfalt restaurieren. Um mehr Licht in das Haus zu bekommen, wurde auf der Nordseite ein großes Fenster eingebaut; gleichsam baute man Zwischendecken ab, um das Haus von unten bis nach oben offen zu gestalten. Das alte Holz wurde als Bodenbelag weiterverwendet. Auch das alte Dachgebälk wurde im Zuge der Öffnung sichtbar. „Die alten kleinen Fenster ersetzen wir durch Kastenfenster. Sie sind jetzt die Türen unserer Küchenkastln.“
So konnte vielen alten Gegenständen eine neue Bestimmung gegeben werden.

 

Text: Martina Holzer

Bild Kollreid4
 
Bild Kollreid6
 
Bild Kollreid8
 
Bild Kollreid10
 
Bild Kollreid11