Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 05.06.2019

Die Kraft der Begeisterung

Nichts Großes ist je ohne Begeisterung geschehen. Sie gleicht einem inneren, wilden Motor, der Menschen für eine Sache brennen lässt. Micky Kaltenstein ließ in ihrem Buch „Begeisterung“ unterschiedliche Persönlichkeiten aus ihrem Leben erzählen. Eine vielseitige Lektüre, die inspiriert.

Bild Micky (18 von 26).jpg
(c) Thomas Kirchmaier

Neun Menschen aus völlig unterschiedlichen Bereichen berichten von dem, was sie aus voller Begeisterung tun: Musik machen oder die Welt umsegeln, Maßschuhe fertigen oder Theaterstücke inszenieren. Es sind Menschen, die es riskieren, in keine Schublade zu passen, und die nicht nach Geld oder Ruhm streben, die einen Pfad beschritten haben, den es zuvor noch gar nicht gegeben hat, die aller Vernunft zum Trotz ihrer Idee gefolgt sind. Diese Menschen hat Micky Kaltenstein getroffen und sie aus ihrem Leben erzählen lassen.

look! Salzburg: Frau Kaltenstein, wie sind Sie auf die Idee für dieses Buch gekommen? Warum das Thema 
Begeisterung?
Micky Kaltenstein: Was mich als Kind schon immer fasziniert hat, waren Menschen, die von innen leuchten. Das hat meistens damit zu tun, dass sie ihre Berufung gefunden haben und dieser nachgehen. Ich finde es spannend herauszufinden, wie diese Menschen und ihre Persönlichkeiten ticken. Und auch das Selbstverständnis, das sie haben, ihren Weg weiterzugehen – trotz aller Widerstände, auf die sie manchmal treffen. Das Buch soll der Frage nachgehen, was Menschen, die ihre Leidenschaft gefunden haben, anders machen als solche, die ständig nur jammern.

Sie haben die Porträtierten ge­­­­­troffen und teilweise auch bei ihrer Arbeit besucht. Warum haben Sie diese neun Personen für das Buch ausgewählt?
Mir war wichtig, dass ich eine bunte Mischung aus Leuten habe – weiblich, männlich, bekannt und unbekannt –, die von sich selbst erzählen, darüber, wofür sie sich begeistern. Das Ganze sollte so pur und ehrlich wie möglich sein. Die neun Porträtierten hatte ich alle schon im Hinterkopf und wollte sie schon lange interviewen. Mit diesem Buch und dem Thema hatte ich die Möglichkeit, diese Menschen und ihre Lebensgeschichten in eine Form zu bringen. Ich liebe es, mich mit Leuten zu unterhalten und über ein Thema ins Gespräch zu kommen.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach Menschen, die ihrer Leidenschaft nachgehen, von jenen, die sich für gar nichts begeistern können?
Jene Menschen, die sich für nichts begeistern können, haben einfach noch nicht das gefunden, wofür es sich lohnt, Kraft und Energie aufzuwenden. Was ich aus den Gesprächen für das Buch herausgefiltert habe, war, dass diese Menschen zutiefst zufrieden waren mit dem, was sie machen. Meiner Meinung nach geht es diesen Personen oft gar nicht darum, mit ihrer Sache berühmt zu werden, sondern das zu machen, was für sie sinnvoll und erfüllend ist. Einige der Porträtierten haben auch den Begriff „Perpetuum mobile“ verwendet – dass man von dem, wofür man seine Energie investiert, auch wieder neuen Schwung erhält, um 
weiterzumachen.

Der Hirnforscher Gerald Hüther, der am Ende des Buches zu Wort kommt, geht eher skeptisch mit dem Begriff „Begeisterung“ um und verwendet lieber den Begriff „Freude“. Welches Resümee über Begeisterung ziehen Sie nach Fertigstellung des Buches?
Mein Blickfeld hat sich durch den kritischen Zugang von Gerald Hüther erweitert, denn ich hatte den Begriff „Begeisterung“ gar nicht historisch betrachtet und nur im positiven Kontext gesehen. Den negativen Anteil von diesem Zustand hatte ich nicht bedacht. Natürlich kann man sich auch für das Falsche begeistern. Man sollte sich durchaus der Grenzen der Begeisterung bewusst werden. Die Gedanken von Gerald Hüther gaben dem Buch die notwendige kritische Tiefe für die Thematik. Außerdem leitet er optimal zu meinem zweiten Buch „Stille“ über, das im Oktober erscheinen wird.

Wofür lassen Sie sich persönlich begeistern?
Für mich ist Begeisterung eine Art Motor, eine Form von Lebensfreude. Ich begeistere mich für Menschen, die etwas zu erzählen haben, die für eine Sache brennen. Aber ich begeistere mich auch für andere Dinge: Ich liebe Gärten und Bäume – wie ein Kind könnte ich stundenlang herumgehen und staunen.

Was möchten Sie dem Leser mit diesem Buch vermitteln?
Ich möchte mit dem Buch dem Leser nicht aufzeigen, was er zu tun hat, sondern Beispiele geben, wie man auch leben kann. Dabei ist es mir wichtig, nicht wie ein Ratgeber jemandem aufzudrängen, wie etwas zu machen ist. Das Buch ist bewusst so gestaltet, dass man darin blättern und das Kapitel 
lesen kann, das einem gerade spannend erscheint. Man kann sich als Leser etwas herausnehmen, was einem selbst wichtig ist oder im besten Fall auch Mut macht.

Bild Micky (15 von 26).jpg
(c) Thomas Kirchmaier