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Lifestyle | 21.10.2019

Vererbbarkeit von Krebs

Frauen, die befürchten, dass eine familiäre Neigung zu gewissen Krebsarten besteht, kann eine genetische Beratung angeboten werden. Grundsätzlich wird dabei unterschieden, ob es sich um eine prädiktive genetische Testung handelt oder eine diagnostische Beratung.

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© iStock by Getty Images

Prädiktive genetische 

Bei einer prädiktiven genetischen Beratung wird mit Ihnen ein familiäres Risiko besprochen. In der Regel ist die Ratsuchende selbst gesund und ein naher Familienangehöriger z. B. an familiärem Brustkrebs/Eierstockkrebs erkrankt oder dies wird vermutet.

Diagnostische genetische Beratung

Im Gegensatz dazu soll bei einer diagnostischen genetischen Beratung der Verdacht abgeklärt werden, dass eine bei Ihnen bereits bestehende Brustkrebs/Eierstockkrebserkrankung möglicherweise durch eine genetische Veränderung verursacht wurde. Es kann aus zwei Gründen wichtig sein, eine genetische Mutation (BRCA 1, 2) zu kennen: Erstens kann es für die eigene Therapie von Bedeutung sein und zweitens auch für Verwandte eine wichtige Information darstellen, um im Falle einer genetischen Mutation eine entsprechende Beratung einzuholen.

Prädiktive genetische Beratung

Die Beratung erfolgt durch Humangenetiker und den Arzt Ihres Vertrauens. Dabei werden das persönliche Risiko und mögliche genetische Ursachen anhand von gewissen Kriterien eingeschätzt. Wenn das Erkrankungsrisiko über 10% beträgt oder eine Patientin Brust- und/oder Eierstockkrebs hat, kann die Bestimmung des eränderten Krebsgens vorgenommen werden. Zur Abschätzung des familiären Risikos dient die neben stehende Tabelle. Zuweisung notwendig Für die genetische Beratung ist eine Zuweisung durch einen Kassenarzt notwendig (Verdachtsdiagnose „Familiäres Brust- und Eierstockkrebssyndrom“).

Prädiktivie genetische Testung

Nach umfassender Beratung können Sie sich – so Sie die Kriterien einer Testung erfüllen – entscheiden, ob Sie eine genetische Testung durchführen lassen möchten. 

Kriterien für eine prädiktive genetische Testung Brustkrebs/Eierstockkrebs – in der Familie gibt es: 

  • mindestens 3 an Brustkrebs erkrankte Frauen
  • mindestens 2 an Brustkrebs erkrankte Frauen, davon eine unter dem 51. Lebensjahr
  • mindestens 1 Frau mit 35 oder jünger an Brustkrebs erkrankt
  • mindestens 1 Frau an Brustkrebs und 1 Frau an Eierstockkrebs erkrankt
  • mindestens 2 Frauen an Eierstockkrebs erkrankt
  • mindestens 1 Frau an Brustkrebs und Eierstockkrebs erkrankt
  • mindestens 1 Frau an Brustkrebs in beiden Brüsten erkrankt, wobei die Ersterkrankung v or dem 51. Lebensjahr erfolgte
  • mindestens 1 Mann an Brustkrebs erkrankt
  • eine bereits nachgewiesene BRCA1-/BRCA2-Mutation in der Familie

 

Kosten für die prädiktive genetische Testung

Wenn ein vermutetes erbliches Risiko bestätigt wird, dann ist die genetische Untersuchung bei gültiger österreichischer Sozialversicherung kostenfrei.

Wartezeit auf das Testergebnis

Aufgrund der aufwändigen Untersuchung kann es manchmal einige Wochen dauern bis das Untersuchungsergebnis vorliegt. Dies ist eine international übliche Wartezeit. Während der Wartezeit besteht immer die Möglichkeit für ein ärztliches/psychologisches Gespräch.

Anmerkung: Für Patientinnen mit Brustkrebs/ Eierstockkrebs, bei denen eine Testung aus Gründen der Therapie durchgeführt wurde, sind die Wartezeiten kürzer. Ob eine Testung durchgeführt wird, entscheidet der behandelnde Arzt.

Testergebnis

Das negative Testergebnis

(dasveränderte Krebsgen ist nicht nachweisbar) bedeutet nicht, dass Sie nicht im Laufe Ihres Lebens an Brust-/Eierstockkrebs erkranken können. Es besteht nur kein genetisches Risiko zur Erkrankung.

Ein positives Testergebnis

(Vorhandensein eines veränderten Krebsgens) sagt nicht, wann, an welchem Tumortyp oder ob überhaupt eine Krebserkrankung eintreten wird, sondern weist auf ein erhöhtes Risiko hin. Manche Frauen entscheiden sich in diesem Fall für eine vorbeugende Entfernung des Brustdrüsengewebes oder der Eierstöcke, manche für ein maßgeschneidertes Früherkennungsprogramm.

Unklares Ergebnis

Manchmal zeigt der Test eine Veränderung im Gen an, die jedoch - nach heutigem Wissen - nicht mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergeht. Daher werden diese unspezifischen Varianten als negatives Testergebnis – keine Mutation – interpretiert und auch so wie ein negatives Testergebnis behandelt. Es ist jedoch möglich, dass sich in Zukunft - mit der Zunahme des Wissens - solche Veränderungen doch als Ursache für ein erhöhtes Krebserkrankungsrisiko herausstellen. Dann werden die betroffenen Frauen und Männer über diese neuen Erkenntnisse informiert. 

Bei normalem oder durchschnittlichem Krebsrisiko

Bei normalem oder durchschnittlichem Krebsrisiko wird keiner Frau die Entfernung weiblicher Geschlechtsorgane zum Zweck der Reduktion des Krebsrisikos empfohlen!

Bei nachgewiesenem erhöhten Risiko

Bei Frauen mit nachgewiesenem erhöhten Risiko, an Brustkrebs oder Eierstockkrebs zu erkranken, können diese Organe – in Abhängigkeit vom Alter der Frau – „vorbeugend“ entfernt werden.

Eine vorbeugende Entfernung von Organen bedarf immer einer eingehenden Beratung zwischen Arzt und Patientin unter Einbeziehung und Abwägung aller mit der Operation verbundenen Risiken.

Nach der Entnahme des Tumorgewebes/Organs besteht die Möglichkeit einer Rekonstruktion mittels Implantaten oder durch körpereigenes Gewebe.

 

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© Dave Allocca / Action Press / picturedesk.com

Im Jahr 2013 hat sich die Schauspielerin Angelina Jolie beide Brüste und in Folge die Eierstöcke entfernen lassen, weil sie ein genetisch höheres Risiko trägt. Seit dem Outing von Angelina Jolie hat sich die Nachfrage nach genetischen Beratungen verfünffacht. Es war auch klar ein Trend zu vermehrten Amputationen/Operationen bemerkbar („Jolie Effekt“).

Darmkrebs in der Familie

Wenn Sie nahe Verwandte haben, die an Darmkrebs erkrankt waren/ sind, sollten Sie VOR dem 50. Geburtstag eine Darmspiegelung machen lassen. Wenn zwei oder mehrere nahe Verwandte an Darmkrebs erkrankt waren/sind, dann besteht auch die Möglichkeit einer genetischen Testung. Fragen Sie Ihren Arzt oder die Krebshilfe.

Prostatakrebs in der Familie

Männer, bei denen Großvater, Vater, Onkel oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt sind, weisen ein um 20 % erhöhtes Risiko auf und sollten mit der jährlichen Prostata-Vorsorgeuntersuchung bereits VOR dem 40. Geburtstag beginnen. Neben dem genetischen Risiko von Brust- und Eierstockkrebs gibt es eine seltene genetische Risikokonstellation jung an Gebärmutterkrebs oder Dickdarmkrebs zu erkranken (Lynch Syndrom).

Andere Risikofaktoren

Neben den beschriebenen Faktoren gibt es auch erworbene Erkrankungen oder Lebensstilfaktoren, die das Erkrankungsrisiko für gynäkologische Krebsarten und Brustkrebs beeinflussen. Zu diesen zählen: Erhöhtes Körpergewicht, Diabetes mellitus Typ II, Rauchen, Alkohol, ungewollte Kinderlosigkeit, Infektionen, Hormonersatztherapie.