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People | 04.02.2018

#Wordrap mit Sebastian Linz

Sebastian Linz ist ab 1. März als künstlerischer Geschäftsführer in der ARGEkultur tätig. look! Salzburg hat sich mit dem gebürtigen Nürnberger getroffen und über seine neue Herausforderung und seine Zukunftsvisionen gesprochen.

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Bildcredit: Thomas Kirchmaier

Sebastian Linz übernimmt mit der ARGEkultur ein – wie er es selbst nennt –„gesund gewachsenes Haus“, das in den letzten Jahren einen Höchststand bei den Publikumszahlen erreicht hat und sich finanziell auf einer sehr stabilen Basis befindet. Der in München lebende 38-jährige Familienvater studierte Theaterwissenschaft, neuere deutsche Literatur und germanistische Linguistik und arbeitete unter anderem für die Festivals Spielart, Dance und die Münchner Biennale, die Salzburger Festspiele, an der Oper Köln, am Pathos München und als Dozent für die Bayerische Theaterakademie August Everding oder das Siemens Arts Program. Für ihn bietet diese neue Herausforderung die Gelegenheit, seine Ideen zu verwirklichen, festen Strukturen wieder mehr Freiraum zu geben und mit seinen Konzepten und Netzwerken der ARGEkultur zur weiteren Entwicklung zu verhelfen.

look! Salzburg: Herr Linz, wie sind Sie eigentlich zur ARGEkultur in Salzburg gekommen?
Sebastian Linz: Ich war beruflich immer wieder mal in Salzburg und ich kannte die ARGEkultur als Veranstaltungsort. Über eine öffentliche Ausschreibung habe ich mich letztes Jahr beworben und an einem sehr intensiven Auswahlprozess, der über vier Monate dauerte, teilgenommen. Schließlich habe ich mich unter 30 MitbewerberInnen durchgesetzt.


Sie leben seit 2001 mit Ihrer Familie in München, was verbindet Sie mit Salzburg?
Ich finde, dass Salzburg eine ganz spannende Stadt ist, und München, was die kulturelle Dichte betrifft, nicht unähnlich ist. Gleichzeitig gibt es nicht sichtbare Widersprüche. Das finde ich sehr spannend.

An welchen Widerspruch denken Sie hier konkret?
An die Diskrepanz im Stadtbild. Zum einen ist da diese Zuckerbäckerinnenstadt, saubergeleckt und freizeitparkähnlich gestaltet. Auf der anderen Seite gibt es gegensätzlich dazu Viertel wie beispielsweise Lehen. Diese Abtrennung der Quartiere scheint mir sehr stark. Da stellt sich mir aber wieder die Frage, wie man das in einem Programm aufnehmen kann. Das ist ja auch ein großer Aspekt meiner Arbeit, diese Diversität einzubauen. Man hat in Salzburg, vor allem als Neuankömmling, schon das Gefühl, dass die Altstadt zusammen mit dem Mönchsberg einen Riegel zu den Stadtteilen wie Lehen oder Elisabeth-Vorstadt bildet, wo mehr Leute mit migrantischem Hintergrund leben. Das könnte eventuell ein Bestandteil des Programms 2019 werden.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Programme aus?
Die Programme bestehen aus verschiedenen Sparten, die bedient werden müssen. Das heißt, aus den Bereichen Theater und Tanz, Musik, Kabarett und Kleinkunst, Medienkunst und Literatur. Zusammen mit dem Netzwerk, mit dem die ARGEkultur seit Jahren arbeitet, und natürlich auch mit meinem Netzwerk, das hinzukommt und so erweitert und internationalisiert wird, wählen wir die Programme aus, die auch mit den Zielvorgaben von Politik und der Kulturförderung abgesprochen werden. Über allem steht die Konzeption, das heißt, was wir inhaltlich machen. Es geht um die politische Relevanz, die Haltung der KünstlerInnen und natürlich die Qualität und Ästhetik. Die Auswahl der Programme ist also eine sehr komplexe Angelegenheit.


Auf was freuen Sie sich im Programm 2018 besonders? Was sind Ihre Highlights?
Am meisten freue ich mich auf das, was ich selber machen werde, nämlich das Open Mind Festival („What’s left/What’s right“), weil es das erste Mal ist, dass ich so ein Programm kuratiere. Das Festival ist der Versuch der Neubestimmung: Was und wo ist links? Was und wo ist rechts? Und was wäre ein richtiger Umgang des sogenannten Linken mit dem neuen sogenannten Rechten?
Das Open Mind Festival 2018 will zu dieser Fragestellung einen Beitrag leisten und lädt zu Theater-Performances, Installationen, Diskursformaten, Workshops und vielem mehr ein.
Darüber hinaus gibt es 2018 ein total spannendes Programm für die verschiedensten Zielgruppen, wie beispielsweise auch die stART-Produktion, die sich dem Thema „Hymne“ verschrieben hat.

Vor welchen Herausforderungen sehen Sie sich als künstlerischer Geschäftsführer und welche Ziele möchten Sie für die ARGEkultur setzen?
Eine große Herausforderung ist sicherlich, alles ersteinmal kennenzulernen, vor allem die KünstlerInnen und die Netzwerke. Und das, was erfolgreich ist, auch so weiterzuführen. Auf der anderen Seite aber auch die Strukturen, die es hier gibt, schrittweise weiterzuentwickeln. Mir sind Frei-, Denk- und Handlungsräume wichtig, die man schaffen muss. Die ARGEkultur ist eine Institution, die gut funktioniert und auch finanziell sehr gut dasteht. Sie ist, unter anderem auch dank der kaufmännischen Geschäftsführerin Daniela Gmachl, sehr „gesund“ gewachsen. Aber erfolgreiche Strukturen und Mechanismen haben auch immer wieder die Tendenz, rigide, fest und unflexibel zu werden, da sie nicht adäquat auf Veränderungen reagieren können. Ich möchte sozusagen einen „gut geölten Betrieb“ wieder ins Stottern bringen, denn nur so beginnt das Denken! Mein Ziel ist es, dass die Säulen und Sparten, die wir anbieten, nicht nebeneinander stehen, sondern vielmehr ineinander greifen. Und dass diese Sparten die Diversität der Stadt besser abbilden. Außerdem möchte ich mich mit den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen auseinandersetzen und sie untersuchen. Es gibt also sehr viel für mich zu tun.

Was ist Ihr beruflicher Ausgleich?
Mein Ausgleich ist meine Familie in München. Ich finde auch die räumliche Trennung gar nicht so schlecht, weil ich mich dann total in die Arbeit hier in Salzburg vertiefen kann. Zuhause bin ich dann Papa und Partner. Das ist sicherlich ein guter Ausgleich. Aber ich habe jetzt einfach riesengroße Lust, mich komplett auf meine neue Aufgabe zu stürzen, auf Widerstände zu treffen und daran zu wachsen.