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People | 05.05.2019

Jodeln macht glücklich!

Jodeln, das lautmalerische Silbensingen, fasziniert Menschen weltweit und animiert, es auch einmal selbst zu versuchen. Die gebürtige Bayerin Anita Biebl gibt in ihren Workshops einen Einblick in die Welt dieser stimmgewaltigen Ausdrucksform und zeigt, dass Jodeln jeder kann, Spaß macht und verbindet.

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(c) Thomas Kirchmaier

Das Jodeln ist eine der ältesten Kommunikationsformen. In wahrscheinlich allen Gebirgsregionen der Welt wurden Techniken entwickelt, um mit Rufen weite Distanzen akustisch zu überbrücken. Damit verständigten sich seit historischen Zeiten Hirten und Waldarbeiter. Nicht nur in den Alpen wurde von Alm zu Alm mit Almschrei oder Juchzer kommuniziert oder auch das Vieh mit einem Viehruf angelockt. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit das Jodeln als Gesangsform. Für die studierte Musik- und Tanzpädagogin Anita Biebl bedeutet Jodeln pure Lebensfreude, die sie Menschen in ihren Workshops und Performances vermitteln möchte.

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(c) Thomas Kirchmaier

Frau Biebl, gejodelt wird auf der ganzen Welt. Was ist das Besondere daran?
Ursprünglich war das Jodeln der Übergang zur Sprache. Man sagt ja, der Ton macht die Musik, der Klang bestimmt das Gesagte. Neben der Körpersprache zählt der Ton mehr als Worte. Das Besondere am Jodeln ist eben die reine Ausdrucksform. Man kann seine Stimme als Instrument benutzen. Für mich ist Jodeln mehr Ursprung als Tradition.

Was genau passiert beim Jodeln? Wie funktioniert es?                                                                                 Das Wichtigste zu Beginn ist, dass man seinen Kopf frei bekommt. Viele Menschen, die zu meinen Workshops kommen, haben oft zu hohe Erwartungen, da sie glauben, es geht sofort an das Kunstjodeln. Darum geht es mir aber gar nicht. Ich fange mit meinen Teilnehmern Schritt für Schritt an. Man muss locker sein. Genau genommen versteht man unter Jodeln den Registerwechsel von Bruststimme zur Kopfstimme, es entsteht somit ein hörbarer „Sprung“. Im Gegensatz zum Singen – da sollte man den Sprung nicht hören. Bei den meisten Jodelanfängern ist die Überwindung oft das Schwierigste, aber Jodeln kann wirklich jeder, dazu muss man kein Gesangsgenie sein.

Liegt Jodeln Ihrer Meinung nach wieder im Trend?
Auffällig ist, dass sich sehr stark die jüngeren Leute für das Jodeln interessieren. Jodeln hat meiner Ansicht nach wieder einen neuen Aufschwung erfahren. Auch in meinen Workshops sind die Teilnehmer buntgemischt: Jung, Alt, Frauen, Männer. Außerdem kommen alle aus unterschiedlichen Ländern zu mir und sind begeistert dabei. Man kann schon sagen, dass Jodeln wieder im Trend liegt, Gottseidank! Ich finde diese Ausdrucksform einen passenden Ausgleich zu unserer heutigen Alltagsstruktur. Einfach einmal abschalten und bewusst zu unserer ursprünglichen Kommunikation zurückzukehren.

Hat Jodeln nicht auch etwas Meditatives?
Auf alle Fälle! Es gibt einige Jodler, die sehr entspannend sind und eine beruhigende Wirkung haben. Dann gibt es aber auch schnelle Jodler, die man zusammen mit anderen im Kanon singt. Da hat man das Gefühl, man singt sich in Trance. Du bringst deinen Körper in Schwingung und konzentrierst dich ganz auf den Klang. Jodeln hat etwas mit bewusster Atmung zu tun. Ich persönlich jodle gerne, um mich wieder zu zentrieren. Es tut einfach gut!

Was können sich die Teilnehmer in Ihren Workshops erwarten?
Mein Workshop dauert ca. eineinhalb Stunden und es sind meist bis zu acht Teilnehmer dabei. Ich greife dabei immer auch auf Körper- und Bewegungselemente zurück und starte den Unterricht, um sich aufzuwärmen, zum Beispiel mit Bodypercussion oder Beatboxen. Viele denken, jodeln müsse einem im Blut liegen. Man kann es aber einfach lernen, und ich behaupte, „Übung macht den Meister!“. Am Ende gibt es dann auch noch ein Jodel-Diplom für die Teilnehmer. Auf das sind alle immer sehr stolz. Ich biete neben Standard-Workshops aber auch Wochenendkurse mit einer geführten Wanderung an. Das heißt, dass ich zusammen mit den Workshop-Teilnehmern auf einen Berg wandere und währenddessen immer wieder Pausen einlege, um gemeinsam zu jodeln. Danach kehren wir auf eine Alm ein, essen, trinken und gehen wieder zurück. So wird Jodeln auch mit einem Erlebnis verbunden, das bei vielen einen starken Eindruck hinterlässt. In meinen Workshops gebe ich einen breit gefächerten Einblick über das Jodeln, und es ist für mich immer wieder schön zu sehen, wenn sich die Teilnehmer auf das Jodeln einlassen können und einfach Freude daran haben.

 

Bild Frau Biebl Jodln (17 von 27).jpg
(c) Thomas Kirchmaier