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Lifestyle | 29.07.2019

Naturgenuss mit gutem Gewissen

Mit Renate Steinacher und ihrem Team wandert der Müll vom Berg ins Tal. Durch die Gründung des Vereins #estutnichtweh möchte die 39-jährige Salzburgerin mehr Menschen zu einem respektvollen Umgang mit der Natur motivieren und einen Anstoß geben, nicht nur den eigenen Müll, sondern auch den der anderen zu entsorgen.

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(c) #estutnichtweh

Offizieller Start der Bewegung war Ende Mai 2019. Wir waren bei der ersten Müllsammelaktion am Kapuzinerberg dabei, sammelten Zigarettenstummel und Glasscherben und erfuhren mehr über die Hintergründe der Initiative. Dabei machten wir eine sehr wertvolle Erfahrung: Es tut tatsächlich nicht weh, sich am Weg mal kurz zu bücken und Coladosen und Co einzusammeln.Von der Alpenüberquerung zur Vereinsgründung. Während ihrer vielzähligen Alpenüberquerungen, die sie als Bergwanderführerin gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Christoph Werntgen seit fünf Jahren anbietet, genoss Renate Steinacher nicht nur die wunderbare Landschaft und die inspirierenden Gespräche mit den anderen Wanderern. Nein, wie selbstverständlich und nebenbei sammelte sie alles auf, was nicht in die Landschaft gehörte. Leere Getränkedosen, manchmal schon verrostet, Plastiktüten und Zigarettenstummel, die ihr ins Auge fielen. Als eines Abends auf einer Hütte beim gemütlichen Beisammensein einer der Teilnehmer sie fragte, „Warum tust du das? Den Müll der anderen einsammeln?“, antwortete sie nach einiger Überlegung achselzuckend: „Weil es nicht wehtut.“ 

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(c) #estutnichtweh

Dieses Gespräch ging der Salzburgerin nicht mehr aus dem Kopf. Aus einem ersten Impuls entwickelte sie eine Idee, in späterer Folge dann ihre Mission. „Ich möchte die Welt mit meiner Müllsammelaktion ein kleines Bisschen besser machen.“ Und dabei meint sie nicht nur den achtsamen Umgang mit der Natur, der Umwelt, sondern auch untereinander. „Ich bin mir sicher, dass kleine Schritte Großes bewirken können“, sagt Renate strahlend. Und so wie ihr Strahlen ansteckend wirkt, hat sie auch viele Freunde und Bekannte mit ihrer Idee infiziert. Innerhalb kürzester Zeit wuchs ihre Idee zu einem richtigen Projekt heran, neue Teammitglieder kamen laufend hinzu, und sogar Sponsoren waren im Nu von der Idee begeistert und mit an Bord. Im Dezember letzten Jahres gründete sie dann offiziell den gemeinnützigen Verein „#estutnichtweh“. Der Verein soll Menschen zusammenbringen, denen eine saubere Natur und müllfreie Berge am Herzen liegen, und beliefert sie mit Informationen, Tipps und Tools rund ums Thema Umweltschutz.Saubere Berge statt Müllberge. Hauptzweck des gemeinnützigen Vereins ist es, die Natur und die Berge sauber zu halten. Die Philosophie von #estutnichtweh ist so einfach wie effektiv: Wer am Weg über Müll stolpert, hebt ihn auf und nimmt ihn mit: am Berg, im Tal, am Fluss und in der Stadt. „Weil es nicht weh tut, und wenn jeder unterwegs einen kleinen Beitrag leistet, macht das in der Summe einen riesigen Unterschied für die Umwelt“, ist sich Steinacher sicher.Probieren statt Naserümpfen. Die meisten Menschen reagieren auf den Appell, den Müll der anderen zu beseitigen, im ersten Impuls meist etwas irritiert. So selbstverständlich es ist, den eigenen Müll zu entsorgen, so ungewöhnlich, manchmal ja auch ekelerregend ist der Gedanke, die Zigarettenstummel fremder Menschen zu beseitigen. Hat man es allerdings erst mal selbst probiert, kommt man augenblicklich zum Schluss: Es tut tatsächlich nicht weh. Ausgestattet mit professionellen Sammeltaschen, den „Drecksackerln“, und einer Zange aus Buchenholz muss man den Müll nicht mit den Fingern anfassen. „Manche entwickeln sogar eine Sammelleidenschaft wie beim Schwammerlsuchen“ sagt Steinacher lachend. Fun first. „Müllsammelaktionen sind zwar gut und sinnvoll, aber mir geht es bei der Tätigkeit vor allem um das Einsammeln nebenbei. Der Spaß und die Freude am Wandern, an der Bewegung in der Natur sollten dabei noch immer im Vordergrund stehen“, sagt Anna Neumann. Die 29-Jährige ist Mitglied des Teams um Renate Steinacher und hat als Industriedesignerin das „Drecksackerl“ konzipiert und umgesetzt. Der Designerin lag dabei nicht nur die Funktionalität am Herzen, „das Ding sollte auch cool aussehen“. Sechs Jahre lang war sie bei der großen Designagentur Kiska für das Kreieren der Funktions- und Freizeitbekleidung zuständig. Mit großer Leidenschaft brachte sie ihr Wissen ehrenamtlich in die Initiative ein. Bestens ausgerüstet. Als aktive Outdoorsportler und Naturliebhaber wissen die Ehrenamtlichen hinter der Bewegung #estutnichtweh: Am Berg ist man besser mit der richtigen Ausrüstung unterwegs. Daher stellt der Verein seinen Mitgliedern ein Starter-Kit an hilfreichen Tools zur Seite. „Ohne diese drei sind wir nie auf Tour“, beteuert Renate Steinacher. Allen voran das wichtigste Tool: das sogenannte „Drecksackerl“. „Es ist ein Müllschlucker, es möchte gefüttert werden mit Aludosen, Plastikflaschen oder was auch immer am Weg weggeworfen wurde.“ Aus Stoffresten in der EU produziert, ist jedes Sackerl ein Unikat. Mit dem „Mistzangerl“ bleiben die Hände immer schön sauber, egal welchen Müll man damit aufhebt. Es ist aus Buchenholz und nachhaltig in Deutschland hergestellt. Und zu guter Letzt ein Segen für alle umweltbewussten Raucher: das „Tschickdoserl“. Hinter dem liebevollen Namen verbirgt sich ein mobiler Aschenbecher, der Zigarettenstummel aufbewahrt. Es ist verschließbar, feuerfest und somit unverzichtbar für die Gipfelzigarette.Weil Gutes tun ansteckt. Trifft man beim Müllsammeln auf den Bergen oder beim Spaziergehen durch den Wald, entlang der Salzach – wo auch immer – auf Menschen, reagieren diese sehr interessiert und positiv. „Wunderbare Idee!“ und „Das macht Sinn!“ sind die Reaktionen, die zu hören sind. Diese Resonanz lässt hoffen, dass sich Steinachers Idee rasch verbreitet und das Müllsammeln zu einer Selbstverständlichkeit wird. „Es sollte dazu gehören, wie das Glas Wasser zum Kaffee“, sagt Christina Leitner. Sie ist Inhaberin einer Handelsagentur für Werbemittel und hat die Tschickdoserl und die Mistzangen produziert.