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People | 04.06.2018

Papas allein zu Hause

Papa allein zu Hause Klingt nach Chaos? Mitnichten. Immer mehr Männer schupfen Haushalt und Kinderbetreuung. Und das gerne. Wir trafen drei Väter, die sich entschieden haben, bei Kind und Kegel daheim zu bleiben und sich auf das Abenteuer Väterkarenz einzulassen.

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Credit: Thomas Kirchmaier

Einen gemeinsamen Termin zu finden, war gar nicht so einfach. Der Kalender der Väter scheint voll zu sein, bestimmt von fixen Programmpunkten wie Babyschwimmen oder den Schlafenszeiten des Nachwuchses. Letzten Endes haben wir es doch geschafft und trafen die drei Väter Markus, Nikolaus und Manfred zum gemeinsamen Talk und Erfahrungsaustausch im Salzburger Gwandhaus.



look! Salzburg: Als ihr euch entschieden habt, bei euren Kindern daheimzubleiben, wie hat da euer Umfeld reagiert? 

Markus: Ich habe durch die Bank nur positive Erfahrungen gemacht. Als ich sagte, dass ich nicht nur ein paar Monate, sondern eineinhalb Jahre daheimbleibe, waren die meisten überrascht und begeistert gleichzeitig. Niemand hat gesagt, „Was bist du für einer, schickst deine Frau zur Arbeit, und du machst es dir daheim gemütlich." Nikolaus: Ich glaube, in den letzten Jahren hat sich ein Imagewandel in der Gesellschaft vollzogen. Immer mehr Männer wollen den Kontakt zu ihren Kindern stärken und nehmen sich eine Auszeit vom Job. Und das wird Gott sei Dank auch gesellschaftlich immer mehr akzeptiert. Man braucht ja nur in die Managementebene vieler Unternehmen schauen. Es gibt immer mehr Männer, die nicht nur die Rolle des Brötchenverdieners haben wollen, sondern auch aktiv am Familienleben teilnehmen möchten. Manfred: Ganz sicher hat sich im Laufe der Zeit hier sehr viel getan. Als ich vor 14 Jahren entschieden habe, Hausmann zu sein, war ich schon noch sowas wie ein Exot. In dieser Rolle, die traditionell von Frauen besetzt wird, habe ich des Öfteren Reaktionen erfahren wie „Ach, der lässt seine Frau arbeiten“.

Auf welche Herausforderungen oder Schwierigkeiten seid ihr gestoßen?


Manfred: In den zehn Jahren, die von Waschen, Putzen und Kochen geprägt waren, bin ich schon hin und wieder an meine seelischen und körperlichen Grenzen gekommen. Immer da sein zu müssen, leistungsfähig sein zu müssen, etwas Einfaches zu brutzeln, weil die Kinder hungrig von der Schule heimkommen, auch wenn es sich eigentlich nicht ausging. Das fordert einen schon heraus. Das Gebundensein an Haus und Kinder war tatsächlich eine große Aufgabe. Ich glaube, dass das dem Mann vielleicht sogar schwerer fällt als der Frau. Aber ich bin auch der festen Überzeugung, dass mich diese Herausforderung extrem wachsen hat lassen. Markus: (lacht) Jetzt gerade beim Wickeln. Oft sind die Wickeltische auf den Damentoiletten. Da heißt es flexibel bleiben. Und ich weiß genau, dass in Zukunft noch einiges auf mich zukommen wird, das mir meine Grenzen aufzeigt. Es ist nicht jeden Tag lustig. Aber ich bleibe gelassen, Emil ist halt jetzt der Chef.

Ändert(e) die Zeit mit euren Kindern den Blick auf die Welt? Auf das Leben?


Manfred: Mich veränderte die Zeit tief. Ich spürte plötzlich, wie wertvoll die Arbeit unserer Mütter und Großmütter ist, ohne dass dafür bezahlt wird. Wertvolle Arbeit, die von der Gesellschaft für selbstverständlich genommen wird ohne irgendeinen Ausgleich. Schön ist, dass die Männer eine andere Seite in sich entdecken können. Sie blühen richtiggehend auf – das ist doch ein Riesengeschenk.
Nikolaus: Ich war es gewohnt, 70 bis 90 Stunden in der Woche zu arbeiten. Als Laurenz zur Welt gekommen ist, hat sich vieles verändert. Ich sehe die Welt in einem anderen Licht, aus einer völlig anderen Perspektive. So ein kleiner Mensch hat Bedürfnisse, und die haben plötzlich Vorrang. Das muss man auch zulassen können und das gewohnte Bild, das die Gesellschaft von einem erfolgreichen Mann hat, neu definieren. Die Prioritäten verschieben sich. Vieles, was vorher wichtig ist, ist auf einmal nebensächlich. Wie zum Beispiel das Kinderzimmer: Ich wollte alles perfekt haben. Es ist noch vor der Geburt fertig gewesen. Genutzt wird es bisher als Gästezimmer und auch als Büro. Unser Kleiner darf bei uns im Schlafzimmer schlafen und gespielt wird ohnehin im Wohnbereich. Aber das muss „Mann“ wohl erst mal erleben und erfahren, um den Blick für das Wesentliche zu erhalten.
Markus: Ich bin in der kurzen Zeit, seit der ich jetzt bei Emil bin, viel ruhiger und gelassen geworden. Weniger impulsiv. Der Bub ist jetzt der Chef und sagt, wo es langgeht. Mit Situationen, die mich früher gestresst hätten, gehe ich viel gelassener um. Improvisieren und flexibel sein lautet die Devise.

Wie würdet ihr euer Vater- und Hausmann-Dasein in wenigen Worten beschreiben?


Markus: Lustig, herausfordernd, dankbar. Manfred: Ich bin dankbar für die Zeit.
Nikolaus: Die schönste Erfahrung meines Lebens.