Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 14.10.2019

Wordrap mit...Kathrin Proft

Die Enkeltochter des Firmengründers Fritz Dollinger hat in Passau und Chicago Betriebswirtschaftslehre studiert und war sieben Jahre als Unternehmerin bei der Boston Consulting Group in München tätig, bevor sie den Familien­betrieb übernommen hat.

Bild Fr. Proft-5265.jpg
(c) Thomas Kirchmaier

Seit vielen Jahrzehnten ist Dollinger die Adresse für Tracht und Mode im Berchtesgadener Land. Kathrin Proft und ihr Mann Sebastian Proft sind seit dem Jahr 2013 geschäftsführende Gesellschafter des Mode- und Trachtenfilialisten Dollinger mit 24 Filialen in Oberbayern und Salzburg. Sie übernahmen am 1. Juli 2019 das Traditionsunternehmen Moser in Salzburg. Wir haben uns mit Kathrin Proft getroffen und über das Unternehmen sowie ihre Ideen und Projekte gesprochen.


Unser look! Salzburg: Frau Proft, als Enkelin des Firmengründers Fritz Dollinger waren Sie bereits früh mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern vertraut. War es eigentlich für Sie immer schon klar, dass Sie das Familienunternehmen einmal übernehmen werden?
Kathrin Proft: Mir war wichtig, dass ich berufliche Erfahrungen sammeln kann, und habe durch mein Studium für mich auch sehr viel dazugelernt. Mein Mann hatte großes unternehmerisches Interesse und wollte auch immer eine eigene Firma haben. Da hat es sich dann gut ergeben, dass wir das Unternehmen meiner Eltern übernehmen. Für sie wiederum war es schön, dass der Betrieb in der Familie bleibt und weitergeführt wird. Uns war eben wichtig, dass wir einen klaren Plan für die Übergabe haben und so die Gesamtverantwortung übernehmen konnten.

Welche Erfahrungen haben Sie von Ihren Vorgängern mitnehmen können? Welche Änderungen waren Ihnen wichtig?
Da es das Unternehmen nun schon über 60 Jahre gibt, wollen wir die lokale Verankerung und die langjährigen und loyalen Mitarbeiter erhalten. Das familiäre und persönliche Umfeld zu erhalten ist mir sehr wichtig. Das spürt auch wiederum der Kunde, wenn er zu uns kommt. Was wir verändert haben war die analytische und systematische Herangehensweise im wirtschaftlichen Bereich, beispielsweise im Einkauf. Früher hat man das vielleicht eher emotionaler gehandhabt. Das geht heutzutage nicht mehr. Die Übernahme beziehungsweise der Übergang war aber insofern eine Herausforderung, als das Konfliktpotential in der Familie auch dementsprechend hoch ist. Aber wir haben das ganz gut gemeistert und die Balance zwischen Familie und Unternehmen gut ins Gleichgewicht bekommen.

Die Konkurrenz im Modehandel ist groß. Einkaufszentren und Online-Shopping machen es dem klassischen Einzelhandel schwer. Wie reagieren Sie mit Ihrem Unternehmen darauf?
Es gibt viele Konkurrenten – gerade in Salzburg gibt es viele Shopping-Center. Daher ist es wichtig, dass man vor Ort ist, in der Fußgängerzone, um das persönliche Gespräch mit den Kunden zu halten. Der Online-Bereich soll ebenfalls gut ausgebaut werden. Dieser Bereich ist sehr wichtig, denn viele Kunden wollen sich vorab informieren und schauen, welches Sortiment wir haben und in welcher Preislage wir liegen.

Tracht erfreut sich seit längerer Zeit wieder großer Beliebtheit, auch unter den Jugendlichen. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Ich denke, die Individualisierung ist wieder ein ganz großes Thema. Das kann Tracht sehr gut abbilden. Es gibt viele Varianten und man kann Tracht auch gut mit anderen Kleidungsstücken kombinieren. Mit Tracht kann man sich auch mit seiner Heimat identifizieren und im Gegensatz zur Globalisierung eben das lokale Bewusstsein stärken. Es ist auch weniger dieser Wiesn-Boom, der die Tracht unter Jugendlichen wieder so beliebt macht, sondern es wird auch bei kleineren, regionalen Veranstaltungen wieder gerne Tracht getragen. Mit einer hochwertigen Tracht hat man auch etwas Langlebiges, Nachhaltiges zuhause und steht im Gegensatz zum schnellen Konsum. Das ist auch bei vielen wieder mehr im Bewusstsein.

Was bedeutet Ihnen Tracht?
Früher habe ich Tracht bei größeren Anlässen getragen und verbinde sie mit Hochzeiten, Taufen und so weiter. Als Jugendliche fand ich Tracht nicht sehr cool. Heutzutage ist Tracht vielmehr im Alltag eingebunden als damals, weil man es eben auch so gut kombinieren kann. Ich persönlich habe sechs bis sieben Dirndl daheim im Kleiderschrank – wobei ich dazusagen muss, dass ich schon alleine aus beruflichen Gründen immer wieder neue Dirndl dazubekomme. Viele Stücke gebe ich dann wieder weiter, daher variiert die Anzahl der Dirndl bei mir im Kleiderschrank oft.

Gibt es Ideen oder Projekte für Ihr Unternehmen, die Sie gerne umsetzen möchten?
Neben dem Ausbau des Online-Bereichs wollen wir uns im stationären Handel noch mehr dem Thema Gastlichkeit widmen. Unsere Läden sollen zum Aufenthaltsraum werden und wir wollen unsere Gäste mit Gastronomie verwöhnen. Eventuell möchten wir auch Events anbieten oder Kooperationen umsetzen und sie mit den Themen Lifestyle, Gesundheit und Kosmetik verbinden. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, Kosmetikbehandlungen im Shop anzubieten. Wir wollen einfach für unsere Kunden das Einkaufen zum Erlebnis machen.

Haben Sie ein persönliches Lebensmotto?
Man sollte nie stehen bleiben, sondern immer einen Schritt weitergehen. Wir haben bis jetzt viele Projekte umgesetzt und Herausforderungen angenommen. Es ist alles möglich, wenn man es richtig angeht!