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Lifestyle | 11.02.2020

Volle Power Kabarett!

DIE KABARETT findet von 20. bis 23. Februar statt und es treten Kabarettistinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz auf, die die besten Ausschnitte aus ihren aktuellen Programmen im kleinen theater Salzburg zeigen.

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(c) Thomas Kirchmaier

Dreimal mehr männliche als weibliche Kabarettistinnen gibt es laut Wikipedia im Alpenland. Das Team des kleinen theaters und das Frauenbüro der Stadt Salzburg haben sich deshalb zusammengetan und das Festival DIE KABARETT gegründet. Wir haben Caroline Richards (Mitglied des künstlerischen Leitungsteams, kleines theater), Alexandra Schmidt (Frauenbeauftrage der Stadt Salzburg) und Katharina Pichler (Presse und Organisation, kleines theater) getroffen und uns über DIE KABARETT, das bis dato einzige Frauenkabarettfestival im deutschsprachigen Raum, unterhalten.

Unser look! Salzburg: Seit mittlerweile vier Jahren findet das Kabarettfestival, das rein weiblicher Natur ist, hier im kleinen theater statt. Welche Überlegungen stecken dahinter?
Katharina Pichler: Es gibt so viele Comedy-Shows, wo hauptsächlich männliche Kabarettisten auftreten, und wir haben uns gefragt, warum das so ist. Sind Männer einfach humorvoller als Frauen? Laut Wikipedia sind etwa zwei Drittel der Kabarettisten Männer. Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig und für Frauen ist es oft gar nicht so einfach, sich in einer männerdominierten Szene durchzusetzen. Daher haben wir uns gedacht, dass wir ein Festival organisieren, bei dem eben nur Frauen auftreten.

Alexandra Schmidt: Aus meiner Sicht ist es so, dass ich gerne Kulturkooperationen mache, wo Frauen eine Bühne bekommen und gefördert werden. Frauen haben es schwerer, da meist Männer für Männer programmieren und Frauen nur genommen werden, um die Frauenquote zu halten. Da geht es nicht um ihr Können, sondern um das Geschlecht.
Caroline Richards: Die Rahmenbedingungen für Frauen sind tatsächlich nicht einfach. Ich finde, man sollte auf die Qualität der einzelnen Person eingehen. Beim Kabarettfestival sind deshalb einerseits Frauen dabei, die noch nicht soviel Bühnenerfahrung gemacht haben, aber andererseits auch große Stars wie Lisa Eckhart.
Katharina Pichler: Dieses Jahr haben wir übrigens erstmals auch einen Informations-Workshop mit Schauspielerin Julia Kronenberg dabei. Hier geht es um das nötige Know-how, das man als Künstlerin haben sollte: Hintergrundwissen über Künstlerrechte, Gagen, Versicherungen und vieles mehr. Als angehende Künstlerin ist man oft mit solchen Themen überfordert. Wenn man das nötige Wissen hat, wird man auch darin bestärkt, weiter seinen Weg zu gehen.

Warum ist Ihrer Meinung nach das Kabarett eher eine männerdominierte Szene?
Alexandra Schmidt: Mädchen gelten in der Schule als aufmüpfig und werden zurechtgewiesen, wenn sie Witze machen. Jungs werden dagegen als Klassenclowns gefeiert.Geschlechterrollen sind immer noch dadurch definiert, dass Frauen nicht in der Lage, Rolle oder Stimmung sind, sich alleine auf die Bühne stellen zu können, weil sie keine Zeit haben, ihre Texte zu schreiben – weil sie noch einen Job haben und den Haushalt erledigen und vielleicht noch Kinder und ältere Angehörige betreuen müssen. Doch allen Widerständen zum Trotz sind sie bei DIE KABARETT.
Caroline Richards: Ich glaube auch, dass wir ein Rollenbild in uns haben, wie eine Frau zu sein hat. Es ist leider immer noch so, dass Frauen auf Stereotypen reduziert werden.
Katharina Pichler: Man bekommt als Kabarettistin vielleicht oft den Eindruck, dass man eingeladen wird, damit eben ein weiblicher Part im Programm dabei ist. Es wird ein „Männervereinsgefühl“ vermittelt und das frustriert.

Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Kabarett aus?
Caroline Richards: Ich denke, es liegt an der Authentizität, die grundlegend wichtig ist. Der Text kommt vom Inneren. Egal, ob diese Person weit weg von mir ist, kommt es doch bei mir an.
Alexandra Schmidt: Mir ist wichtig, dass ich lachen kann. Und dass mir das Lachen im Hals stecken bleibt, weil ein Thema so treffend ist, es einen wunden Punkt trifft und eine Wahrheit in einem Kabaretttext erträglich macht.
Katharina Pichler: Bei mir ist es so, wenn ich am übernächsten Tag noch immer davon erzähle, wie toll es war, dann ist es ein Zeichen, dass das Programm herausragend und empfehlenswert ist. Und mir ist es wichtig, dass die Sprache gut ist – wenn der Text gut verfasst und improvisiert wird.

Vier Jahre Frauenkabarettfestival. Welche Bilanz können Sie ziehen? Wie kommt es beim Publikum an?
Katharina Pichler: Das Festival kommt sehr gut an, wir haben ein unglaublich positives Feedback in den letzten Jahren von unseren Gästen erhalten. Wir haben auch immer ein volles Haus, die Abende sind stets gut besucht. Über das Festival wird viel gesprochen und oft kommt die Frage, ob es DIE KABARETT auch im nächsten Jahr wieder gibt. Das ist für mich die beste Rückmeldung!
Alexandra Schmidt: Das Publikum ist bunt gemischt, auch vom Alter her. Es ist für alle etwas dabei.
Caroline Richards: Die Themen sind ja auch sehr vielfältig. Eine junge Kabarettistin macht natürlich ein anderes Programm als eine über 50-Jährige. Dadurch werden auch verschiedene Leute angesprochen.

Was wünschen Sie sich für DIE KABARETT für die nächsten Jahre?
Caroline Richards: Ich wünsche mir, dass es weitergeht und dass noch mehr nationale und internationale Künstlerinnen bei uns auftreten möchten.
Alexandra Schmidt: Es wäre toll, wenn DIE KABARETT zur etablierten Marke wird und man zu diesem Festival auch weiterhin gerne geht.
Katharina Pichler: Mich würde es freuen, wenn das Frauenkabarettfestival zukünftig nicht nur 
in Salzburg, sondern auch in anderen Städten wie Wien oder Graz stattfinden würde. Ich denke, wenn es in 
Salzburg so gut klappt, dann bestimmt auch anderswo!