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Lifestyle | 05.03.2019

Zeit für eine süße Pause

Imbergstraße 45. Ein Fixpunkt für alle Süßschnäbel. Wo früher die berühmten Ratzka-Schwestern mit ihren Kreationen die Kunden mit köstlichen Mehlspeisen verwöhnten, bringt nun Yasmine Scheuringer mit ihrer neu eröffneten „Die Patissière“ frischen Wind in die süße Genussszene Salzburgs.

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(c) Thomas Kirchmaier

In der Imbergstraße ist viel los. Ist sie doch eine der pulsierendsten Verkehrsadern, die direkt ins Herzen von Salzburg führt. Noch lebendiger geht es am Äußeren Stein zu. An der Bushaltestelle in der Imbergstraße wechseln tausende Menschen von jung bis alt den öffentlichen Bus, um an ihr Ziel zu gelangen.

Süßes Paradies. Wie eine Oase der Ruhe, ein Schlaraffenland für alle, die sich dem süßen Genuss hingeben möchten, scheint da inmitten all des kleinstädtischen Trubels die sehr kleine, sehr feine Konditorei „Die Patissière“ von Yasmine Scheuringer. Ende letzten Jahres hat sich die 47-jährige ehemalige Chef-Patissière des Hotels Sacher ihren Traum vom eigenen Café verwirklicht. Warum der französische Name? „Patissière – so lautet meine Berufsbezeichnug. Es ist das, was ich mein Leben lang gemacht habe. So einfach ist das“, sagt die Konditorin lachend, während sie liebevoll die vorbereiteten Faschingskrapfen in den Topf mit heißem Fett gleiten lässt. Wenn man ihr beim Backen zusieht, merkt man nicht nur die Routine, die in jedem einzelnen Handgriff steckt, sondern auch eine besonders hingebungsvolle Art und Weise, mit den Lebensmitteln und den Speisen umzugehen. Scheuringer scheint mit ihrem Beruf ihre Berufung gefunden zu haben. Selbst 20-Stunden-Tage, die sie in den letzten Monaten seit der Übernahme des Lokals oft gestemmt hat, scheinen der positiven Frohnatur nichts anzuhaben. Oft steht sie bis drei in der Früh in der Backstube, vergisst die Zeit und alles andere um sich, kreiert neue Köstlichkeiten wie zum Beispiel eine Avocado-Torte mit Schokoladenmousse und erlebt das, was viele gerne zumindest einmal in ihrem Berufsleben erfahren möchten: die gänzliche Verschmelzung mit dem Tun, den sogenannten Flow.

Mit Hingabe und Herzblut. Dem Café sieht man an, dass viel Liebe und Zeit in ihm steckt. Scheinbar unendlich viel Liebe zu den Produkten und einen auffallend achtsamen Umgang mit Zeit bringt Alexandra Müller mit. Sie scheint für Scheuringer die kongeniale Partnerin zu sein. Die beiden Frauen kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit im Hotel Sacher. Und während sich die Patissière oft in die angeschlossene Backstube zurückzieht, aus der übrigens verführerische Düfte in den Laden strömen, kümmert sich Alexandra Müller um die Gäste. Mit einer fast schon stoischen Gelassenheit, Ruhe und Perfektion schupft sie den kleinen Laden, der neben dem wahren Schmuckstück – der Kuchenvitrine – gerade noch ausreichend Platz bereithält für drei kleine Marmortische, an denen es manchmal schon ziemlich wuseln kann. Speziell wenn die Gäste auf Besonderheiten aus der Backstube warten, die gerade noch frisch zubereitet werden. Kaum kommen die Krapfen aus dem Fett, werden sie mit selbst zubereiteter Marillenmarmelade befüllt, mit Staubzucker bestreut, und fünf Schritte weiter landen sie direttissima auf dem Teller der Kunden. Frischer kann Genuss nicht sein. „Das ist es, was ich hier liebe. Ich bereite alles frisch zu“, sagt die Konditorin strahlend, „und Pralinen tunken, das liebe ich. Das ist eine Tätigkeit, die ich schon lange nicht mehr gemacht habe. Fast schon meditativ.“

Das Süße lockt und ganz Salzburg kommt. Verführerische süße Sünden von Topfentorte, Himbeer-Fleur-de-Sel-Törtchen bis hin zu saisonalen Produkten wie Faschingskrapfen oder Himbeerherzen scheinen dem unentschlossenen Kunden zuzuzwinkern „Nimm mich! Nimm mich!“. Manche der Kunden wissen ganz genau, was sie wollen. Bleiben ihrer liebsten süßen Versuchung treu. Andere wollen lieber gustieren und lassen sich bei jedem Besuch von neuen Kreationen überraschen. Einer, der ganz genau weiß, was er will, ist der Qi-Gong-Lehrer und Masseur Günther Erhardt aus Hallwang. Zweimal in der Woche kommt er in „Die Patissière“ und bestellt sich eine Topfentorte. „Ich kam schon zu Zeiten der Ratzka-Dirndln“, sagt Erhardt, „jetzt ist hier alles viel schöner, heller, freundlicher. Aber das wichtigste ist die hohe Qualität der Mehlspeisen.“Während Alexandra Müller ihrem Stammgast seinen Spezialkakao zubereitet, erzählt sie: „Hier muss irgendetwas in der Luft liegen. Oft habe ich das Gefühl, die Menschen kommen angespannt herein und gehen entspannt und fröhlich wieder hinaus.“
Ob diese merkliche Veränderung der Menschen nun am Flair des Lokals liegt oder am Genuss der himmlischen Süßspeisen, die hier erschaffen werden, sei dahingestellt. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beidem. Und beidem liegt eines zugrunde: Alles, was hier gemacht wird, wird mit dem Herzen gemacht. Das spürt man, das sieht man, und das schmeckt man.