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Lifestyle | 04.12.2018

Theater mit neuem Schwung

Das Toihaus Theater ist für fantasievolle Theaterproduktionen bekannt, in welchen die Kunstsparten Schauspiel, Tanz, Musik und bildende Kunst miteinander verschmelzen. Wir haben die beiden neuen künstlerischen Leiterinnen Cornelia Böhnisch und Katharina Schrott interviewt.

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(c) Thomas Kirchmaier

Das Toihaus wurde 1984 von der freien Gruppe „Löwenzahn-Verein für Theaterräume“ in einer Zeit des kulturellen und gesellschaftlichen Aufbruches in Salzburg gegründet. Vor allem mit den Stücken für Kinder tourt das Toihaus weltweit und begeistert sein Publikum. Es zählt seit 2002 zu den österreichischen Pionieren im Theater für sehr junges Publikum und ist seit 2009 Partner im europäischen Netzwerk „Small Size – Performing Arts for Early Years“. Cornelia Böhnisch ist in Tübingen geboren und studierte am Bruckner-Konservatorium Linz zeitgenössischen Tanz. Neben internationalen Arbeiten ist sie seit 2004 am Toihaus Theater aktiv und baute dort mit ihren Kollegen das Theater für junges Publikum auf. Die Salzburgerin Katharina Schrott absolvierte eine Ausbildung in zeitgenössischer Choreografie, Tanz und Performance an der School for New Dance Development in Amsterdam sowie Weiterbildungen im Bereich Tanz, 
Choreografie und Theater im In- und Ausland. Seit 2001 ist sie am Toihaus Theater aktiv, gemeinsam mit Cornelia Böhnisch kreierte sie zahlreiche Produktionen. 2015 übernahm Katharina Schrott die künstlerische Leitung des internationalen Theaterfestivals BIM BAM.

look! Salzburg: Als neue künstlerische Leiterinnen des Toihaus Theaters Salzburg stehen Sie beide vor neuen Aufgaben. Worin sehen Sie beide Ihre persönlichen Herausforderungen?

Cornelia Böhnisch: Dinge bei laufendem Betrieb zu verändern, ist eine große Herausforderung. Das fühlt sich manchmal so an wie Autoputzen bei Tempo 180. Aber es ist natürlich eine akrobatische Herausforderung, die mich sehr reizt und der ich mich gerne stelle.

Katharina Schrott: Ja, ein treffendes Bild. Das Toihaus Theater hat eine 35-jährige Geschichte. Ich denke, die Herausforderung für uns wird sein, einen neuen, jungen und unverstellten Blick für experimentelles Theater in Salzburg interessant zu machen, bewährte Linien im Haus herauszuarbeiten und trotzdem immer den Fokus auf den Esprit für das Theater von morgen im Blick zu haben. Nicht nur das Theater für Erwachsene ist in stetiger Bewegung. Auch das Theater für Kinder entwickelt sich ständig weiter – da möchten wir vorne dranbleiben.

Welche bisherigen Strukturen möchten Sie ändern? Was möchten Sie beibehalten?

Cornelia Böhnisch: Ich möchte die Machtstrukturen entflechten und transparenter machen, eine Atmosphäre des „Alles ist möglich“ entstehen lassen und den Fokus von „guter“ und „schlechter“ Kunst hin zu Kreationen abseits von wertenden Labels und Images verlegen. Jeder Zuschauer darf persönliche Erfahrungen mit dem Dargebotenen machen. Die Vision ist, ein nachhaltiges Theater zu machen, keine billigen Effekte zu verwenden und vor allem umweltschonend zu arbeiten.

Das Thema Berührungen zieht sich wie ein roter Faden durch alle Produktionen – für Kinder wie für Erwachsene. Was war die Idee dahinter, was soll vermittelt werden?

Cornelia Böhnisch: Theater ist eines der letzten Unterhaltungsmedien, das noch mit echten Körpern arbeitet. Was liegt also näher, als sich diese Berührungspunkte genauer anzusehen? Berührung ist ein riesiger Themenpool, der vom konkreten Tastsinn bis zu interkontinentalen Überschneidungen und emotionalen Berührungen reicht.

Katharina Schrott: Theater agiert immer als ein Spiegel der Gesellschaft und soll Angriffsflächen bieten. Angriffsflächen: ein haptisches Wort. Eben auch: berühren. Ich denke, dass das Thema Berührung Menschen heute mehr denn je beschäftigt. Von Vereinsamung, Verkümmerung der Sinne bis hin zu Übersexualisierung und Überreizung. Jeder ist davon irgendwie betroffen.

Auf welche zukünftigen Produktionen freuen Sie sich besonders? Gibt es Pläne, Ideen?

Katharina Schrott: Der direkte Austausch mit unserem Publikum ist uns sehr wichtig und das ist auch innerhalb unserer intimen Rahmenbedingungen möglich. Im Moment arbeite ich selbst an dem Kinderstück „Zwischen Apfel und Baum“, erstmals mit der bildenden Künstlerin Maria Morschitzky. Auf der Bühne werden die Tänzerin Pascale Staudenbauer und die Musikerin Yoko Yagihara zu sehen sein. Es ist eine sehr schöne Zusammenarbeit. Bildende Kunst bietet eine ganz andere Herangehensweise für uns Theatermenschen. Den Impuls dafür hat Connie gegeben. So sieht man vielleicht auch, wie Connie und ich zusammenarbeiten. Außerdem freue ich mich sehr darüber, dass wir wieder Teil eines sehr großen EU-Projekts sind und im internationalen Kontext mitmischen dürfen. Ein Projekt zum Thema Sound/Klang wird entstehen, begleitet von wissenschaftlicher Forschung. Der internationale Austausch mit Theatern und Künstlern ist Nahrung für das Toihaus Theater und wird auch in der Stadt Resonanz finden. Nicht zuletzt in unserem Festival für Klein(st)kinder BIM BAM im 
März 2019.

Wo sehen Sie sich zusammen mit dem Toihaus in den nächsten fünf Jahren? Was möchten Sie erreichen?

Katharina Schrott: In fünf Jahren wird es selbstverständlich sein, dass es diesen Platz in der Stadt gibt, an dem die ungewöhnlichsten Dinge passieren, die man vielleicht nicht in dieser Stadt vermuten würde. Künstler, Theaterschaffende und Kunstinteressierte aus aller Welt werden nach Salzburg kommen und begeistert sein, hier arbeiten zu dürfen und Zeit zur Entschleunigung zu haben, um an aktuellen Themen der Gesellschaft zu „basteln“. Das Publikum wird sich aus allen Generationen und Schichten zusammensetzen und Schlange vor dem Theater stehen. Theater für Kinder wird so modern sein, dass Erwachsene keine Vorstellung verpassen möchten. Alles Utopie? Vielleicht, aber eine schöne! Und die Hälfte davon wäre auch schon gut.

Worin sehen Sie Ihren beruflichen Ausgleich?

Cornelia Böhnisch: Bei meiner Tochter, meiner Familie und meinen Freunden, im Wald und in Wien.

Katharina Schrott: Ach, da bin ich ziemlich im Gleichklang mit Connie: Meine Kinder Lilli und Rosali, mein absolut unterstützender Freundeskreis, tägliches Schwimmen im Wallersee und ab und an ein Städtetrip. Paris wird die nächste Destination sein.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Cornelia Böhnisch: „Ausatmen“

Katharina Schrott: Und dann auch wieder einatmen und eintauchen ins Leben!