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People | 10.03.2020

Weil es immer schon so war ...

Über dieses Handwerk wird niemals Gras wachsen. Ganz im Gegenteil: Bereits in vierter Generation wirkt Andreas Schmiderer in Lofer als über die Grenzen hinaus bekannter Rechenmacher.

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(c) C.Pipal

"Ich muss bis 86 arbeiten“, lacht Andreas Schmiderer. Warum das so ist? Nun, weil auch sein Urgroßvater Georg, sein Opa Georg und sein Vater Alois bis zum jeweils 86. Lebensjahr gearbeitet haben. Die Rechenmacher von Lofer haben eine lange Tradition, und diese wird mit Andreas bereits in der vierten Generation weitergetragen. „In früheren Zeiten gehörten wir zur Innung der Wagner. Damals war das eine mindere Arbeit, und so haben die Bauern die Rechen selber gemacht“, weiß Andreas und erzählt, wie sein Urgroßvater das Blatt gewendet hat: „Er war der Bauernsohn vom ‚Blasenbauer‘ am Hirschbichl in St. Martin und hat in der Winterzeit Rechen hergestellt. Die sind ihm so gut gelungen, dass er im Jahr 1872 in Gumping bei Lofer eine Werkstatt aufgemacht hat. Die Rechen waren ein wichtiges Werkzeug für die Landwirte, die sie im März gebraucht haben, um den Mist auf den Feldern zu verteilen, Anfang Mai, um das Grünfutter einzugrasen, im Sommer für die Heuarbeit und im Herbst, um das Laub in den Mist einzustreuen.“

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(c) C.Pipal

Haufenweise Rechen-Aufgaben. In der Loferer Werkstatt zeigt Andreas Schmiderer auf einen Haufen fein säuberlich verpackter Rechen, die heute nach Kärnten verschickt werden. „Im Laufe der Zeit haben sich viele regional unterschiedliche Anforderungen sowohl für den Rechen als auch für die Stiele aufgetan. Inzwischen gibt es bei uns 40 verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Breiten, Zinkenabständen und Stiellängen“, erklärt Andreas und zeigt stolz auf seine Werkstücke, die in Reih und Glied auf ihren Einsatz warten. Das Lindenholz für Sensenstiele und die Buche für das Rechenjoch kommen aus heimischen Wäldern und werden zwischen Heilig Martin und Maria Lichtmess gehackt.„Dann steht das Holz ‚aus dem Saft‘ und ist später nicht rissig und ‚kliebig‘. Das Holz wird händisch entrindet und drei Jahre schonend luftgetrocknet.“ Dies ist ebenso eine jahrhundertealte Tradition wie die Form der Rechen. Die leichte geschwungene Jochbiegung müsse sein, damit der Rechen ohne Rupfen übers Gras gleite, so der Rechenmacher. Traditionell geht es auch noch bei der Herstellung zu. So sind die Hobelmaschine und die Bandsäge, beide aus dem Jahr 1918, unersetzliche Werkzeuge: „Wir verwenden nach wie vor die alten Maschinen, denn das sind bis zum heutigen Tag die besten, die es jemals gegeben hat.“

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(c) C.Pipal

Spot fürs Rechen-Zentrum. Nur der eine oder andere Auftraggeber hat sich im Laufe der Zeit geändert. Und wohl auch so mancher Verwendungszweck. So bekam Andreas Schmiderer im vergangenen Jahr eine ganz besondere Bestellung: „Ein deutscher Designer wollte Drahtbügelrechen zum Aufstellen als Garderobe.“ Den Auftrag, 11.000 Feng-Shui-Minirechen herzustellen, musste Andreas ablehnen: „Für das sind meine Maschinen nicht ausgelegt.“ Und wohl die witzigste Anfrage kam von einer Berliner Werbefirma. Für einen Werbespot zur Darstellung eines etwas anderen „Rechen-Zentrums“ stellte Andreas 200 Stück als Leihgabe zur Verfügung. Für ihre wahre Bestimmung werden die Rechen aus Lofer in alle Herren Länder verschickt: „Im Jahr 1900 wurden die ersten mit der Bahn nach Salzburg geliefert. Heute versenden wir die Rechen nach Thailand, Irland und bis nach Nordamerika“, sagt Andreas nicht ohne Stolz. Neben ihm liegt das Prospekt seiner Firma, von dem zwei bildhübsche Damen lachen. „Das sind meine Töchter Madeleine und Hannah.“ Die fünfte Generation ist weiblich. Madeleine hat gesagt, sie wird einmal mit dem Rechenmachen fortfahren. Weil es immer schon so war ...