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People | 16.03.2019

Mit 45 ist noch lange nicht Schluss!

Die Snowboarderin Claudia Riegler ist durch ihren Weltcupsieg am 8. Jänner 2019 mit 45 Jahren die älteste Snowboard-Weltcupsiegerin aller Zeiten. Wir haben uns mit der lebensfrohen und bodenständigen Salzburgerin 
zu einem Gespräch getroffen.

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(c) Thomas Kirchmaier

Von 1994 bis heute erreichte Claudia Riegler im Snowboard-Weltcup insgesamt 26 Podiumsplatzierungen und sechs Siege. Ihren allergrößten Erfolg feierte sie am 23. Jänner 2015 bei der Heim-WM mit dem Gewinn der Goldmedaille beim Parallelriesenslalom am Kreischberg im Lachtal im Alter von 41 Jahren. Am 7. März gewann sie den Parallel-Bewerb in Moskau. Durch ihren ersten Weltcupsieg auf österreichischem Boden in Bad Gastein am 8. Jänner 2019 wurde sie mit 45 Jahren zur ältesten Snowboard-Weltcupsiegerin in ihrer Disziplin. Ihr Optimismus und ihre positive Art, mit Rückschlägen umzugehen, haben ihr geholfen, ihren Weg zu gehen. Dabei macht die Snowboarderin anderen Frauen Mut und inspiriert sie, nicht aufzugeben, sondern auf sich selbst zu hören und, wie Claudia Riegler es gerne formuliert, um „sich selber keine Grenzen zu setzen“.

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(c) Thomas Kirchmaier

look! Salzburg: Sie haben im Jänner 2019 die Goldmedaille im Parallel-Slalom in Bad Gastein gewonnen. Was bedeutet Ihnen dieser Sieg?
Claudia Riegler: Es ist wirklich einer meiner schönsten Siege. Daheim gewinnen ist etwas Besonderes! Es waren viele Freunde hier und die Familie. Es haben sich so viele Menschen mit mir gefreut. Da geht mir das Herz auf. Vor allem, weil ich eben in einem gewissen Alter bin, kommen viele Frauen auf mich zu, denn sie sehen, was alles möglich ist. Das ist auch, was ich vermitteln möchte: dass man sich eben 
selber keine Grenzen setzt.

Dabei war ein frühzeitiges Karriereende zwischenzeitlich vorgezeichnet: Als 30-Jährige wurden Sie aus allen ÖSV-Kadern gestrichen, weil sie angeblich zu alt waren. Nun sind Sie mit 45 Jahren die älteste Snowboard-Weltcupsiegerin. Was hat Ihnen Kraft und Motivation gegeben, trotzdem nicht aufzuhören und weiterzumachen?
Ich war damals ehrlich gesagt schockiert über diese Aussage. Aber ich habe gespürt, dass das noch nicht alles war für mich. Es war immer klar, dass ich weitermache. Daran habe ich keine Sekunde lang gezweifelt. Ich habe mich definitiv nicht zu alt, sondern fit und gut gefühlt. Dieser Sport macht mich einfach glücklich und mir geht es darum, in meinem Leben glücklich zu sein, egal wie holprig der Weg auch ist. Ich bin eine Kämpferin und finde immer eine Lösung.

Werden Sie oft auf Ihr Alter angesprochen? Ärgert Sie das?
Nein, überhaupt nicht! Es soll jeder wissen, dass ich 45 Jahre bin. Ich möchte zeigen, dass es keine Grenzen gibt. Ich möchte anderen Frauen Mut machen. Ich bekomme auch viele Rückmeldungen, dass ich in dieser Hinsicht ein Vorbild für viele Sportlerinnen bin. Darüber freue ich mich sehr, das motiviert mich selber.

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(c) Thomas Kirchmaier

Wie lautet Ihre Lebensphilosophie?
„Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume.“ Der Spruch steht auch auf meinen Autogrammkarten. Als ich mir diese neulich angesehen habe, bin ich draufgekommen, dass ich genau das mache. Auch das Auseinandersetzen mit mir selber, nicht nur, dass ich meinen Körper trainiere, sondern auch meinen Geist. Denn beides hängt stark zusammen. Ich arbeite viel an mir, mache Yoga und Meditation, besuche viele spannende Workshops. Ich kann von mir sagen, dass ich ein positiv denkender Mensch bin, eine Optimistin. Sicher habe ich auch Phasen, in denen es mir nicht so gut geht, aber ich versuche immer, meine Gedanken in eine Richtung zu lenken, die mir gut tut. Im Endeffekt denke ich, dass alles seinen Sinn hat, egal was passiert.

Welche Ratschläge können Sie Sportlerinnen mit auf den Weg geben, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
Es ist wichtig, auf sein Herz zu hören. Die Meinung anderer ist nicht immer die Wahrheit. Man kennt sich selbst am besten. Genau das hat mich immer nach vorne gebracht, mich motiviert, meinen Weg zu gehen.

Was ist Ihr Ausgleich zum Sport?
Sport! Ich liebe Beachvolleyball. Abgesehen davon bin ich auch gerne in der Natur, gehe wandern, bin auf den Bergen. Das gibt mir sehr viel Kraft. Ich merke, wenn es stressig wird, brauche ich die Natur. Musik gibt mir ebenfalls viel, meine Kopfhörer sind meistens immer dabei. Und nicht zuletzt umgebe ich mich gerne mit netten Leuten.

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(c) Thomas Kirchmaier

Wie bereiten Sie sich auf ein Rennen vor? Gibt es einen gewissen Ablauf?
Ich stehe meistens früher auf, mache Yoga und meditiere. Das ist wirklich ein Ritual geworden, das ich vor jedem Rennen fix mache. Je nach Tagesverfassung höre ich Musik und vor dem Start konzentriere ich mich auf mich selbst. Aber generell bin ich da schon sehr locker.

Gibt es unter den Sportlerinnen viel Konkurrenzdenken und Neid?
Es ist schon so, dass am Tag des Rennens sich jede auf sich selbst konzentriert und jede natürlich gewinnen möchte. Aber so soll es ja auch sein. Wenn eine Kollegin eine bessere Leistung erbracht hat, war der Sieg auch verdient. Die Beste soll gewinnen. Wir alle haben ein Potenzial. Wir trainieren auch gemeinsam und pushen uns gegenseitig. Wir sind eine richtig lässige Trainingsgemeinschaft. Neid und Eifersucht bringen einen nicht weiter. Man muss es sportlich sehen!

Welche Wünsche und Ziele haben Sie für die Zukunft?
Solange ich mich fit fühle, geht es auf alle Fälle weiter. Ich schaue immer von Saison zu Saison. Wenn ich Spaß habe und mich weiterentwickeln kann in dem, was ich mache, will ich den Weg weitergehen. Olympia ist für mich auch nicht ausgeschlossen. Es bleibt also auf alle Fälle spannend!

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(c) Thomas Kirchmaier