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People | 11.12.2018

An dieser Frau ist alles echt

Tatjana Patitz zählt zu den weltweit erfolgreichsten Models und lebt abseits der Glamourwelt. Nach Wien zu kommen, war ihr dennoch sehr wichtig.

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,,Ich wollte mein Kind aufwachsen sehen. Auch deshalb bin ich nach Kalifornien gegangen.", so Tatjana Patitz. © Stefan Diesner

Blitzlichtgewitter und Laufsteg-Rummel? Hatte sie im Überfluss. Tatjana Patitz ist heute nicht mehr die Frau, die deshalb von ihrem Wohnort Santa Barbara nach Europa jettet. Da bedarf es gewichtigerer Gründe, als nur vor der Kamera zu posieren. Der Einladung zur look! „Women of The Year“-Gala folgte die fantastisch aussehende Anfang Fünfzigjährige dann aber gerne. Nicht nur, weil Wien u. a. durch den Life Ball bei ihr positiv besetzt ist, sondern auch, weil sie sich im Kreis der Nominierten und Preisträgerinnen dieser wichtigsten Frauen-­Gala Europas gut aufgehoben fühlt.

Schon bei der Pressekonferenz am Vormittag des Galatages wurde deutlich, was den Zauber dieser Frau, die zu den gefragtesten Supermodels der Welt avancierte, ausmacht: Authentizität. Zum Interview treffen wir uns in ihrer Suite im Hotel Bristol, Tatjana trägt leichtes Make-up und freut sich sichtlich auf den Galaabend. Ihr Kleid dafür hat sie gerade ausgesucht – simpel, elegant, auf den zweiten Blick mit „Wow“-Effekt. So wie sie selbst ist.

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Fazit meines Dates mit Tatjana Patitz in Wien: Wir brauchen Frauen wie sie! © Stefan Diesner

look: Tatjana, du bist für 24 Stunden aus Los Angeles nach Wien zur „Women of the Year“-Gala gekommen, obwohl in Kalifornien rund um deinen Wohnort heftigste Feuer wüten ...

Tatjana Patitz: Ja, es ist schrecklich. Santa Barbara ist zwar vom Feuer Gott sei Dank nicht betroffen, aber entlang des Pacific Coast Highways ist alles verwüstet. Ich habe fünf Stunden zum Flughafen gebraucht. Aber ich habe zugesagt, zu euch zu kommen, das war mir wichtig, das halte ich ein ...


Das klingt nach deutscher Gründlichkeit, obwohl Amerika längst dein Lebensmittelpunkt geworden ist. Du wohnst in Kalifornien mit deinem Sohn Jonah und führst ein Leben fernab von Glamour und Showbusiness. Was ist dir persönlich wichtig?

Ich wohne in Amerika, fühle mich aber als Europäerin, auch weil viele meiner Freunde und meine Familie noch in Deutschland sind. Meine Wurzeln sind mir wichtig. Und dass ich ein Leben führen kann, in dem ich angekommen bin. Mein Sohn und ich wohnen auf unserer Ranch inmitten der Natur, ich gehe reiten, kümmere mich um unsere Tiere, bin eine ­normale Mutter und kein Supermodel.


Dein Sohn wird 15 und zählt zur Generation Z, also zu jenen Kindern, die digitalisiert aufwachsen. Wie gehst du als naturverbundener Mensch und als Mutter damit um?

Das ist eine gute Frage, die ich mir auch immer wieder stelle. Ich selbst bin wenig auf Social Media, das ist nicht meine Welt. Ich mag das echte Leben, Social Media ist eine Kunstwelt. Ich versuche, mit meinem Sohn viel zu ­reden, aber natürlich ist er wie alle in seinem Alter auf Instagram und Snapchat, das ist Teil der Jugendkultur. Das richtige Ausmaß ist wichtig. Die Auswirkungen dieser Social-Media-Sucht machen mich schon sehr nachdenklich, in Amerika steigt z. B. die Selbstmordrate bei Jugendlichen dramatisch, weil sie sich über die sozialen Netzwerke ständig vergleichen.

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STYLE ICON OF THE YEAR. Mit Riesenfreude und sichtlicher Bewegtheit nahm Topmodel Tatjana Patitz in Wien einen „Women of the Year Award“ entgegen. © Stefan Joham

In den achtziger und neunziger Jahren wurden Models wie Cindy Craw­ford, Claudia Schiffer, Naomi und natürlich du weltberühmt, weil ihr indi­viduelle Typen verkörpert habt und jede etwas ganz Besonderes war. Wie siehst du die Branche heute?

Ja, früher durfte man als Model Individualität zeigen. Heute geht es darum, wie viele Follower jemand auf Instagram hat. Die Branche ist viel narzisstischer geworden. Auch der Druck, dünn zu sein, ist enorm. Mit normalen Frauen hat das nichts mehr zu tun.


Hat dich dieser Wandel in der Branche dazu bewogen, ein naturverbundenes Leben in Kalifornien zu führen?

Nein, das ist einfach passiert. Ich hatte dort Shootings mit Herb Ritts, habe mich in die Gegend verliebt und bin geblieben. Dann habe ich ein Pferd adoptiert und verschiedene Tiere eingesammelt und habe gespürt, dass die Tiere und die Natur meine Kraftquellen sind. Und natürlich mein Kind. Das wollte ich aufwachsen sehen, nicht mit irgendwelchen Nannys, sondern ganz nahe bei mir.


Du bist sehr aktiv im Tierschutz, wie auch deine österreichische Freundin Kathrin Glock, die du immer wieder in Kärnten besuchst ...

Ja, Kathrin Glock und ich sind diesbezüglich auf einer Wellenlänge. Ich finde es ebenfalls sehr wichtig vorzuleben, dass man respektvoll und behutsam mit seiner Umwelt und den Tieren umgehen muss. Das vermittle ich auch meinem Sohn, der sich genauso wie ich um unsere Tiere kümmert.


Beschäftigt dich das Älterwerden?

Ich finde, wer glücklich und zufrieden lebt, ist immer schön. Und neue Erfahrungen halten sowieso immer jung.