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People | 08.03.2020

Emanzipiert euch!

Die Geschichte der Frauenbewegung in Österreich.

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Von der Einführung des Frauenwahlrechts über Abtreibung bis hin zur Gender-Debatte und „Me too“: Seit Jahrzehnten bewegt das Thema Emanzipation und Gleichberechtigung Menschen auf der ganzen Welt. Generation für Generation setzten sich Leute für die Rechte ihrer weiblichen Mitmenschen ein. Manche Schwerpunkte wandeln sich über die Dekaden, andere bleiben Jahrzehnte lang ein Thema.

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Fühlen Sie sich gleichberechtigt? Egal, wie Ihre Antwort ausfällt, zur Situation, wie sie heute ist, haben viele Menschen ihren Beitrag geleistet. Wir geben einen Abriss über die Meilensteine, bedeutende Persönlichkeiten und Schlaglichter aus 172 Jahren Frauenbewegung in Österreich.

Zukunft. Zwar kann selbst heute, nach mehr als 170 Jahren Aufregung, Diskussion und Engagement, noch nicht von totaler Egalität die Rede sein, aber dennoch hat sich viel getan. Die Bemühungen zahlreicher Frauen und tausender Unterstützer bereiteten und bereiten Schritt für Schritt den Weg zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. All ihnen soll unsere neue Reihe „Women for Women“ gewidmet sein.

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1848


Reaktion. Auf die gewaltsame Niederschlagung der Arbeiterinnendemonstration gegen die Senkung der ohnehin schon niedrigen Löhne hin gründet Karoline von Perin 1848 den „Wiener demokratischen Frauenverein“. Dessen Forderung lautet: Gleichberechtigung, sozial als auch im Bildungsbereich.

1870


Reife Zeit. 1870 Marianne Hainisch fordert die Errichtung von Mädchengymnasien und die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium. Erst 22 Jahre später eröffnet tatsächlich das erste Gymnasium für Mädchen in Wien.

ab 1890


Aktivistinnen. Frauen schließen sich in Arbeiterinnenbewegungen und Frauenvereinen zusammen, um gemeinsam für soziale Gleichberechtigung, gleiche Bildungs- und Berufschancen sowie gleiche Löhne zu kämpfen. Zum Ende des Jahrhunderts hin veröffentlichen viele eigene Zeitschriften, um ihre Anliegen in der Öffentlichkeit kundzutun.

1904


Idol. Bertha von Suttner wird für viele Frauen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zum Vorbild. Die Friedensforscherin und Schriftstellerin zählt zu einer der prägendsten Teilnehmerinnen der Internationalen Frauenkonferenz in Berlin 1904. Ein Jahr später wird sie als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

1919


Damenwahl. Im März 1919 bevölkern erstmals Männer und Frauen die Wahlkabinen. Daraufhin ziehen acht Frauen ins Parlament ein.

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1945


Schuldig. Schwangerschaftsabbruch wird mit Haft bestraft. Nach ersten Lockerungen des Gesetzes in der Ersten Republik wird er unter nationalsozialistischem Regime mit dem Tod geahndet. Ab 1945 kehrt man zur Ursprungsregelung zurück.

1962


Pillenknick. Die Pille wird für den europäischen Markt und damit auch in Österreich zugelassen.

1966


Equal Rights. Die in Wien geborene und später in die USA geflüchtete Gerda Lerner zählt zu den Ersten, die sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit der Frauengeschichtsforschung beschäftigt. 1966 promovierte sie mit einer Dissertation über die Rechte von Frauen und Schwarzen.

1965-1975


Boom. Die Wirtschaftswunderjahre bringen viele neue Arbeitsplätze und damit auch persönliche Freiheit und Eigenständigkeit für Frauen mit sich.

70er


Empowerment. In den 70er-Jahren schließen sich verschiedene Initiativen um die SPÖ-Politikerin Johanna Dohnal zusammen. Gemeinsam setzen sie sich für straffreie Abtreibung ein, organisieren Infomaterial zur Empfängnisverhütung, initiieren Familienberatungsstellen, forcieren die Sexualaufklärung an Schulen und bringen die Gründung von Frauenhäusern auf den Weg.

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1975


Freigesprochen. Seit 1975 ist Schwangerschaftsabbruch straffrei gestellt. Außerdem können Frauen nun über den Wohnsitz mitentscheiden und ihren Familiennamen frei wählen.

1976


Ehepartner. Mann und Frau haben in der Ehe gleiche Rechte und Pflichten. Der Mann gilt nicht länger als alleiniges Familienoberhaupt und Frauen dürfen ohne seine Zustimmung arbeiten.

1979


Staatsmännisch. Regierungsumbildung unter Bruno Kreisky: Trotz heftiger Reaktionen aus Partei und Öffentlichkeit werden vier neue Staatssekretariate geschaffen – und alle mit Frauen besetzt.

1999


Warteschleife. Die erste Frauen-Helpline gegen Männergewalt wird 1999 in Betrieb genommen. Seither ist sie rund um die Uhr kostenlos erreichbar.

2017


#metoo. Im November 2017 werden erste Fälle zur „Me too“-Debatte in Österreich bekannt. Dank der Bewegung trauen sich mehr und mehr Betroffene, Vorfälle sexueller Belästigung und sexuellen Missbrauchs zu melden. Dank der enormen Medienpräsenz wird auch die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert.

2019


Fortschritt. Beim Gender Equality Index, der 2019 vom Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen veröffentlicht wird, belegt Österreich den 13. Platz und liegt damit erneut hinter dem EU-Durchschnitt.