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People | 16.03.2020

Vom Winde verweht

Beim Ballonfestival Kaiserwinkl Alpin Ballooning in Kössen entschwebt unsere Redakteurin Elisabeth im Heißluftballon gegen Himmel.

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(c) Silvia Schütz

Ballons haben mich schon immer fasziniert. Bisher kannte ich sie vor allem als kleine, farbige Punkte, die unerwartet am Horizont auftauchten – irgendwie magisch und vor allem ungreifbar. Dass ich heute selbst in einen der Körbe steigen soll, ist unglaublich.

Get-together. Als meine Kollegin Ines und ich beim Tourismuszentrum in Kössen ankommen, weist kaum etwas darauf hin, dass wir hier für unsere Ballonfahrt richtig sind. Ein Parkplatz, Menschen auf dem Weg zum Einkaufen, schneewolkenverhangener Himmel – lediglich der ein oder andere Anhänger mit kleinen bunten Heißluftballons darauf passt ansatzweise zu unserem Vorhaben. An der Anmeldung werden wir unseren Ballonführern zugewiesen: Ines fährt mit Moritz, ich mit Silvia. Mit den beiden gesellen wir uns zu den anderen Leuten in die Grenzlandhalle: Briefing ist angesagt. Spätestens jetzt bin ich vollkommen desillusioniert: Wir steigen hier nicht bequem in unseren privaten TIROLERIN-Ballon und werden gemütlich durch die Luft kutschiert. Vielmehr sind wir hautnah dabei bei der internationalen Ballonfahrer-Community, die jedes Jahr zur Ballonfahrwoche in Kössen zusammenkommt.

Zu Land. Nachdem Wetterlage und Windströmungen besprochen, hilfreiche Tipps zu bestimmten Strecken abgegeben und Start- und Zielpunkte verkündet wurden, geht es in den Autos unserer Ballonführer gemeinsam mit ihrem dreiköpfigen Team Richtung Startplatz. Die Fahrt gibt uns Gelegenheit, unsere Gruppen kennenzulernen. Silvia, Achim, Norman und Heinz sind schon seit 30 Jahren gemeinsam in der Luft unterwegs. Sie sind Montgolfiers – so nennt man Hobby-Ballonfahrer dem Namen der Erfinderbrüder Montgolfier nach, wie mir erklärt wird. Ines dagegen hat sich einem echten Profi angeschlossen, denn Moritz ist Pilot in der deutschen Nationalmannschaft. Ach ja, und man fliegt vor allem nicht, man fährt, denn immerhin handle es sich bei Heißluftballons um Fortbewegungsmittel der Luftfahrt.

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Ines hilft beim Aufbauen, während mit dem Brenner die Luft im Ballon erwärmt wird, damit er später aufsteigen kann. (c) Elisabeth Probst

Ballon-Prep. Auf einem Parkplatz unweit des Walchsees angekommen, steigt meine Vorfreude. In wenigen Minuten wird die Rampe unseres Anhängers ausgeklappt, der Korb wird auf den Parkplatz herausgezogen und der Brenner und die Polsterungen für das Gestänge werden befestigt. Und dann heißt es warten. Die Wetterlage hat sich wider der Vorhersagen nicht gebessert, und bevor die Nebeldecke nicht aufreißt, wollen wir nicht starten. Auch die anderen Teams holen ihre Luftgefährte aus den Anhängern, bei den ersten erhebt sich schon die Ballonhülle vom Parkplatz.

Gute Aussichten. Während wir auf besseres Wetter warten, beobachten wir wie sich die ersten Ballons in den Himmel wagen. Ines’ Ballon ist startbereit. Die Leinen werden gelockert, es wird angefeuert und schon steigt Moritz’ schnittiger Sportballon und nimmt als immer kleiner werdender Punkt den ersten Wind Richtung Walchsee. Langsam lichtet sich die Wolkendecke und immer mehr Stoffbahnen werden über den Schnee ausgerollt.
Fasziniert schaue ich mich um, bis es endlich auch aus meinem Team heißt: Bauen wir auf!

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Nach und nach werden die Ballons startbereit gemacht und steigen in den Himmel. (c) Elisabeth Probst

Startbereit. Stellenweise ist die Farbe unserer Ballonhülle verblichen. Sie wird am Korb befestigt und mit einem Ventilator wird Luft hineingeblasen. Der Ballon ist 26 Meter hoch, so hoch wie etwa ein siebenstöckiges Haus. An der breitesten Stelle, dem sogenannten Äquator, hat er einen Durchmesser von 20 Metern. Damit fasst er ganze 3.400 Kubikmeter Luft. („Wenn ein Erwachsener in die Hocke geht, dann passt er etwa in eine Box von einem Kubikmeter. Es würden also etwa 3.400 hockende Menschen in unseren Ballon passen“, erklärt mir Norman.) Nach und nach hebt sich der dünne Stoff vom Boden und strafft sich, gelegentlich mit etwas Gas befeuert, zu einer gigantischen Luftkugel. Schließlich wird die Topleine, die die pralle Hülle noch zu Boden zieht, gelockert und das Luftschiff steht mächtig vor uns.

Zu Luft. Endlich darf ich in den Korb klettern! Und dann geht es auch schon los: Wir heben beinahe unmerklich vom Boden ab, es heißt: Leinen los! Meter um Meter steigen wir vertikal in die Höhe. Die Menschen und Autos auf dem Startplatz werden kleiner, während sich ein atemberaubendes Panorama um uns ausbreitet. Ich fühle mich absolut sicher. Wir schippern so sachte über den Himmel, dass man kaum eine Bewegung spürt. Tatsächlich trägt uns der Wind mit etwa drei Knoten, also sechs Kilometer pro Stunde, dahin. Bei mehr Wind geht es natürlich deutlich schneller. Nur wenn man auf den Boden hinunterschaut, bemerkt man, dass wir uns überhaupt fortbewegen. Mein Blick hängt jedoch nicht an dem, was unter uns dahinzieht, sondern wird von dem Schauspiel in der Luft gefesselt. Es hat beinahe etwas Meditatives, den Blick über den Himmel, gespickt mit bunten großen und kleinen Punkten, schweifen zu lassen, während wir zwischen schneebedeckten Gipfeln über das weiße Tal dahinziehen. Die Welt scheint meilenweit entfernt.

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Vom Startplatz aus hebt unser Ballon als einer der letzten senkrecht in Richtung Himmel. (c) Elisabeth Probst

Punktlandung. Nach gut einer Stunde werden geeignete Landeplätze ins Visier genommen. Silvia lässt den Ballon sinken, um festzustellen, in welche Richtung die Windströme in Bodennähe verlaufen. Nach einigem Ausschauhalten und Tüfteln setzen wir sachte auf einem Parkplatz auf. Die Erde hat uns wieder.

Zeremonie. Zum Abschluss meiner ersten Ballonfahrt erwartet mich schließlich noch ein kurioses Ereignis. Bei meiner Ballontaufe werde ich als „Herzogin Elisabeth, Nebelschaden und viele Ballone erlebende Himmelsfee im lauen Wind, bis zur Schneebremse in Durchholzen“ in die Ballonfahrerzunft aufgenommen. Nachdem ich meinen Taufspruch gesprochen habe, werde ich von Herzogin Silvia mit den drei Elementen der Ballonfahrt getauft: Mit Feuer wird eine Haarsträhne entzündet, Erde (in meinem Fall Schnee) über das Haupt gestreut und ein Schluck Sekt hinterhergegossen. Nun gehöre ich also offiziell dem Adelsstand der Montgolfiers an. In diesem Sinne: „Glück ab – gut Land!“, wie die Ballonfahrer sagen.