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Lifestyle | 08.11.2018

No more Bullshit!

„Frauen sind schwach, Männer sind stark“, „Frauen wollen doch gar nicht in Führungspositionen“ oder „Sei doch nicht so sensibel“ – wenn es Ihnen angesichts solcher Sprüche die Sprache verschlägt, sei Ihnen das Buch „No More Bullshit“ des Netzwerkes Sorority ans Herz gelegt.

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(c) Thomas Kirchmaier

In ihrem Buch räumen die Mitglieder des Frauennetzwerkes Sorority endgültig mit diskriminierenden Geschlechterklischees und tradierten Vorurteilen auf. Die 22 Autorinnen und Autoren, wie Stefanie Sarg-
nagel, Lady Bitch Ray, Cesy Leonard und viele andere, laden mit ihren streitbaren, hellsichtigen und auch humorvollen Beiträgen ein, Stammtisch-Killerphrasen Paroli zu bieten und ihnen Fakten entgegenzusetzen. Wir trafen zwei der Autorinnen, Laura Wiesböck und Sandra Nigischer, zum Talk über sexistische Stammtischweisheiten und wie man darauf am besten reagiert.



look! Salzburg: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Handbuch herauszugeben?
Sandra Nigischer: Vor einem Jahr haben wir mit dem Verein Sorority, den wir 2014 gegründet hatten, die neue Veranstaltungsreihe „No More Bull-shit“ ins Leben gerufen. Mit dem Eventreigen wollen wir sexistischen Stammtischparolen den Wind aus den Segeln nehmen – und zwar mit faktenreichen Talks bis hin zu Workshops zur Frage „Wie reagiere ich am besten auf sexistische Stammtischphrasen?“. Als uns der Verlag angeboten hat, ein Handbuch mit einer Sammlung von unterschiedlichsten Beiträgen rund um das Thema Diskriminierung und Gleichstellung zu verfassen, haben wir sofort zugesagt.

Welcher Spruch nervt Sie persönlich am meisten und wie reagieren Sie darauf?
Laura Wiesböck: Ich persönlich finde die Aussage „Wir haben keine Frau fürs Podium gefunden“ inakzeptabel. Weil es sehr viele Frauen im wissenschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen oder medialen Bereich gibt, die noch keine Präsenz haben, jedoch über eine sehr große Expertise in ihrem Fach verfügen. Mich ärgert es besonders, wenn ich im Fernsehen eine rein männlich besetzte Diskussionsrunde sehe, die zum Teil auch feministische Themen behandeln. Das ist in keiner Weise repräsentativ. Ich habe diesen Spruch schon oft gehört und finde ihn sowohl privat als auch beruflich untragbar.

Worauf führen Sie das zurück?
Laura Wiesböck: Das ist auf viele Faktoren zurückzuführen. Vor allem darauf, dass die Personen in leitenden, strukturierenden und entscheidenden Positionen überwiegend Männer sind. Obwohl es eine höhere Arbeitsmarktpartizipation von Frauen gibt – die obersten Etagen sind noch immer männlich besetzt. Es gibt stärkere Männerbünde, Männernetzwerke und deshalb gibt es auch Sorority, um dem etwas entgegen­zusetzen.

Sandra Nigischer: Veranstalter greifen außerdem gerne auf das „Bewährte“ zurück. Das geht schnell und manche haben Angst vor einer „Wild Card“, also davor, jemanden Neuen, eher Unbekannten zu Talkrunden einzuladen, eine Person, die auf Podien anfangs vielleicht noch mit Nervosität kämpft. So hören wir aber permanent nur dieselben Botschaften derselben Sprecher. Ich denke, von neuen, spannenden Blickwinkeln können wir alle profitieren – also auch von fleißigeren, mutigeren Veranstaltern.

Und Sie, Frau Nigischer, welchen Spruch halten Sie nicht mehr aus?
Sandra Nigischer: Wenn Leute meinen: „Wir sind doch schon längst gleichberechtigt“. Denn das stimmt einfach nicht. Schön, wenn manche Personen keine Nachteile empfinden. Es ist allerdings ein Faktum, dass Frauen weniger verdienen, unter anderem, weil sie traditionell den Großteil an unbezahlter Arbeit im familiären Umfeld stemmen, viel eher dem Risiko der Altersarmut ausgesetzt sind und häufig noch immer ein Leben in finanzieller Abhängigkeit von einem Partner führen müssen.

Lohnt es sich überhaupt, auf „blöde“ Sprüche einzugehen? Energie dafür zu verwenden?
Sandra Nigischer: Unsere Autorin Melinda Tamas empfiehlt, unbedingt zu kontern. Denn oft rechnet das Gegenüber gar nicht mit einem Einspruch, ist irritiert, möglicherweise auch, weil es sich gar nicht auf eine folgende Diskussion eingestellt hätte. Einspruch lohnt sich auch, wenn die Aussicht auf Erfolg, sprich Einsicht, gering erscheinen mag. Es gibt meistens stille Zuhörer, die die Situation, den Dialog beobachten. Auf sie kann der Konter bestärkend wirken, vielleicht greifen sie unterstützend ein, sehen, wie leicht es sein kann, anderen zu helfen, oder beginnen nachzudenken.

Das hat ja auch mit Zivilcourage zu tun. Kann man die lernen? Sich sozialen Mut antrainieren?
Laura Wiesböck: Ja, das kann man. Man kann lernen, sich für derartige Situationen zu sensibilisieren, und es gibt erprobte Modelle und einfache Verhaltensweisen, die man in solchen Situationen anwenden kann. Workshops, Trainings, Rollenspiele oder Leitfäden helfen dabei, Werkzeuge für künftiges Verhalten parat zu haben. Denn wer vorbereitet ist, fühlt sich im Ernstfall stärker.