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Lifestyle | 11.02.2020

Mehr Komplimente, bitte!

Am 14. Februar ist Valentinstag. Wie wäre es, diesen Tag zum Anlass zu nehmen, um einem anderen Menschen wieder einmal ein Kompliment zu machen? Warum es sich an jedem einzelnen Tag lohnt, seinen Mitmenschen zu sagen, was man an ihnen mag, darüber haben wir mit Dr. Elisabeth Oedl-Kletter gesprochen. Die Salzburger Psychotherapeutin weiht uns in die geheimnisvolle Kraft der Komplimente ein.

Bild Dr. Oedl-1388.jpg (1)
(c) Thomas Kirchmaier

Mit einem aufrichtigen Kompliment kann man anderen Menschen und sich selbst eine große Freude machen. Egal, ob Partnerin oder Partner, Familienangehörige oder das Kollegium – wohl jeder freut sich über schöne Worte, die ehrlich gemeint sind. Komplimente machen attraktiv, sind gesund und wirken wie ein Liebeselixier – und das nicht nur am Valentinstag.

Unser look! Salzburg: Was ist überhaupt ein Kompliment? Wo liegt der Unterschied zur Schmeichelei?
Dr. Elisabeth Oedl-Kletter: Ein Kompliment ist der Ausdruck des Wohlwollens und der ehrlichen Anerkennung einer Eigenschaft eines Menschen. Man möchte den anderen freundlich stimmen, ihm eine Freude machen. Bei der Schmeichelei steht der Zweck im Vordergrund. Man möchte mit schönen Worten ein bestimmtes Ziel erreichen. Im Normalfall durchschauen Menschen aber intuitiv ganz gut, ob es sich um ein ernst gemeintes Kompliment, einen Ausdruck der Begeisterung, handelt oder um einen plumpen Trick. Echte Worte berühren.

Echte Komplimente sind also der Schlüssel zum Herzen der anderen?
Ja, genau. Und nicht nur zu dem der anderen, sondern auch zum eigenen. Das genaue Hinsehen, was mich an einem Menschen so begeistert, was mir Freude macht, also die Achtsamkeit und auch die Dankbarkeit, öffnet das eigene Herz. Wenn es gelingt, in Kontakt zu seinen eigenen Gefühlen zu kommen, fällt es leicht, ein Kompliment zu machen, das ehrlich ist und das Herz des Gegenübers öffnen kann.

Trotzdem fällt es vielen Menschen gar nicht so leicht, Komplimente zu machen. Woran liegt das?
Wenn Menschen sich schwertun, ein Kompliment zu machen, liegt das zumeist an negativen Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens gemacht haben. Das kann jegliche Form der Abweisung auf einen Annäherungsversuch sein. Aus Angst, wieder abgelehnt zu werden, verzichtet man lieber auf ein Kompliment. Das passiert meist unbewusst und hat mit früheren Prägungen zu tun. Ein anderer Grund kann sein, dass man Angst hat, sich lächerlich zu machen, beschämt zu werden. Wer seine Begeisterung offen zeigt, macht sich zu einem gewissen Grad ja auch angreifbar, kritisierbar und damit verletzbar. Da verschanzt man sich dann lieber hinter dem Schutzmantel der Coolness. Doch ganz ehrlich: Cool ist nicht attraktiv. Nur wer ehrliche Begeisterung und emotionale Reaktionen zeigen kann, wird für den anderen attraktiv.

Kann man lernen, Komplimente zu machen?
Ja, natürlich – und zwar ganz einfach, nämlich durch Üben. Oftmaliges Ausprobieren ermöglicht die Erfahrung: „Das ist ja gar nicht so schlimm, das fällt mir gar nicht so schwer, im Gegenteil. Es erfüllt mich und den anderen mit Freude.“ Das korrigiert alte negative Erfahrungen. Am besten übt es sich übrigens in einem „gefahrlosen“ Umfeld, also bei Menschen, die einem nicht extrem nahestehen. Somit geht man kein Risiko ein, eine wichtige Beziehung zu gefährden. Vielleicht mögen die ersten Schritte und Komplimente noch etwas steif daherkommen, aber auch hier gilt: Übung macht den Meister! Bald schon werden Sie merken, wie Sie routinierter, souveräner und vor allem authentischer werden.

Da bekommt man ein Kompliment, freut sich insgeheim darüber, kann es aber nicht wirklich annehmen. Warum ist das so und wie könnte es gelingen?
Auch hier spielen frühere Erfahrungen und daraus entwickelte Ängste eine wesentliche Rolle. Das kann Angst vor Neid oder Angst vor Abhängigkeit sein. Mit der Ablehnung eines Kompliments zeige ich dem anderen: „Ich brauche nichts, ich bin unabhängig.“ Man will sich nicht bedürftig zeigen. Dabei ist das Bedürfnis nach Anerkennung eines unserer menschlichen Grundbedürfnisse. Es ist wie ein Lebensmittel, wir brauchen Anerkennung genauso wie Luft und Essen. Wir brauchen uns also nicht zu genieren, uns Wertschätzung zu wünschen. Und ist es nicht schön, zu erfahren, was einen für andere Menschen so wertvoll und besonders macht? Ein ehrliches „Danke!“, „Schön, dass dir das auffällt.“, „Das freut mich!“ genügt schon, um das Geschenk, das ein Kompliment ja letztlich ist, anzunehmen. Auch hier gilt: üben, üben, üben!

Gibt es ein Zuviel an Komplimenten?
Nein. Komplimente sind gesund, machen attraktiv und können das Miteinander wesentlich verbessern. Es gibt keine Überdosierung an Anerkennung. Regulativ ist die Ehrlichkeit. Ehrliche Begeisterung kann nicht überdosiert sein.