Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 02.07.2018

Ich höre auf meine innere Stimme

Die Pottensteinerin erobert die Opernbühnen der Welt. Im Sommer feiert Daniela Fally ein „Homecoming“ in Grafenegg. Der Talk über Vor- und Mutterfreuden und die Schattenseiten eines Berufs im Rampenlicht.

Bild 1807_N_Me_DanielaFally_3(c) Vanessa Hartmann.jpg
© Vanessa Hartmann

Die rechte kleine Zehe ist gebrochen. Eine schmerzhafte Voraussetzung für ein Shooting in High Heels. „Das macht nichts, ich nehme die Schuhe in die Hand“, lacht Daniela Fally. „Das möchte ich sowieso gerne einmal: Fotomotive, die mit klassischen Idealvorstellungen brechen.“ Die Wiener Staatsoper ist voll atemberaubender Kulissen, am 8. Juli wird Daniela Fally hier im Rahmen von [email protected] auftreten. Zuvor gibt die Sopranistin mit Weltruhm – unkompliziert und allürenlos – ein Interview mit viel Tiefgang. 

 

 

look: Sie sind erfolgreiche Opernsängerin – und Mama. Hat Sophie, 3, Sie verändert?

Daniela Fally: Sehr! Extrem positiv. Schon Jahre vor ihrer Geburt habe ich gemerkt, dass mir etwas Wesentliches im Leben fehlt. Wenn mein Beruf das auch vermuten lässt: Ich bin kein Mensch, der sich immer um sich selbst drehen will. Ich schaffe lieber gemeinsam statt einsam. Ich habe mir sehr -gewünscht, dass sich der Fokus auf -andere Menschen richtet.

 

look: Wie sind Sie als Mama?

Daniela Fally: Sehr liberal. Ich höre Sophie zu, nehme sehr viel an, was sie sagt und möchte. Ich lasse sie experimentieren und ihren Willen ausdrücken. Sie ist gerade in der sogenannten Trotzphase. Das ist ein fürchterlicher Ausdruck, denn eigentlich ist das eine spannende Phase, in der sie ihre Persönlichkeit entdeckt. 

 

 

Bild 1807_N_Me_DanielaFally_8(c) Vanessa Hartmann.jpg
© Vanessa Hartmann

look: Ihr Verlobter Gustavo Quaresma -Ramos ist ebenfalls Sänger; wie managen Sie die Familie?

Daniela Fally: Zwei Sänger sind schon per se eine Herausforderung, zwei Sänger mit Kind erst (lacht)! Es ist ein großer Organisationsaufwand. Ich halte nichts davon, à la Heidi Klum der Welt zu vermitteln, alles sei ganz leicht. Das ist ein unrealistisches Frauenbild, das nur Druck macht. Ich finde es sympathischer zu sagen: Ja, es ist eine Challenge, aber wir nehmen sie gerne auf uns, weil es uns erfüllt, weil es schön ist, Beruf und Mutterschaft gleichzeitig haben zu können. Für wen wollen wir bitte Theater spielen? Wir müssen umgekehrt stolz sein, was wir alles schaffen, wie leistungsfähig wir sind. Jeder Chef kann nur glücklich sein, Mütter in seiner Firma zu haben: Wir haben Flexibilität, Durchhaltevermögen und Belastbarkeit drauf.

 

look: Wie gelingt es Ihnen, paarweise zu (über)leben?

Daniela Fally: Manchmal besser, dann wieder weniger (schmunzelt). Wichtig sind kleine Auszeiten, kleine Inseln. Ein Abendessen, ein Thermenwochenende ...

 

look: wie empfinden Sie die große Aufmerksamkeit auf der Bühne – und die Übergänge zum „normalen“ Leben?

Daniela Fally: Alles wird zur Normalität. Wenn man bei der Bühnentür hineingeht, ist man die Sängerin. Wenn man hinausgeht, der ganz normale Mensch. Diese positive Welle seitens des Publikums ist unglaublich schön, aber es gibt durchaus auch andere Wellen, die genauso dazugehören. Ich erlebte auch schon eine Premiere, bei der die Inszenierung einen richtigen Buh-Orkan bekommen hat. Das hat uns sehr getroffen. Vielleicht härtet man ja irgendwann ab … 

 

look: Ein anderes Thema: Ihre Kollegin Elisabeth Kulman richtete den Fokus auf Ungerechtigkeiten, als sie „art but fair“ initiierte: für faire Entlohnung und -respektvollen Umgang mit Künstlern ...

Daniela Fally: Opern werden weltweit geschlossen, es gibt einen sehr kleinen Markt und viele sehr gut ausgebildete Sängerinnen und Sänger. Am Ende des Tages möchte jeder die Miete bezahlen; das macht den Zusammenhalt untereinander nicht einfach. Umso schöner ist es, wenn sich Menschen darum bemühen. Diese Initiative ist mutig und wichtig.

 

look: Sie mussten heuer den Auftritt beim Opernball krankheitsbedingt absagen, in Paris wurde einmal durch einen -versehentlichen Schlag Ihr Kehlkopf -getroffen – wie präsent ist die Angst um die Stimme?

Daniela Fally: Gar nicht! Als der Schlag auf den Kehlkopf passierte, war ich überrascht, dass so etwas überhaupt möglich ist. Dass ich beim Opernball nicht auftreten konnte, das war schlimm. Das war mein Lebens-traum und überhaupt der Grund, warum ich Sängerin geworden bin: Weil ich beim Opernball Eva Lind gehört habe, als sie den „Frühlingsstimmenwalzer“ gesungen hat. Aber ich hatte eine Kehlkopfentzündung und Bronchitis; so etwas trifft jeden Sänger, da kann man nichts machen.

 

look: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Daniela Fally: Ich habe mein Leben lang viele Visionen verfolgt, aber im Moment möchte ich es gerne nehmen, wie es kommt. Ich will vertrauen. Wenn es mir auch nicht immer gelingt, meine Grundregel ist, auf die innere Stimme zu hören und dem zu folgen, was einem ein gutes Gefühl gibt. Das weist einem ganz deutlich den Weg.

 

 

Mehr Infos zum Topevent [email protected] findet ihr hier!